Krisen
22. Jan. 2021
·
6 Minuten Lesezeit

Vom Umgang mit Wut und Ärger

Ein Beitrag von:
Corinna Harles
Corinna Harles
Katharina Wurnig
Katharina Wurnig
Artikelinfo:

Die Ausnahmesituation Corona-Pandemie ist nicht neu, sondern schon Alltag. Aber das macht es natürlich nicht besser. Manche Kinder und Jugendliche reagieren mit Traurigkeit, andere mit Frustration, Ärger und Aggressionen. Was kann man also tun, um mit einem Wutanfall besser zurecht zu kommen?  

Die Ausnahmesituation Corona-Pandemie ist nicht neu, sondern schon Alltag. Aber das macht es natürlich nicht besser. Im Gegenteil: Wir müssen es schon viel zu lange aushalten. Home-Schooling statt Schule und Freunde, Freizeitaktivitäten fallen auch weg und damit viel von unserer gewohnten Tagesstruktur. Man ist viel enger mit der Familie zusammen und eigene Freiräume sind verloren gegangen. Das trifft gerade Jugendliche hart. Klar, dass das auch negative Gefühle auslöst. Aggressivität und die Eskalation von Streitigkeiten sind während Covid gestiegen, das belegen mittlerweile auch Studien. Manche Kinder und Jugendliche reagieren mit Traurigkeit, andere mit Frustration, Ärger und Aggressionen. Wenn man wütend ist, provoziert man natürlich auch leichter andere - in dem Fall oft Eltern oder Geschwister, mit denen man die meiste Zeit verbringt.

 

Wichtig zu wissen ist: Sowohl Wut und Ärger beim Nachwuchs als auch die Hilfslosigkeit, wie man gut als Mutter oder Vater damit umgehen kann, beides sind normale Reaktionen! Was kann man also tun, um mit einem Wutanfall besser zurecht zu kommen? Wir haben einige praktische Tipps:

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Tipps bei Wutanfällen

  • Nehmen Sie wütende Angriffe des Kindes nicht persönlich. Sehen Sie sie eher als Zeichen, dass Ihr Kind mit etwas Schwierigkeiten hat. Vielleicht können Sie so Ihr Kind und seine Aggression besser verstehen.

  • Wenn ein Kind gerade sehr wütend ist, bringt es nichts, weiter zu streiten. Akzeptieren Sie die Situation und lassen Sie Ihrem Kind eine Rückzugsmöglichkeit. Gespräche und Lösungen sollte man auf einen späteren, ruhigen Moment verschieben.

  • Ja, Sie müssen aushalten, dass Ihr Kind wütend ist. Aber: Eltern müssen nicht alles aushalten. Es ist wichtig, klare Grenzen zu ziehen und auszusprechen, z.B. „Ich verstehe, dass du wütend bist, aber es ist nicht ok, wenn du mit Dingen wirfst; Du kannst anstatt dessen in einen Polster boxen“. Oder: „Ich merke, dass du dich gerade sehr ärgerst, machen wir eine Pause und sprechen nachher weiter.“ Sie kennen Ihr Kind am besten: Braucht es eher aktive Unterstützung oder kann es sich selbst beruhigen, wenn es sich in sein Zimmer zurückziehen kann?

Verbalisieren kann unterstützen: Helfen Sie Ihrem Kind, Worte für seinen Unmut zu finden und sprechen Sie diese auch aus.

  • Sie können auch unterstützen, indem Sie gemeinsam die Ursache von der Wut Ihres Kindes herausfinden: Gab es einen Auslöser? Oder gibt es ein Muster, das sich ähnlich wiederholt? Vielleicht können Sie beim nächsten Mal früher gegensteuern, bevor die Situation eskaliert.

  • Wut ist gut: Wut ist als Gefühl gesellschaftlich nicht akzeptiert. Dabei ist Wut ein Gefühl wie andere auch und wichtig und normal für die Entwicklung. Wut ist ein wichtiger Veränderungimpuls und darf da sein. Verurteilen Sie Ihr Kind nicht für seine Wut, unterstützen Sie ihr Kind in einer angemessenen Art und Weise für sich selbst einzutreten.

Es geht nicht darum, dass Wut nicht sein darf, sondern wie man mit Wut umgeht.

  • Wut muss raus. Wenn sich negative Energie aufgestaut hat, tut es gut, sie rauszulassen. Es wirkt vielleicht komisch, tut aber gut, sich richtig körperlich auszupowern: mit dem Fuß aufstampfen, (auf einem Trampolin) hüpfen, Zeitungen zerreißen, im Wald laut schreien, Ton oder Knete bearbeiten oder was ihnen sonst einfällt und gut für Ihre Familie passt.

  • Auch Entspannung ist wichtig, damit Ruhe einkehren kann. Ein paar Anregungen, die Sie zu Hause ausprobieren können: Entspannungsgeschichten, Phantasiereisen, Massage, etwas zeichnen, Musik hören. Nach einem Streit tut es auch gut, gemeinsam die Versöhnung auszukosten: mit einer Entschuldigung, mit einer Kuscheleinheit und bei Bedarf kann man den Vorfall noch mal in Ruhe nachbesprechen.

  • Bei Kleinkindern sind Wutanfälle ein ganz normaler Teil ihrer Entwicklung. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel zur Trotzphase.

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Damit es beim nächsten Mal nicht soweit kommt:

Suchen Sie sich einen ruhigen Moment für ein Gespräch. Sie können Ihren Sohn oder Ihre Tochter fragen, woran, er/sie merkt, dass die Wut aufsteigt. Überlegen Sie gemeinsam, wie man die Situation dann wieder entspannen kann. Sagen Sie, dass er/sie Ärger oder Wut verbalisieren kann, also: „Ich bin wütend“. Das kann oft schon viel Entlastung bringen. Wenn Ihr Kind bei dem Thema nicht so gesprächig ist, kann man auch mithilfe von Büchern darüber sprechen.

Lösungswege sind individuell. Wir können kein Kochrezept für Harmonie zuhause anbieten. Es treffen immer zwei Menschen, mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften aufeinander. Nur weil man eine Familie ist, besteht diese trotzdem aus eigenständigen, individuellen Menschen, die unterschiedlich sind und in manchen Punkten auch aufeinanderprallen können. Und das ist auch gut und okay so. Man muss daher gemeinsam überlegen, wie man am besten mit der Situation umgeht. Gerade in Belastungssituationen wie jetzt kommt es einfach mehr zu Streitereien. Versuchen Sie, nicht zu streng mit sich und Ihrem Kind zu sein.  

 

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