Selbstwert Kind
Entwicklungsphasen
18. Mai 2026
·
12 Minuten Lesezeit

Wie man den Selbstwert von Kindern stärken kann

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Rat auf Draht Elternseite
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Artikelinfo:

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist von großer Bedeutung für die Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern. Doch was, wenn das Vertrauen in sich selbst geschwächt ist? Dieser Artikel zeigt, wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen können, innere Stärke und Selbstvertrauen aufzubauen, um Krisen gut zu meistern. 

Als Elternteil wünscht man sich, seinem Kind all das mitzugeben, was es für ein erfülltes und erfolgreiches Leben braucht. So auch einen guten Selbstwert.

 

Selbstwertprobleme – also dann, wenn jemand wegen seiner Art sich selbst zu bewerten, in emotionale Probleme gerät, weil der eigene Wert von bestimmten Leistungen oder Eigenschaften abhängig gemacht wird und dem eigenen Wertemaßstab nicht genügt wird – sind leider keine Seltenheit.

 

Vor allem, weil der Vergleich mit anderen durch digitale Medien heutzutage noch verstärkt wird und unrealistische sowie übertriebene Maßstäbe setzt, die als erstrebenswert gelten und dadurch oft zu einem noch negativeren Empfinden führen. Auch aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen wird von Kindern und Jugendlichen mehr Leistung als früher gefordert. Es liegt dann auch nahe zu denken, dass der eigene Wert daran hängt, wie viel man leistet oder wie beliebt man ist.

 

Wie man den Selbstwert von Kindern stärken kann, erfahren Sie in diesem Artikel.

Selbstwert – Was ist das eigentlich?

Zuerst ist es wichtig, Begriffe rund um das Thema „Selbstwert“ zu verstehen. Was möchten wir überhaupt stärken und was ist eher problematisch?

 

(Definitionen abgeleitet von H.H. Stavemann …und ständig tickt die Selbstwertbombe“, (2025))

  • Selbstwert: der Wert, den sich eine Person nach bestimmten Regeln bewusst oder unbewusst selbst zuschreibt. 
  • Selbstwertkonzept: beschreibt die bewussten und unbewussten Regeln, Eigenschaften oder Merkmale, nach denen jemand den Zugewinn oder Verlust des eigenen Werts bestimmt. Das Selbstwertkonzept wird von Moralvorstellungen, Erziehungsnormen, sozialen und kulturellen Einflüssen geprägt. 
  • Selbstwertmaßstab: verwendete Messlatte, die angelegt wird, um zu bestimmen, ab wann jemand wertvoll (genug) ist.

Allein sich dieser Aspekte bewusst zu werden, also dass es beispielsweise eine „innere Regel“ gibt, nach der ich mich selbst bewerte oder, dass unbewusst Maßstäbe gesetzt werden, kann manchmal schon helfen, schädliche Selbstwertkonzepte aufzuweichen.

Bei Selbstwertkonzepten, die noch nicht gefestigt sind – wie es bei Kindern meist der Fall ist –, kann es hilfreich sein, diese Aspekte gemeinsam zu reflektieren und herauszufinden, wo man gezielt ansetzen kann.

 

Selbstwertprobleme haben in den allermeisten Fällen damit zu tun, dass sich jemand „pauschal“ selbst bewertet. Es wird hierbei nicht auf einzelne Eigenschaften oder Situationen geschaut, sondern der gesamte Selbstwert rattert in den Keller, sobald einem einzigen Anspruch nicht genügt wird, weil der gesamte Selbstwert von einem einzigen Merkmal abhängig gemacht wird. Was dieser Anspruch ist, ist meistens auch sehr willkürlich.

 

Zwei weitere wichtige Begriffe sind…

  • Selbstbild: beschreibt die eigene Sicht auf sich selbst in Form von Eigenschaften, Fähigkeiten und Werten. Mit oder ohne Bewertung der einzelnen Aspekte, jedoch ohne einen Gesamtwert zu bestimmen.

  • Selbstwirksamkeit: beschreibt die Zuversicht Dinge zu schaffen/Anforderungen gerecht zu werden oder mit ihnen zurechtzukommen.

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Was können Eltern fördern?

Ziel ist es also, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, Selbstwertkonzepte zu reflektieren: Woran mache ich meinen Wert fest? Ist der eigene Wert oder der anderer Menschen überhaupt pauschal bestimmbar?

 

Darüber hinaus sollen junge Menschen dazu angeregt werden, ihr Selbstbild differenziert zu betrachten und einzelne Aspekte anhand ihrer eigenen Ziele und Wertvorstellungen zu bewerten. Anstatt sich selbst pauschal negativ zu beurteilen, wie beispielsweise „Ich bin so dumm, nie werde ich ein guter Schüler sein“, können sie lernen, konkrete Erfahrungen realistisch einzuordnen: „Diesmal habe ich es leider nicht geschafft, ein „sehr gut" auf die Schularbeit zu schreiben, schade.“

 

Ein weiteres Ziel ist es, die Selbstwirksamkeit zu stärken. Die Jugendlichen sollen das Vertrauen entwickeln, dass sie durch eigenes Engagement und Üben Fortschritte erzielen können. So kann aus dem Gedanken „Ich kann das nicht“ eine zuversichtliche Haltung entstehen: „Ich glaube, dass wenn ich es übe, auch ich es schaffen werde, einen Purzelbaum zu machen.“ 

Konkrete Ideen, um Kinder zu unterstützen:

  • Validieren: Validieren Sie Ihr Kind, indem Sie seine Gefühle und Wahrnehmungen ernst nehmen und annehmen. So lernt es am besten, sich und seine Gefühle kennenzulernen. Das bietet eine gute Grundlage zur Reflexion bei Selbstwertthemen.

  • Interesse zeigen: Zeigen Sie Interesse an den Gedanken und Gefühlen Ihres Kindes. Dadurch kann ihm vermittelt werden, dass das, was es beschäftigt, ernst genommen und als wichtig erachtet wird.

  • Lob äußern: Loben Sie Ihr Kind nicht ausschließlich für Leistungen, die es erbringt. Manchmal ist das schon okay. Eher sollte allerdings positives Verhalten, Bemühungen und konstruktive Strategien des Kindes bestärkt werden. Z.B. ganz einfach beim Spielen: „Schön, dass du dich für dein Geschwisterchen freust, wenn es auch einen guten Zug spielt“ oder „Ich finde es beeindruckend, wie du bis zum Ende mitgespielt hast, obwohl du nicht mehr gewinnen konntest“.

    Achten Sie darauf, Eigenschaften möglichst sparsam zu loben. Für bestimmte Eigenschaften kann Ihr Nachwuchs nämlich nichts, und könnte ggf. auch Angst bekommen, diese zu „verlieren“. Beispielsweise wenn aufgrund guter Noten die Intelligenz gepriesen wird. Besser ist es, die Anstrengung beim Lernen zu bestärken. Weiters ist „gutes“ Lob beschreibend, präzise, verzichtet auf Vergleiche und ist nicht übertrieben.

Tipps

für einen guten Selbstwert

Selbstwertgefühl Mädchen
  • Leistung: Achten Sie auch darauf, wie und wem Ihr Kind den (Miss-)Erfolg zuschreibt. Es macht einen Unterschied, ob Ihr Kind einen Misserfolg aufgrund eines Ereignisses verallgemeinert und ausschließlich auf sich bezieht oder ob es den Misserfolg auf die einzelne Begebenheit bezieht und weiß, dass es etwas tun kann, um beim nächsten Mal erfolgreicher zu sein. Ein Beispiel: „Ich bin dumm, nie werde ich irgendeine Prüfung gut schaffen“ vs. „Dieses Mal habe ich einfach nicht genug gelernt und die Prüfung falsch eingeschätzt. Bei der nächsten wird es besser“. Es ist hier also auch zwischen Sein und Tun zu unterscheiden.

  • Herausforderungen: Ermutigen Sie Ihren Nachwuchs, Neues auszuprobieren und unterstützen Sie Ihr Kind wenn möglich dabei. Dies kann z.B. schon am Spielplatz bedeuten, zuerst gemeinsam und dann nach und nach alleine die nächstgrößere Rutsche hinunterzurutschen. Bei größeren oder komplexeren Herausforderungen helfen Sie Ihrem Kind realistische Lernziele zu stecken und für sich zu formulieren. Diese sollen keine Wunsch- oder Könnerziele sein, also keine Ziele, für die man nicht bereit ist, den notwendigen Aufwand zu erbringen (zum Beispiel „Klavier spielen können“ vs. „Klavier spielen lernen“), die unrealistisch oder gar utopisch sind.

  • Selbstständigkeit fördern: Trauen Sie Ihrem Kind immer wieder neue Erfahrungen zu und nutzen Sie Gelegenheiten ihm Vertrauen und Verantwortung zu schenken. z.B. im Supermarkt zu bezahlen oder gar ein paar Sachen selbst einkaufen zu gehen. Eine Art, Ihr Kind zu unterstützen, ist auch ihm anzubieten, Rollenspiele für herausfordernde Situationen auszuprobieren. So kann Ihr Nachwuchs im geschützten Rahmen Feedback zu seinem Wirken in einer bestimmten Situation erhalten.

  • Liebesbekundungen äußern: Sparen Sie Zuneigung nicht für später auf. Sagen Sie Ihrem Nachwuchs immer wieder, wie Sie empfinden. Sätze wie „Ich habe dich lieb" oder ich bin dankbar/glücklich darüber, dass du mein Kind bist“ können einfach richtig guttun. Wenn es sich nicht so authentisch anfühlt, das auszusprechen oder vor allem andere „Liebessprachen“ vorherrschen, können Sie Ihr Kind auch dezidiert darauf aufmerksam machen: „Ich versuche dich spüren zu lassen, wie sehr ich dich liebe, indem ich ...", „gibt es etwas anderes, was dich das wissen lassen würde oder wodurch du dich besonders wertgeschätzt fühlen würdest?“.

  • „Fehler“ verarbeiten: „Niederlagen“ und Fehler gehören zum Leben dazu. Sie bieten sogar die Gelegenheit, zu lernen, mit herausfordernden Gefühlen umzugehen. Dies ist sehr wichtig für die Selbstwirksamkeit (z. B. „Ich weiß, dass ich damit umgehen kann, wenn ich nicht für mein Lieblingspraktikum gewählt werde“ oder „Ich weiß, dass ich mich bei ihr für mein Verhalten entschuldigen kann – ob sie mir verzeiht oder nicht, liegt nicht in meiner Hand“) und beeinflusst wiederum den Selbstwert positiv.

    Als Elternteil liegt die Herausforderung darin, potenzielles Leid auszuhalten und nicht jedes unangenehme Gefühl verdrängen oder jede schwierige Situation abnehmen zu wollen. Hat sich Ihr Kind auch in Ihren Augen falsch verhalten, benennen Sie Ihren Eindruck beim Namen. Kritisieren Sie den Sachverhalt und nicht Ihr Kind. Unterstützen Sie es außerdem bei einer Wiedergutmachung.

  • Vorbild sein: Achten Sie darauf, wie Sie mit sich selbst sprechen. Ist Ihnen in der Küche beispielsweise etwas angebrannt? Beschimpfen Sie sich selbst nicht als Idiot, sagen Sie lieber so etwas wie: „Mist, da habe ich diesmal nicht gut genug aufgepasst.“ Kinder orientieren sich mehr daran, wie wir selbst handeln, als an dem, was wir sagen.
  • Grenzen respektieren: Bringen Sie Ihrem Nachwuchs bei, gesunde Grenzen zu setzen und diese auch zu respektieren. Am besten geht dies wiederum über die Vorbildwirkung. Was Grenzen sind und wie sie gesetzt werden können, erfahren Sie hier.

  • Auf Mobbing eingehen: Manche Kinder machen in der Schule oder im Freundeskreis wiederholt die Erfahrung ausgegrenzt oder abgewertet zu werden. Dies hat einen großen Einfluss auf das eigene Selbstwertgefühl. Es erweckt vielleicht den Eindruck "mit mir stimmt etwas nicht, deshalb mögen mich die anderen nicht".

    Wichtig ist es hier, sich für soziale Erfahrungen des Kindes zu interessieren und gegebenenfalls als Erwachsene zu handeln. Bestärken Sie Ihr Kind darin, dass es sich um ungesunde Gruppendynamiken handelt und das, was passiert, nicht okay ist. Allein die Situation richtig einordnen zu können, kann Entlastung bringen. Je nach Kontext sollte die Schule mit ins Boot geholt werden, um die Situation zu lösen.

Manchmal braucht es Hilfe von außen!

Manchmal kann der Selbstwert sehr niedrig sein, weil Ihr Kind ein problematisches Selbstwertkonzept entwickelt hat. Machen Sie sich Sorgen, oder denken Sie, dass es möglicherweise an der Zeit wäre, externe Unterstützung heranzuziehen, tun Sie das auch! Psychotherapeut:innen und Psycholog:innen können hier Hilfe leisten.

Möchten Sie über Ihre individuelle Situation sprechen oder brauchen Sie Hilfe bei einer Einschätzung? Melden Sie sich über unsere Website für eine kostenlose Online-Video-Beratung an. Unsere Berater:innen sind gerne für Sie da!

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