Entwicklungsphasen
12. Apr. 2022
·
7 Minuten Lesezeit

Vom Paar zur Familie

Ein Beitrag von:
Elisa Stögmüller
Elisa Stögmüller
Katharina Wurnig
Katharina Wurnig
Artikelinfo:

Jede Familie ist anders und doch durchlaufen Individuen ähnliche Phasen der Familienentwicklung, die Freude genauso wie Schwierigkeiten bringen. Die Umstellung vom kinderlosen Paar zur Familie ist so eine. Mehr dazu und wie lange die Anpassung dauern kann, lesen Sie hier. 

 

Familien sind individuell sehr unterschiedlich, und doch durchlaufen Einzelpersonen ähnliche Phasen. Modelle der Familienentwicklung (zum Beispiel von Duvall) beschreiben diese Phasen und die Herausforderungen, die in der jeweiligen Phase bewältigt werden müssen. Auch wenn sich die meisten Eltern sehr auf ihr neue Rolle freuen, erfahren doch fast alle auch Schwierigkeiten rund um diese Umbrüche im Leben.

Familie ist etwas, was sich erst entwickeln muss und auch kontinuierlich weiterentwickelt.

  • Was ist eine Familie?

    Unter Familie verstehen wir mehrere Personen aus mindestens zwei Generationen die einander nahe sind und füreinander sorgen – das können alle möglichen Kombinationen von Erwachsenen und Kindern sein. Es gibt Alleinerziehende-Familien, Patchwork-Familien, Pflegefamilien, Regenbogenfamilien, Queer-Familien, Bi- und multikulturelle Familien, Wohngemeinschafts-Familien, Polyamore Familien oder Erziehungs-Partnerschafts-Familien.

Anpassung an die Elternschaft 

Der Übergang vom kinderlosen Paar zum Elternpaar bringt zahlreiche Veränderungen mit sich. Es gibt Menschen, die sich sofort in ihrer Elternrolle einfinden. Fühlen Sie sich wie in die Elternrolle hineingeboren, dann ist das großartig! Vielleicht gehören Sie jedoch eher zu den Menschen, die sich erst an die Rolle als Mutter oder Vater gewöhnen müssen. Auch das ist normal und total in Ordnung.

 

Tatsächlich brauchen die meisten Menschen etwas Zeit, um sich in einer neuen Lebensphase wohlzufühlen und etwas Übung, um damit zurechtzukommen.

völlig
neue 

Lebensumstände

welche großen Veränderungen sind am Beginn der Elternschaft herausfordernd?

Stimmungsveränderung
Auf individueller Ebene der Frau kann es zu einer Zunahme von Ängstlichkeit und depressiven Stimmungen kommen.

Dieser emotionale Zustand ist allerdings eher kurzfristig und eine vorübergehende Erscheinung. Fühlen sich Mütter sehr belastet, kann sich eine postpartale Depressionen („Wochenbettdepression“) entwickeln.

Neuer Alltag
Der Tagesablauf ändert sich, ebenso Privatsphäre, Freizeit und Erwerbstätigkeit.

 Häufig führt die Geburt des ersten Kindes zu einer traditionellen Rollenverteilung. Das bedeutet, dass Paare die bisher eine eher moderne Partnerschaft geführt haben, nun zu sehr traditionellen Rollenmustern zurückkehren. Praktisch heißt das die Übernahme von Hausarbeit und Kinderpflege durch die Frau. Zudem wird mehr Zeit zu Hause verbracht und vormals individuelle Freizeit und Privatsphäre wird zur Familienzeit.

Paarbeziehung

Nach der Phase des „baby-honeymoon“ kommt es zu einer Abnahme der Zufriedenheit mit dem/r Partner*in beziehungsweise mit der Beziehung.

Teilweise nimmt die Ehezufriedenheit erst in der Phase der nachelterlichen Gefährtenschaft wieder zu. Allerdings ist das stark abhängig davon, wie zufrieden die Partner*innen vor der Elternschaft miteinander waren. Das Kommen und das Gehen von Kindern hat große Auswirkungen auf die Partnerschaft und stellen jeweils die „Tiefpunkte“ der Partnerschaftszufriedenheit dar!

Zwischen Babymoon und Wochenbettdepression

Die Einstellung auf die Bedürfnisse des Neugeborenen ist psychisch und physisch für das Elternpaar überwältigend, da Mutter und Vater sich in einer völlig neuen Situation befinden. Es kommt zu einem absoluten Bruch mit dem bisherigen Alltagsleben.

 

Gleichzeitig sind die Eltern unglaublich stolz und haben viele Glücksgefühle. Das wird als Baby-Honeymoon bezeichnet.

 

Die Mutter erfährt nun starke körperliche und emotionale Veränderungen. Sie muss den Verlust des Kindes im Bauch und der Fantasien über das Kind verarbeiten. Die hohe körperliche und psychische Beanspruchung kann zur postpartalen Depression („Wochenbettdepression“) führen.

 

Väter erfahren intensive Gefühle für das Baby und Zustände emotionaler und kognitiver Überwältigung. Konzentrationsstörungen, Schlafproblemen, Anspannung und Sorgen um das Kind sind möglich. Die Hauptaufgabe des/der Partner*in in dieser ersten Phase ist es, für die Mutter und ihre Versorgung da zu sein. Auch beim Vater gibt es in der Phase nach der Geburt hormonelle Veränderungen, die zu einer stärkeren Familienorientierung führen. 

 

Die Beziehung zwischen den Elternteilen, die Paarbeziehung, gestaltet sich nun so, dass das Kind verbindend und trennend zugleich wirkt. Es wirkt verbindend, weil das Paar die gemeinsame Aufgabe der Versorgung und des Beschützens hat. Genauso aber auch trennend, da jeder Elternteil seine persönlichen Bedürfnisse zurückstellen und die Liebe des/der Partner*in mit dem Kind teilen muss.

 

Etwa bis zum 6. Lebensmonat des Säuglings dauert es, bis die Eltern den Alltag zu dritt bewältigen. Gegen Ende des 1. Lebensjahres des Kindes stabilisiert sich die Emotionalität. Bei den Eltern ist eine gewisse Entspannung, Vertrautheit, Gewöhnung und Routine in Bezug auf ihre Elternrolle eingetreten. 

Die Integration des ersten Kindes braucht in etwa 2 Jahre.

Die genannten Herausforderungen, die durchaus schwierig sein können, sollen Sie nicht abschrecken oder ängstigen. Sie sollen Sie lediglich darauf aufmerksam machen, dass der Übergang zur Elternschaft nicht immer leicht ist. Dieser Umstand ist jedoch ganz normal.

 

Familienentwicklung in der Anfangsphase braucht Zeit! Diese Zeit sollten Sie sich und Ihrer Familie geben.

 

Seien Sie geduldig miteinander und holen Sie sich Hilfe, wenn die Last zu groß wird. Reden Sie mit einer vertrauten Person oder holen Sie professionelle Unterstützung.

Vor allem nach der Geburt wäre es notwendig, die Frau zusätzlich zur Hilfe des Partners bzw. Vaters auch tatkräftig von außen zu unterstützen. Das passiert in der westlichen Welt im besten Fall meist nur durch die Großmütter. Haben Sie das Gefühl, mehr Hilfe zu brauchen, weil Ihnen alleine alles zu viel wird, dann tun Sie das! Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie möglicherweise an Wochenbettdepression leiden, sollten Sie sich unbedingt Unterstützung holen

online-videoberatung

Ein Gespräch kann Entlastung bringen. Wenn Sie sich zusätzliche Unterstützung holen möchten, stehen wir Ihnen gerne mit individueller Beratung zur Seite. 

Freuen über die schönen seiten...

Elterns zu sein bringt auch viele positive Aspekte mit sich. Eltern erleben Freude und Anregung, die Kinder mit sich bringen und können Zuneigung und Wärme geben und empfangen. Außerdem erleben sich Eltern als wichtige, reife Mitglieder der Gesellschaft und erfahren neue Lern- und Wachstumsmöglichkeiten, die das Leben bereichern. Das Heranwachsen und die Entwicklung des Kindes lösen Gefühle wie Stolz, Freude und Glück aus.

...einen umgang mit den schwierigen seiten finden

Für die meisten Eltern überwiegen die wunderbaren Seiten des Elternseins und trotzdem kommt es hin und wieder vor, dass ein Kind einfach nur nervt und man sich die friedvolle, stille Zeit ohne Kinder zurückwünscht. In solchen Momenten kann es helfen, tief durchzuatmen und in naher Zukunft Zeit für sich selbst einzuplanen.

 

Wechseln Sie sich beim „Babydienst“ mit Ihr/-e Partner*n ab, um Entlastung zu bekommen. Studien haben ergeben, dass es die Partnerschaftszufriedenheit nach der Geburt erhöht, wenn die Verantwortung der Säuglingspflege geteilt wird.

 

Es hilft auch, immer wieder Zeit als Paar zu verbringen. Organisieren Sie sich regelmäßig einen Babysitter und unternehmen Sie etwas Schönes zu zweit. Darüber hinaus ist es hilfreich, sich mit dem/der Partner*in über das Elternsein auszutauschen.

gut
zu
wissen:

Die Integration eines zweiten Kindes in die Familie braucht in etwa nochmals 2 Jahre. In dieser Zeit wendet sich die Aufmerksamkeit der Mutter hin zum Neugeborenen, für das ältere Geschwisterkind wird dadurch der andere Elternteil, meist der Vater, extrem wichtig. Erst mit etwa dem ersten Geburtstag ist die Aufmerksamkeitsverteilung der Eltern wieder gleichverteilt.

 

Die Familie findet nun eine neue Balance, gewöhnt sich an die neue Konstellation und neue Regeln, wie die Familie zu viert funktioniert, entstehen. Die Integration des zweiten Kindes ist abgeschlossen, wenn erkennbar ist, dass Eltern und Kinder unterschiedlichen Generationen angehören. Es ist dann einerseits ein Elternsystem, andererseits ein Geschwistersystem vorhanden und ein Gefühl von „wir, als Eltern“ und „wir, als Geschwister“ ist entstanden.    

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