Krisen
10. Okt. 2022
·
4 Minuten Lesezeit

Psycholog*in, Psychotherapeut*in, Psychiater*in: wer, wann, wofür?

Geschrieben von:
Corinna Harles
Corinna Harles
Beraterin 2
Beraterin 2
Artikelinfo:

Diese psychosozialen Berufsbezeichnungen haben Sie bestimmt schon gehört – der folgende Artikel soll etwas Licht ins Dunkel bringen, wo die Unterschiede liegen.

Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Lebens- und Sozialberater*innen sind Begriffe der psychosozialen Landschaft – was bedeuten sie und was sind die Unterschiede? Erfreulicherweise wächst das psychosoziale Angebot in Österreich. Dadurch kommt es jedoch auch zu immer mehr Verwirrung und bei Bedarf kann es schwierig werden, den Überblick zu behalten.

 

Außerdem haben viele Psycholog*innen und Psychiater*innen zusätzlich auch die Ausbildung zur/m Psychotherapeuten/in gemacht. Es gibt also viele unterschiedliche Kombinationen der Psy-Berufe, was manchmal nicht einfach auseinanderzuhalten ist. 

WAS MACHT EINE PSYCHOLOGIN, EIN PSYCHOLOGE?

Die Psychologie wird als „die Wissenschaft des Erlebens und Verhaltens von Menschen“ definiert. Psychologe/Psychologin dürfen sich diejenigen Personen nennen, die Psychologie studiert und das Hochschulstudium der Psychologie abgeschlossen haben.

 

Psycholog*innen sind in vielen unterschiedlichen Bereichen tätig und können eine Vielzahl an Zusatzausbildungen machen, die sie für weitere Arbeitsgebiete qualifizieren. In Österreich gibt es nach dem Psychologiestudium unter anderen die Zusatzausbildung zur*m Klinischen- und/oder Gesundheitspsycholog*in

  • Gesundheitspsycholog*innen
    Die Gesundheitspsychologie widmet sich dem Erhalt körperlicher und seelischer Gesundheit. Gesundheitspsycholog*innen arbeiten also mit psychisch gesunden Menschen und unterstützen sie dabei, ihre Gesundheit zu erhalten und zu verbessern.
  • Klinische Psycholog*innen

    Das Teilgebiet der klinischen Psychologie befasst sich mit psychischen Erkrankungen, körperlichen Störungen bei denen psychische Einflüsse eine Rolle spielen, psychischen Krisen, psychischen Folgen akuter Belastungen und Entwicklungskrisen und umfasst Aufgaben der klinisch-psychologischen Diagnostik, der psychologischen Beratung und Behandlung sowie auch der Forschung und Lehre. Klinische Psycholog*innen dürfen also mit Menschen arbeiten, die eine psychische Erkrankung haben. Wichtig zu wissen ist, dass nur klinische Psycholog*innen klinisch-psychologische Diagnostik durchführen dürfen.

Was ist Psychologische
Diagnostik?

Hierbei werden standardisierte und wissenschaftlich geprüfte Testverfahren angewandt, um diagnostische Fragestellungen zu beantworten. Zu einer psychologischen Diagnostik gehören außerdem ein ausführliches Anamnesegespräch und auch die Beobachtung des Verhaltens während der Untersuchung ist sehr wichtig. Fragestellungen können z.B. sein, ob das eigene Kind ADHS, eine Lernstörung oder eine psychische Erkrankung haben könnte.

 

Testungen dauern oft mehrere Stunden und es werden viele Fragen und/oder Aufgaben gestellt. Es ist gut, sich vorher bei der/m Psychologen/in zu informieren, wie der Ablauf ist, um sich gut darauf einstellen zu können.

was macht ein/e psychotherapeut*in?

Psychotherapie ist „ein wissenschaftlich fundiertes Heilverfahren“. In Österreich gibt es derzeit 23 anerkannte psychotherapeutische Verfahren oder sogenannte „Schulen“, die sich unterschiedlicher Menschenbilder, Methoden und Techniken bedienen. Um Psychotherapeutin/Psychotherapeut zu werden, muss eine mehrjährige Ausbildung absolviert werden. Der erste Teil der Ausbildung, das Grundmodul, nennt sich Propädeutikum. Nach einem erfolgreichen Abschluss des ersten Teils, kann man eine der 23 Therapierichtungen auswählen, in der dann der zweite Teil - das Fachspezifikum – absolviert werden kann. Das Psychologiestudium ist hier keine Voraussetzung, auch etwa Pädagog*innen oder Sozialarbeiter*innen können diese Ausbildung machen. Hat man keine Berufsausbildung, die als sogenannter Quellenberuf anerkannt ist, kann man beim Bundesministerium für Gesundheit eine Sondergenehmigung für die Ausbildung beantragen. 

Psychotherapie und
psychologische Beratung und Behandlung 
Was ist der Unterschied?
  • Im Vergleich zu einer Psychotherapie dauert der Prozess einer klinisch psychologischen Behandlung und/oder Beratung meistens kürzer und ist fokussiert, ziel-und lösungsorientiert.
  • Psychotherapie ist weniger strukturiert, es gibt wenige festgelegte Abläufe und Schemata. Das Ziel der Behandlung ist nicht vorgegeben, sondern wird zu Beginn der Behandlung zwischen Klient*innnen und Therapeut*innen vereinbart
  • Bei einer Psychotherapie werden die Methoden der jeweiligen psychotherapeutischen Richtung eingesetzt.
  • Auch bei der psychologischen Behandlung kommen unterschiedliche therapeutische Methoden zum Einsatz.
  • Psychologische Beratung ist ein geschützter Begriff und darf derzeit von klinischen Psycholog*innen und Lebens- und Sozialberater*innen angeboten werden. Ab Herbst 2022 können Lebens- und Sozialberater*innen psychosoziale Beratung anbieten.

WAS MACHT EIN/E PSYCHiater*in?

Psychiater*innen haben einen ganz anderen Werdegang. Sie haben Medizin studiert, sind also Ärzte mit einer Spezialisierung auf den Fachbereich Psychiatrie. Sie stellen Diagnosen, führen Gespräche und dürfen Medikamente verschreiben. Sie sind die Expert*innen, wenn es darum geht, bei psychischen Belastungen und Erkrankungen die passende medikamentöse Unterstützung zu finden. Wenn man in psychiatrischer Behandlung ist, ist es wichtig, sich bei Unklarheiten und Fragen an den/die Psychiater*in zu wenden, da nicht jedes Medikament für jeden passt und so die beste Behandlungsmöglichkeit gefunden werden kann.

was macht ein/E Lebens- und Sozialberater*in?

Lebens- und Sozialberater*innen haben einen Diplomlehrgang bzw. den darauf aufbauenden Masterlehrgang absolviert. Sie können sowohl in eigener Praxis, als auch in psychosozialen Institutionen arbeiten. Sie beraten und betreuen psychisch gesunde Menschen in verschiedensten Problem-, Konflikt- und Entscheidungssituationen innerhalb unterschiedlichster Themenbereiche wie beispielsweise Persönlichkeitsentwicklung, Partnerschaft, Ernährung, Bildung oder Berufliches.

shutterstock_760999171.jpg

WANN GEHE ICH ZU WEM UND WO FINDE ICH SIE?

Psycholog*innen
sind unterschiedlich spezialisiert und in vielen verschiedenen Gebieten tätig.

Sie arbeiten beispielsweise in Bereichen der Arbeits-, Wirtschafts-, Sport-, Schul- und Verkehrspsychologie. Sie arbeiten häufig in Betrieben, Firmen, und Schulen.

 

Hat Ihr Kind beispielsweise psychische Schwierigkeiten in der Schule, können Sie sich an die den/die Schulpsycholog*in wenden. 

Klinische Psycholog*innen
sind zuständig, wenn Sie eine diagnostische Abklärung, klinisch psychologische Behandlung oder Beratung wünschen. 

Ein Anlass für das Aufsuchen einer/s Klinischen Psychologe*in ist etwa, weil in der Schule der Verdacht auf ADHS und die Empfehlung einer diagnostischen Abklärung geäußert wurde, um ihrem Kind bestmöglich unterstützen zu können. Durchlebt Ihr Kind gerade eine schwierige Phase, in der es Unterstützung braucht oder hat es eine spezifische Angst vor einer Situation, kann eine klinisch psychologische Behandlung passend sein.

 

Klinische Psycholog*innen arbeiten zum Beispiel in Spitälern oder freien Praxen. Sie können sie auch in Rehabilitationszentren, Beratungseinrichtungen oder auf psychnet.at finden.

Psychotherapeut*innen
sind zuständig für die Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen.

Der/die Psychotherapeut*in begleitet und unterstützt den/die Klient*in auf dem Weg zur gewünschten Veränderung. Das Therapieziel wird anfangs mit dem/der Klient*in gemeinsam festgelegt.

 

Psychotherapeut*innen arbeiten meist in freier Praxis, Praxisgemeinschaften oder Einrichtungen des Gesundheitswesens (Spitäler, Rehabilitationszentren etc.). Auf der Suche nach einem/r Psychotherapeut*in kann auch die Seite psyonline.at hilfreich sein.

Wichtig zu wissen ist, dass es viele verschiedene Arten von Psychotherapie gibt, die sich in Methodik und auch Zielgruppe unterscheiden können. Neben jenen therapeutischen Methoden, die über das Gespräch arbeiten, gibt es auch Methoden, die zusätzlich die Körperwahrnehmung einbeziehen oder mit kreativen Techniken (wie Rollenspiel, Zeichnen, Malen) arbeiten.  Die Behandlung kann einzeln, in der Gruppe oder dem Familienverband erfolgen. Wenn eine Form für Sie oder Ihr Kind nicht passt, geben Sie nicht auf! Es gibt viele Möglichkeiten, die noch ausprobiert werden können. 


Bei der Frage, welche Therapieform für Sie passen könnte, gibt es auch Stellen, die Ihnen gerne weiterhelfen, wie z.B. der Landesverband der Psychotherapeut*innen (des jeweiligen Bundeslandes) oder die Böp-Helpline.

Psychiater*innen
sind Ansprechpartner*innen bei (Vermutung auf) psychischen Erkrankungen und möglichem Bedarf nach medikamentöser Unterstützung.

Psychiater*innen können psychische Leiden behandeln und arbeiten oft, je nach Zusatzausbildung selber psychotherapeutisch oder in engem Kontakt mit Psychotherapeut*innen. Eine psychiatrische Behandlung kann, muss aber nicht, medikamentös (psychopharmakologisch) begleitet werden.

 

Psychiater*innen sind ebenso in Einrichtungen des Gesundheitswesens oder in eigenen Praxen zu finden. Auf der Suche nach einem*r Psychiater*in kann die Liste der Ärztekammer oder in Wien die Seite praxisplan.at auch weiterhelfen.

Lebens- und Sozialberater*innen
beraten bei verschiedensten Problem- und Entscheidungssituationen, sofern keine psychische Erkrankung vorliegt.

Entsprechend unterschiedlich sind die Unterstützungsmöglichkeiten, die angeboten werden, wie beispielsweise Dinge für sich oder gemeinsam zu ordnen, aber auch gemeinsam passende Lösungswege zu einem dringenden Problem zu erarbeiten.

wie sieht es mit den kosten aus?

Grundsätzlich ist es wichtig, diese Frage mit Ihrer jeweiligen Krankenkasse abzuklären. Es ist in vielen Fällen möglich, einen Zuschuss zu bekommen. Hierfür gibt es jedoch genaue Vorgaben, wie z.B. die Anzahl an Therapiestunden, die Sie im Vorhinein machen dürfen, um dann einen Teil davon zurückerstattet zu bekommen. Wenn der/die Psycholog*in, Psychotherapeut*in oder Psychiater*in einen Kassenvertrag mit Ihrer Krankenkasse hat, können die Kosten, beim Vorlegen der e-Card, von Ihrer Krankenkasse übernommen werden. 

 

Wenn es keinen Kassenvertrag gibt, gibt es oft die Möglichkeit, anfangs die Kosten selber zu bezahlen und die Rechnung dann bei der Krankenkasse einzureichen. Dann erhalten Sie einen gewissen Betrag zurück (derzeit für eine Einzelpsychotherapiesitzung je nach Bundesland und Krankenkasse zwischen 28-40 Euro). Diese Informationen ändern sich jedoch laufend, weshalb es wichtig ist sich vorab bei seiner Krankenkasse zu informieren!

 

Bei Klinisch-psychologischer Behandlung im niedergelassenen Bereich ist lediglich die psychologische Diagnostik von Vertrags- oder Wahlpsychologen mit der Kasse verrechenbar.


Selbstverständlich ist es auch möglich, die Leistungen nicht bei der Krankenkasse einzureichen und sie komplett selber zu bezahlen. 
Teilweise gibt es auch einkommensabhängige Tarife, die dem jeweiligen Einkommen angepasst werden.


Bei manchen Beratungsstellen wird auch kostenlose Beratung oder eine gewisse Anzahl an kostenlosen Einheiten angeboten. Auch manche Erstgespräche bei Psychotherapeut*innen kosten nichts. 

Fragen
Sie im Vorfeld 

nach

den Kosten!

So können Sie sich vorbereiten und unangenehme Überraschungen vermeiden! Meist können die jeweiligen Professionist*innen Sie auch dabei unterstützen, wie sie eine (Teil-) Kassenfinanzierung erhalten/beantragen können.

online-videoberatung

Wenn Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen mit individueller Online-Video-Beratung zur Seite.