Krisen
07. Sep. 2021
·
3 Minuten Lesezeit

Auch Kinder können Suizidgedanken haben

Ein Beitrag von:
Corinna Harles
Corinna Harles
Artikelinfo:

Wie können Eltern mit der Verzweiflung der eigenen Kinder umgehen? Wie reagiert man, wenn Kinder Suizidgedanken äußern?

Suizid ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, vielleicht gerade noch mehr, wenn es junge Menschen betrifft. Aber auch junge Menschen sind von Suizid oder Suizidgedanken betroffen.

 

Das zeigen auch Studien dazu, so wie etwa die Suizidpräventionsstudie SEYLA ("Save and Empower Young Lives in Austria"). Die SEYLA-Studie aus dem Jahr 2017 zeigt auf, dass ein Drittel aller befragten 14-17 Jährigen in Österreich Suizidgedanken hat. 15 Prozent hatten dabei sogar bereits konkrete Suizidpläne gefasst. Auch wenn es schwer zu fassen ist, Suizid  ist nach Verkehrsunfällen nach wie vor die zweithäufigste Todesursache bei 14- bis 20-Jährigen.

Was lässt Jugendliche verzweifeln?

Die Hintergründe sind sehr unterschiedlich. Es können psychische Erkrankungen, wie etwa eine Depression, zu Grunde liegen. Genauso können aber Mobbing, Missbrauchs- bzw. Gewalterfahrungen, Leistungsdruck oder Ähnliches dazu führen, dass junge Menschen keine Lösungsmöglichkeiten mehr sehen. Häufig bleibt es aber bei den Gedanken, weil die Betroffenen Hilfe und Unterstützung bekommen.

Was ist hilfreich? 

Das wichtigste, was Sie tun können, ist mit Ihrem Kind im Gespräch zu bleiben. Manchmal kann das sehr schwierig sein – beispielsweise in der Pubertät. Lassen Sie sich trotzdem nicht entmutigen. Zeigen Sie Interesse und Mitgefühl. Fragen Sie immer wieder  offen und liebevoll nach, wie es Ihrem Kind geht und was es beschäftigt. Nehmen Sie Ihr Kind ernst und hören Sie zu! 

Gespräch führen, aber wie? 

Wenn Sie sich Sorgen machen, dass Ihr Kind Suizidgedanken haben könnte und Sie mit ihm darüber sprechen wollen, nehmen Sie sich unbedingt Zeit für das Gespräch. Denn die Probleme fühlen sich für Betroffene unlösbar an. Auch dann, wenn sie von außen betrachtet, vielleicht so wirken, als könnten sie leicht gelöst werden. 


Ein Gespräch kann etwa beginnen mit „Wenn ich sehe, was du im Moment alles für Schwierigkeiten hast, kann ich mir vorstellen, dass das alles zu viel wird.“ Scheuen Sie sich nicht, Suizidgedanken direkt anzusprechen. „Ich weiß, dass man in solchen Situationen manchmal auch keinen Ausweg mehr sieht und sich fragt, ob man noch weiterleben kann. Du bist aber nicht alleine, ich bin für dich da.“

 

Es ist ganz normal, dass dieses Thema nicht einfach zu besprechen ist und Ängste und Unsicherheiten auslösen kann. Sagt Ihr Kind, dass es tatsächlich manchmal daran denkt, nicht mehr leben zu wollen, nehmen Sie es unbedingt ernst und fragen Sie nach, wie es sich konkret fühlt. Überlegen Sie gemeinsam, was es für Möglichkeiten gibt, um Ihr Kind zu unterstützen und zu entlasten. Zögern Sie nicht, sich in dieser schwierigen Situation Hilfe für Ihr Kind, aber auch für sich selbst, als Elternteil oder Bezugsperson, zu holen. Beispielsweise bei unserer Online-Videoberatung oder bei der 147 für Ihr Kind, bzw. bei den Notfallnummern.

Warum man mit dem Begriff „Selbstmord“ achtsam umgehen sollte:

Die Verwendung des Begriffs Selbstmord, in dem das Wort „Mord“ steckt, rückt den Suizid in die Nähe eines Verbrechens, einer heimtückischen und grausamen Tat. Das wird den Menschen, die sich selbst töten und aus Leid, Not oder Verzweiflung handeln, nicht gerecht. Wir empfehlen daher den neutralen Begriff der Selbsttötung oder den aus dem lateinischem abgeleiteten „Suizid“.

Wichtig zu Wissen

Um überhaupt ein Gesprächspartner zu sein, braucht der Nachwuchs eine Grundsicherheit. Kinder müssen von uns lernen, dass Fehler Teil des Lebens sind und dazu gehören. Dazu braucht es das Spüren, dass man nichts an Liebenswürdigkeit einbüßt, auch wenn man einmal etwas „falsch“ gemacht hat oder weniger leistet.

Ebenso gilt es zu vermitteln, wie man sich entspannt. Aber auch, wie es ist, wenn es einem mies geht. Erzählen Sie von Momenten, in denen es Ihnen schlecht gegangen ist. Beschreiben Sie, wie sich das angefühlt hat, dass Sie möglicherweise gar keinen Ausweg gesehen haben und wie sich dieser dann aber doch ergeben hat.

Eltern sind keine „Wunderwuzis“

Manchmal versuchen Jugendliche Ihre Eltern vor ihren Problemen zu schützen, um sie nicht zu belasten. Oder es ist gerade sehr schwierig mit dem eigenen Kind ins Gespräch zu kommen. Hier können Vertrauenspersonen außerhalb der Familie bedeutend sein. Auch das Wissen über anonyme Beratungsmöglichkeiten kann hier die entscheidende Hilfe sein. Scheuen Sie sich nicht, selbst bei Beratungsstellen nachzufragen! 

video-beratung online

Wenn Sie noch Fragen haben oder Ihre persönliche Situation besprechen wollen: Melden Sie sich bei uns! Ein Gespräch bringt Entlastung. 

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