Beziehungen
05. Juli 2022
·
5 Minuten Lesezeit

Hilfe, mein Kind hat Heimweh!

Ein Beitrag von:
Silvie Haring
Silvie Haring
Katharina Wurnig
Katharina Wurnig
Artikelinfo:

Im Urlaub ohne Eltern: Es ist normal, dass Ferienlager, Sprachwoche, Trainingscamp oder Projekttage bei Kindern Heimweh auslösen können. Was Eltern tun können, um ihr Kind auf den Aufenthalt weg von zuhause vorzubereiten. 

Ihr Kind wird diesen Sommer in ein Ferienlager fahren? Womöglich zum ersten Mal? Es ist normal, dass Ferienlager, Sprachwoche, Trainingscamp oder Projekttage bei Kindern Heimweh auslösen können. Heimweh hat immer zu dieser Herausforderung dazugehört. Durch den veränderten Alltag in der Corona-Zeit, die Isolation und weniger Sozialkontakte tun sich Kinder vermehrt schwer, von Zuhause und den Eltern getrennt zu sein. Wie können Eltern ihr Kind auf den Aufenthalt weg von zuhause vorbereiten? Und was kann man tun, um Heimweh vorzubeugen? Wir haben Tipps, wie Eltern ihre Kinder bei diesem Schritt in Richtung Selbstständigkeit gut unterstützen können.

Was ist Heimweh?

Heimweh ist ein unangenehm erlebtes Gefühl, das den Wunsch auslösen kann, einen fremden Ort verlassen zu wollen, um nach Hause zurück zu kehren. Auslöser für dieses Gefühl ist die Sehnsucht nach Sicherheit und Geborgenheit des Bekannten. Tagesabläufe, Regeln und Personen geben uns die Ruhe, die wir zu Hause verspüren. Durch einen Ortswechsel werden diese Routinen durchbrochen. Unruhe, Unsicherheit und Angst können die Folgen sein.

 

Man kann aber bereits in der Vorbereitung einiges tun, um dem Nachwuchs diesen wichtigen Schritt in die Selbstständigkeit leichter zu machen.

#1 Nicht ins kalte Wasser werfen

Eine Übernachtung bei Freunden vor der Anmeldung zu einem Ferienlager ist eine gute Möglichkeit, die neue Situation schrittweise auszuprobieren. Beziehen Sie Ihr Kind auch in die Auswahl des Ferienlagers mit ein und informieren Sie sich zusammen, was es dort erwartet.

#2 Ja, ich will

Wenn Ihr Kind keinesfalls fahren möchte, dann sollten Sie diese Entscheidung respektieren und ihn oder sie nicht wegschicken.

#3 Strategien besprechen

Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass es Heimweh bekommen könnte und dies ein ganz normales Gefühl ist. Im Zuge dieses Gesprächs können Sie Ihren Sprössling auch auf den Umgang mit diesem Gefühl vorbereiten und Strategien zur Ablenkung mit ihm durchgehen. Achten Sie aber darauf, Ihre eigene Angst, dass Ihr Nachwuchs Heimweh bekommt, nicht auf Ihr Kind zu übertragen.

Vereinbaren Sie fixe Zeiten, wo Sie mit Ihrem Kind telefonieren – da Heimweh meist abends auftritt, sollte man zu dieser Tageszeit nicht miteinander telefonieren.

#4 "Zuhause" einpacken

Geben Sie Ihrem Nachwuchs etwas persönliches mit, um sich den Aufenthalt heimischer zu gestalten. Ein Stofftier, die Lieblingskekse und ein Tagebuch, um aufquellende Gefühle aufschreiben zu können, können gute Dienste leisten.

Kind auf der Straße unterwegs mit Polster

#5 Betreuer*innen informieren

Sie vermuten bereits, dass Ihr Kind Heimweh bekommen könnte? Sagen Sie es auch den Betreuungspersonen, wenn Sie Heimweh bei Ihrem Kind befürchten. Sollte Ihr Nachwuchs das Lager ausschließlich belastend erleben, können diese Sie informieren und Rücksprache halten, ob ein vorzeitiges Abholen sinnvoll ist.

 

Äußert Ihr Kind diesen Wunsch, halten Sie Rücksprache mit den betreuenden Personen, da ein solcher Wunsch oft durch eine vorübergehende Situation ausgelöst wird und sich schon nach kurzer Zeit wieder legt.

Ist Heimweh da,

ist es zunächst wichtig,

den Auslöser dafür zu finden.

Gründe für Heimweh...

 können vieles sein, z.B.

  • Streitereien in der Gruppe.

  • Ungewohntes Essen.

  • Wenig Schlaf.

  • Neue Freunde und Bezugspersonen.

  • Die ersten Nächte in einem fremden Bett. 

Aufenthalt angenehmer gestalten

Wenn Ihr Kind mit Heimweh mit Ihnen Kontakt aufnimmt, sollten Sie also versuchen, die Ursache gemeinsam herauszufinden. Aus den gewonnenen Informationen kann man Ansatzpunkte finden, um dem Kind das Heimweh zu nehmen. Tipps um den Streit zu schlichten, ein Ritual vor dem Schlafengehen, das erholsamen Schlaf verspricht und die Ablenkung durch die Teilnahme an vielen Aktivitäten beruhigen das Gemüt des Nachwuchses. Ermutigen Sie Ihr Kind auch dazu, sein Heimweh nicht für sich zu behalten, sondern sich jemandem anzuvertrauen. Aussprache hilft!

Kinder springen in Badesee

Wir wünschen eine schöne Sommerzeit!

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