Krisen
22. Okt. 2021
·
6 Minuten Lesezeit

Tod und Trauer: Wie Kinder trauern

(im Alter von 6 bis 11 Jahren)

Ein Beitrag von:
Dagmar Bojdunyk-Rack
Dagmar Bojdunyk-Rack
Artikelinfo:

Begegnet ein Kind dem Tod, dann ist es wichtig, dass die Erwachsenen in seiner Umgebung es verständnisvoll begleiten. In diesem Artikel wird speziell auf die Altersgruppe von 6-11 Jahren eingegangen: wie Kinder in diesen Alter trauern und wie Eltern und Bezugspersonen unterstützen können. 

Begegnet ein Kind dem Tod, dann ist es wichtig, dass die Erwachsenen in seiner Umgebung es verständnisvoll begleiten. Erklären, dass der Tod jeden Menschen und jedes andere Lebewesen eines Tages ereilen wird. Dass er zum Leben gehört. Und dass jemand, der gestorben ist, nicht mehr in unsere Welt zurückkommen wird. Wichtig ist dabei, auf die persönliche Entwicklung des Kindes zu achten, denn Kinder entwickeln sich unterschiedlich.

Trauer bei Kindern zwischen sechs und neun Jahren

Eine realistische Vorstellung vom Tod entwickelt sich erst ab dem Schulalter. In diesem Alter lernen die Kinder zwischen belebter und unbelebter Umwelt zu unterscheiden und sie kommen langsam zur Einsicht, dass alle Lebewesen „irgendwann“ sterben müssen – auch sie selbst. Sie akzeptieren allmählich die Endgültigkeit des Todes und wissen nun, dass Tote weder atmen, noch essen, noch fühlen.

 

Sie interessieren sich dafür, was aus den Toten wird. Dinge, die mit dem Tod einhergehen – wie Sarg, Grab, Beerdigung und Friedhof – sind von großem Interesse. Sie stellen Fragen wie: Wie funktioniert Verbrennen? Warum müssen wir die Toten beerdigen? Wie sieht ein Toter aus? Wie schwer ist ein Sarg? Wie tief ist das Loch?

 

„Ich stelle mir vor, wenn ich tot bin und im Sarg liege, dass es ganz dunkel ist. Und ob ich schon auf einem anderen Sarg liege oder ob unter meinem Sarg nur Sand ist. Was meine Eltern machen und meine Omas machen würden. Wie lange sie trauern würden.“ Andrea, 8 Jahre

 

 

Was Kindern in diesem Alter helfen kann:

  • Erklärungen, warum der Mensch gestorben ist.

  • Den Kindern zuhören und Zeit haben, um über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen.

  • Den Kindern durch Verlässlichkeit, offene Gespräche und Zuwendung Sicherheit geben.

  • Einbeziehen bei der Planung und Durchführung der Trauerfeier/des Begräbnisses.

  • Ermutigung im Ausdruck all ihre Gefühle durch Förderung kreativer Ausdrucksformen - Ängste, Wut, Zorn, Enttäuschung, Schuldgefühle sichtbar machen.

  • Sich an den Verstorbenen erinnern: Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Verstorbenen gemeinsam mit dem Kind besprechen.

Mehrere Hände zusammengehalten vor einem Sonnenuntergang

auf
die sprache achten

Bei Antworten auf alle ihre Fragen muss auf die Wortwahl geachtet werden, Begriffe wie „einschlafen“, „auf eine Reise gehen“ u.ä. im Zusammenhang mit dem Tod sollen vermieden werden. Die Wörter „Tod“ und „gestorben“ dürfen ruhig ausgesprochen werden, es sind keine Tabuwörter.

 

Wenn man sagt, „Opa ist eingeschlafen“ bekommt das Kind Angst vor dem Schlafen. Wenn jemand „von uns gegangen“ oder „auf Reisen gegangen“ ist, dann kommt er wieder. Jemand, den man „verloren“ hat, kann man suchen und wieder finden.

Trauer bei Kindern ab etwa zehn Jahren

In diesem Alter entwickeln Kinder ein philosophisches Interesse am Thema Tod, sie fragen nach dem Sinn des Lebens und denken über ein Leben nach dem Tod nach.

 

Der 10-jährige Philipp formuliert auf die Frage „Was ist der Tod?“: "Nun, ich denke, er ist Teil des Lebens eines Menschen. Das Leben hat viele Teile. Nur ein Teil davon ist irdisch. Zu sterben heißt, ein neues Leben anfangen. Jeder muss einmal sterben. Aber die Seele lebt weiter.“

 

In diesem Alter wird die Trauer bereits sehr persönlich ausgestaltet – die einen ziehen sich in ihr Zimmer zurück, die anderen suchen vermehrt Anschluss an Freund*innen.

 

Wie man Kinder in diesem Alter helfen kann:

  • Die Fragen des Kindes ohne Tabus beantworten.

  • Ermutigung im Ausdruck aller Gefühle.

  • Einbeziehen bei der Planung und Durchführung der Trauerfeier/des Begräbnisses.

  • Akzeptanz und Unterstützung beim Wunsch möglichst „normal“ im Freundeskreis weiterzuleben.

  • Wichtige Informationen über den Todesfall, bevorstehende Veränderungen oder konkrete Auswirkungen des Todesfalls auf das Familienleben müssen klar und deutlich ausgesprochen werden.

  • Alle Gespräche sind als Angebot zu verstehen und sollen den Kindern und Jugendlichen nicht aufgezwungen werden.

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