Krisen
11. Juni 2021
·
5 Minuten Lesezeit

Depressionen bei Jugendlichen: was Eltern tun können

Geschrieben von:
Ursula Fischer
Ursula Fischer
Artikelinfo:

Was sind Anzeichen für eine Depression bei Jugendlichen? Welche Ursachen stecken dahinter? Wie Eltern gut reagieren können, wenn sie vermuten, dass ihr Kind an einer Depression leidet.

Was sind Anzeichen für eine Depression bei Jugendlichen?

Manchmal traurig zu sein, ist ganz normal. Gerade in der Pubertät, einer Zeit großer Veränderungen und Unsicherheiten, gibt es viele Misserfolge, Rückschläge und Verluste. Stimmungsschwankungen sind in dieser Lebensphase sehr häufig.

 

Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter über einen längeren Zeitraum scheinbar grundlos bedrückt wirkt, zu nichts mehr Lust hat und sich auch zu nichts mehr aufraffen kann, sich von anderen zurückzieht, kaum noch Appetit hat, müde und unkonzentriert wirkt, Schlafstörungen hat, deutlich schlechter in der Schule wird, kein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl mehr hat, ja sich sogar schuldig, wertlos, hoffnungslos und leer fühlt, sollten Sie hellhörig werden. Oder wenn Dinge, die früher Spaß gemacht, keine Freude mehr machen. Denn diese Anzeichen deuten auf eine Depression hin.

Typisch für Depressionen sind eine Veränderung der Stimmungslage und des Antriebs, also der Fähigkeit, etwas aktiv in Angriff zu nehmen.

Was sind die Ursachen für eine Depression?

Die Ursachen für eine Depression sind biologische Faktoren, wie biochemische Vorgänge im Gehirn, psychische Faktoren wie negative Denkmuster oder überhöhte Erwartungen an sich selbst und soziale Faktoren wie belastende Familienumstände oder die Zurückweisung von Gleichaltrigen.

 

Auch die Corona-Krise und die dadurch erlebte Überforderung, Hilfslosigkeit und die reduzierten sozialen Kontakte haben bei vielen Menschen zu einer depressiven Erkrankung geführt.

Depressiver Jugendlicher lehnt den Kopf an eine Mauer

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind an einer Depression leidet?

Liegt eine Depression vor, kann sich Ihr Kind nicht mehr „zusammenreißen“, sich „doch einmal über etwas freuen“ oder aufhören, „alles nur negativ zu sehen“. Es braucht Hilfe.

 

Das ist von außen manchmal schwer zu verstehen, weil man nicht wirklich sieht, dass es der anderen Person nicht gut geht, wie es zum Beispiel bei einer Verletzung der Fall wäre. Aber man kann es sich so vorstellen, wie wenn man eine schwere Grippe hat und einfach nicht die Kraft findet, aufzustehen und Dinge aktiv in Angriff zu nehmen.

 

Daher ist es sehr wichtig, das eigene Kind Ernst zu nehmen und die Erwartungen zu ändern. Was ist im Moment möglich, was kann man überhaupt gerade erwarten, wie kann man das Kind unterstützen, und wo kann man Hilfe holen?

  • Fragen Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter, am besten unter vier Augen, nach seiner/ihrer Situation, was ihn/sie belastet und wie er/sie sich fühlt. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn er/sie nicht gleich antworten will. Kommen Sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder darauf zurück und überlegen Sie eventuell, ob es eine andere Person gibt, der sich ihr/e Jugendliche leichter anvertrauen könnte.

  • Reden Sie dabei ruhig auch über Ihre Beobachtungen. Achten Sie aber darauf, es nicht wie einen Vorwurf klingen zu lassen. Machen Sie stattdessen deutlich, dass Sie ihn/sie verstehen wollen und seine/ihre Bemühungen um Lösungen anerkennen.

  • Sprechen Sie aber auch klar an, dass Sie gemeinsam einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufsuchen wollen, der Ihr/e Jugendliche/r vertrauen kann.

  • Suchen Sie sich, wenn nötig, selbst Unterstützung. Ein Gespräch kann entlasten. Unsere Video-Beratung steht Ihnen individuell, vertraulich, online zur Verfügung.

AUCH DIESE SYMPTOME können auf eine DEPRESSION hinweisen: 

Gerade im Jugendalter verstecken sich Depressionen auch oft hinter anderen Symptomen, wie Kopfschmerzen, Überempfindlichkeit, Gereiztheit, Aggressivität, Problemen in der Schule, Essstörungen, übermäßigem Alkohol- oder Drogenkonsum.

 

Denken Sie auch in diesen Fällen daran, dass es sich um eine Depression handeln könnte.

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