Krisen & psych. Auffälligkeiten
22. Feb. 2024
·
4 Minuten Lesezeit

Suizidgedanken bei Jugendlichen – wie reagieren?

Geschrieben von:
Elternseite Team
Elternseite Team
Artikelinfo:

Wie können Eltern mit der Verzweiflung der eigenen Kinder umgehen? Wie reagiert man, wenn Kinder Suizidgedanken äußern?

Suizid ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, vielleicht gerade noch mehr, wenn es junge Menschen betrifft. Aber auch junge Menschen sind von Suizid oder Suizidgedanken betroffen.

 

Das zeigen auch Studien dazu, so wie etwa die Suizidpräventionsstudie SEYLA ("Save and Empower Young Lives in Austria"). Die SEYLA-Studie aus dem Jahr 2017 zeigt auf, dass ein Drittel aller befragten 14-17 Jährigen in Österreich Suizidgedanken hat. 15 Prozent hatten dabei sogar bereits konkrete Suizidpläne gefasst. Auch wenn es schwer zu fassen ist, Suizid  ist nach Verkehrsunfällen nach wie vor die zweithäufigste Todesursache bei 15- bis 24-Jährigen. Es ist wichtig, das Tabu zu brechen und darüber zu reden, denn, darüber sprechen kann Entlastung bringen!

Was lässt Jugendliche verzweifeln?

Die Hintergründe sind sehr unterschiedlich. Es können psychische Erkrankungen, wie etwa eine Depression, zu Grunde liegen. Genauso können aber Mobbing, Missbrauchs- bzw. Gewalterfahrungen, Leistungsdruck oder Ähnliches dazu führen, dass junge Menschen keine Lösungsmöglichkeiten mehr sehen. Häufig bleibt es aber bei den Gedanken, weil die Betroffenen Hilfe und Unterstützung bekommen.

Was ist hilfreich? 

Das Wichtigste, was Sie tun können, ist, Ihr Kind darauf anzusprechen und mit ihm im Gespräch zu bleiben. Manchmal kann das sehr schwierig sein – beispielsweise in der Pubertät. Lassen Sie sich trotzdem nicht entmutigen. Zeigen Sie Interesse und Mitgefühl. Fragen Sie immer wieder offen und liebevoll nach, wie es Ihrem Kind geht und was es beschäftigt. Nehmen Sie Ihr Kind ernst und hören Sie zu! 

  • WICHTIG ZU WISSEN: Sprechen Sie Äußerungen oder Vermutungen von Suizidgedanken direkt an! Oft besteht die Angst, dass man jemanden dadurch erst auf den Gedanken bringt. Das stimmt nicht. Jemand, der keine Suizidgedanken oder Absichten hat, wird durch eine Frage nicht erst darauf kommen. Jemand, der sie schon hat, ist allerdings oft erleichtert und sogar froh, wenn es angesprochen wird. Suizidgedanken aussprechen zu können, wirkt für die aller meisten Betroffenen sehr entlastend.

Gespräch führen, aber wie? 

Wenn Sie sich Sorgen machen, dass Ihr Kind Suizidgedanken haben könnte und Sie mit ihm darüber sprechen wollen, nehmen Sie sich unbedingt Zeit für das Gespräch. Denn die Probleme fühlen sich für Betroffene unlösbar an. Auch dann, wenn sie von außen betrachtet vielleicht so wirken, als könnten sie leicht gelöst werden. 


Ein Gespräch kann etwa beginnen mit: „Wenn ich sehe, was du im Moment alles für Schwierigkeiten hast, kann ich mir vorstellen, dass das alles zu viel wird.“ Scheuen Sie sich nicht, Suizidgedanken direkt anzusprechen: „Ich weiß, dass man in solchen Situationen manchmal auch keinen Ausweg mehr sieht und sich fragt, ob man noch weiterleben kann. Du bist aber nicht alleine, ich bin für dich da. Kennst du Suizidgedanken?“

 

Sagt Ihr Kind, dass es tatsächlich manchmal daran denkt, nicht mehr leben zu wollen, nehmen Sie es unbedingt ernst und fragen Sie nach, wie es sich konkret fühlt. Bieten Sie sich als Ansprechpartner:in an und überlegen Sie gemeinsam, was es für Möglichkeiten gibt, um Ihr Kind zu unterstützen und zu entlasten. Zögern Sie nicht, sich in dieser schwierigen Situation Hilfe für Ihr Kind, aber auch für sich selbst, als Elternteil oder Bezugsperson, zu holen. Beispielsweise bei unserer Online-Videoberatung oder bei der 147 für Ihr Kind, bzw. bei den Notfallnummern.

WANN SOLLTEN DIE ALARMGLOCKEN LÄUTEN?

Es ist ganz normal, dass das Thema Suizidgedanken nicht einfach zu besprechen ist und Ängste und Unsicherheiten auslösen kann. Sollten Suizidgedanken allerdings vorhanden sein, ist es sehr wichtig, ruhig und wertfrei nachzufragen, ob es schon Pläne gibt oder gar Vorbereitungen getroffen worden sind. Zu unterscheiden sind vage Ideen von konkreten Plänen. Vorbereitungen sind nochmal eine Stufe näher zum Suizidversuch. Wenn es konkrete Pläne und auch Vorbereitungen gibt, ist es von größter Bedeutung ganz schnell professionelle Hilfe hinzuzuziehen und/oder den Notruf zu wählen. Auch im Zweifelsfall ist es absolut in Ordnung, professionelle Hilfe zu rufen!

Wichtig zu Wissen

Um überhaupt ein:e Gesprächspartner:in zu sein, braucht der Nachwuchs Grundsicherheit. Kinder müssen von uns lernen, dass Fehler Teil des Lebens sind und dazu gehören. Dazu braucht es das Spüren, dass man nichts an Liebenswürdigkeit einbüßt, auch wenn man einmal etwas „falsch“ gemacht hat oder weniger leistet.

Ebenso gilt es zu vermitteln, wie man sich entspannt. Aber auch, wie es ist, wenn es einem mies geht. Erzählen Sie von Momenten, in denen es Ihnen schlecht gegangen ist. Beschreiben Sie, wie sich das angefühlt hat, dass Sie möglicherweise gar keinen Ausweg gesehen haben und wie sich dieser dann aber doch ergeben hat.

Warum man mit dem Begriff „Selbstmord“ achtsam umgehen sollte:

Die Verwendung des Begriffs "Selbstmord", in dem das Wort „Mord“ steckt, rückt den Suizid in die Nähe eines Verbrechens, einer heimtückischen und grausamen Tat. Das wird den Menschen, die sich selbst töten und aus Leid, Not oder Verzweiflung handeln, nicht gerecht. Wir empfehlen daher den neutralen Begriff der "Selbsttötung" oder den aus dem Lateinischen abgeleiteten „Suizid“.

Eltern sind keine „Wunderwuzis“

Manchmal versuchen Jugendliche, ihre Eltern vor ihren Problemen zu schützen, um sie nicht zu belasten. Oder es ist gerade sehr schwierig,  mit dem eigenen Kind ins Gespräch zu kommen. Hier können Vertrauenspersonen außerhalb der Familie bedeutend sein. Auch das Wissen über anonyme Beratungsmöglichkeiten kann hier die entscheidende Hilfe sein. Scheuen Sie sich nicht, selbst bei Beratungsstellen nachzufragen! 

Krisentelefone und Notrufnummern

Sind Sie oder Angehörige betroffen? Rufen Sie im Notfall unbedingt um Hilfe!

 

Österreichweit:

 

Telefonseelsorge 142

Polizei 133

Rettung 144

Rat auf Draht 147

Kindernotruf 0800 567 567

 

Bittelebe.at

 

Auflistung von Beratungsstellen in den Bundesländern

video-beratung online

Wenn Sie noch Fragen haben oder Ihre persönliche Situation besprechen wollen: Melden Sie sich bei uns! Ein Gespräch bringt Entlastung. 

weitere artikel:

Krisen & psych. Auffälligkeiten

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen: was Eltern tun können

Was sind Anzeichen für eine Depression bei Kindern und Jugendlichen? Und welche Ursachen stecken dahinter? Wie Eltern gut reagieren können, wenn sie vermuten, dass ihr Kind an einer Depression leidet.

Mobbing in der Schule

Mobbing bedeutet herabsetzende, ausgrenzende Handlungen, die systematisch und dauerhaft gegen eine Person gerichtet sind. Mobbing geschieht vor allem an Orten, wo Kinder- und Jugendliche in Gruppen zusammen sind, die sie sich nicht selbst aussuchen können. Zum Beispiel in der Schule. Kinder und Jugendliche, die gemobbt werden, brauchen Unterstützung.

Schule & Lernen
Medienerziehung

Was Eltern über Cyber-Mobbing wissen sollten

Wenn Mobbing online passiert, spricht man von Cyber-Mobbing. Es kann in Form von Beleidigungen, Bloßstellen, Bedrohungen, Belästigungen oder durch absichtliches Ausgrenzen passieren. Wie können Eltern merken, dass ihr Kind betroffen ist und wie kann man in so einem Fall unterstützen? 

 

Krisen & psych. Auffälligkeiten

9 Warnzeichen für emotionale Überlastung bei Ihrem Kind…

Wenn Mütter oder Väter bei ihrem Kind Verhaltensänderungen feststellen, ist oft Unsicherheit da, wie ernst die Situation zu beurteilen ist. Jedes Kind ist individuell verschieden und Eltern kennen ihr Kind am besten. Wir zeigen mögliche Warnzeichen und Wege aus der schwierigen Situation auf.

Krisen & psych. Auffälligkeiten

Psycholog:in, Psychotherapeut:in, Psychiater:in: wer, wann, wofür?

Was bedeuten diese Begriffe der psychosozialen Landschaft und was sind die Unterschiede?