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02. Juni 2020
·
5 Minuten Lesezeit

Kettenbriefe können Angst machen

Ein Beitrag von:
Corinna Harles
Corinna Harles
Artikelinfo:

Kettenbriefe sind kein neues Phänomen, ganz im Gegenteil. Was früher per Brief und später als E-Mail weitergleitet wurde, erreicht heute Jugendliche und auch Kinder via Messenger wie z.B. WhatsApp.

Kettenbriefe sind kein neues Phänomen, ganz im Gegenteil. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Rezeptkettenbriefe, die per Post oder später per Mail weitergeleitet wurden. Mittlerweile werden Kettenbriefe häufig über Messenger verteilt. Gerade über WhatsApp erreichen sie eine sehr junge Zielgruppe.

Vor allem im Volksschulalter können Kettenbriefe immer häufiger große Angst unter den Kindern verbreiten. Warum?

 

Solche Nachrichten landen überraschend auf dem Handy eines Kindes:

 

"Bevor du denkst, dass der Kettenbrief nicht stimmt: du liegst falsch. Der Kettenbrief stimmt. Wenn du diesen Kettenbrief nicht an mindestens 20 Kontakte weiter schickst, wirst du mich heute Nacht um Punkt 24 Uhr in deinen Zimmer/in deinen Elterns Zimmer/bei deinen Freunden, je nach dem wo du schläfst bzw. schlafen wirst, finden. Ich werde in einer Ecke stehen, und dich die ganze Nacht lang beobachten. Ich sehe schrecklich gruselig aus, du wirst fast einen Herzinfarkt bekommen…."

Es werden dann nicht selten auch Beispiele angeführt von scheinbar tatsächlichen Opfern, z. B. in diesem Stil:

 

"...Also rate ich dir dringend, diesen Kettenbrief weiter zu schicken!!!

Du glaubst mir nicht? Jana (13) wurde am 16.12.13 hart umgebracht, weil sie die Kettenbriefe nicht beachtet hatte. Sie dachte nur ”Ach, was ein langer Kettenbrief, stimmt eh nicht und werde ich sowieso nicht durchlesen.” und sie schlief friedlich um 22:00 Uhr ein. Um 23:58 am nächsten Tag fand man ihre noch blutige Leiche in ihrem Bett auf."

Wir Erwachsenen können diese Nachrichten als Fake einordnen, jüngeren Kindern fällt dies schwer. Vorsichtshalber leiten sie sie an ihre Kontakte weiter, aus Angst, die Kette  zu unterbrechen und dann großes Unheil zu erleiden. So bekommen diese Nachrichten eine riesige Reichweite.


Geh, das ist doch nur Blödsinn.

Oft werden die Ängste der Kinder nicht ernst genommen und mit einem Satz abgetan. Doch die Panik wird real gefühlt. Kinder machen sich große Sorgen und können manchmal gar nicht mehr schlafen. Umso wichtiger ist es, die Ängste ernst zu nehmen und darauf einzugehen.

Sie einfach zu entkräften, das ist gar nicht einfach, selbst nach vielen Erklärungen ist die Sorge oft noch nicht ganz verschwunden. Deshalb ist es wichtig, das Thema immer wieder aktiv anzusprechen.

Das können Sie als Eltern tun

Von Beginn an aktiv ansprechen

Sobald Sie Ihrem Kind ein eigenes Handy anvertrauen, ist es wichtig, auch mögliche Inhalte zu besprechen, mit denen Ihr Kind konfrontiert werden könnte. Sprechen Sie das Thema Kettenbriefe aktiv an. Ermutigen Sie Ihre Kind, jederzeit zu Ihnen zu kommen, wenn es durch eine Nachricht verunsichert ist. Im Internet können Sie sich gemeinsam auch Beispiele ansehen. Denn es ist absolut unmöglich, Handys komplett vor Kettenbriefen zu schützen!

 


Erklärung 

Erklären Sie Ihrem Kind, was hinter Kettenbriefen steckt. Dass es leere Drohungen – Fakes – sind, die nicht persönlich an sie, sondern an eine Vielzahl von Personen gleichzeitig verschickt werden. Auch, dass die Absender einfach Angst machen wollen, ist eine hilfreiche Info.

 


Geduldig bleiben! 

Nehmen Sie sich immer wieder Zeit, um zu erklären, dass nichts Schlimmes passieren wird und dass es sinnvoll ist, Kettenbriefe, die einem schon selbst Angst machen, nicht weiterzuschicken: um zu verhindern, dass sich auch die Freunde des Kindes fürchten. Das braucht oft viele Wiederholungen, bis das Kind die Sicherheit gewinnt, dass die angedrohten Gefahren wirklich nicht real sind.

 


Gemeinsame Recherche

Sie können den Text der Nachricht (bei Audios ebenso) in eine Suchmaschine gemeinsam eingeben. Meist finden sich dazu im Internet Informationen, dass die Nachrichten Fakes sind. So gibt es außer euch auch noch andere Quellen, die die Informationen bestätigen. Zusätzlich lernt Ihr Kind, wie man Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann. Eine empfehlenswerte Seite dazu ist etwa auch www.mimikama.at. 

 


Kettenbriefe erkennen

Besprechen Sie typische Merkmale von Kettenbriefen, wie etwa Tippfehler, viele Rufzeichen oder eine übertriebene Betonung des Wahrheitsgehalts. Gehen Sie die Kettenbriefe gemeinsam durch, die gerade in der Klasse die Runde machen.

 

Gemeinsam Regeln festlegen

Legen Sie gemeinsam Regeln fest, welche Kettenbriefe weitergeschickt werden können (falls das Kind das möchte) und welche nicht. Denn nicht alle Kettenbriefe sind bedrohlich oder bedenklich, es gibt durchaus auch sehr lustige.

Manchmal können aber gerade auch auf den ersten Blick nette Kettenbriefe Druck ausüben. Etwa, wenn ein Kettenbrief an die besten sechs FreundInnen geschickt werden soll und Ihr Kind vielleicht mitbekommt, dass eine/r seiner/ihrer FreundInnen sie nicht berücksichtigt hat. Auch hier gilt es, die Enttäuschung ernst zu nehmen und Trost zu spenden.

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