Krisen
25. Okt. 2021
·
5 Minuten Lesezeit

Trauer bei Jugendlichen - wie mit dem Tod umgehen

Ein Beitrag von:
Dagmar Bojdunyk-Rack
Dagmar Bojdunyk-Rack
Artikelinfo:

Jugendliche haben die gleichen Vorstellungen vom Tod wie Erwachsene. Doch ein Todesfall verbindet sich bei ihnen besonders stark mit der Suche nach der eigenen Identität. Die Fragen von Endlichkeit und Tod spielen dabei eine große Rolle. Der Schmerz über den Verlust macht die Frage, was nach dem Tod passiert, besonders drängend.

Jugendliche, die den Tod eines nahestehenden Menschen bewältigen müssen, erleben häufig sehr starke Gefühle und sind oftmals mit dieser Situation sehr allein. In ihrem Alltag ist in der Regel wenig Platz fürs Abschiednehmen. Sie verschieben ihre Trauer manchmal, weil sie diese gerade gar nicht gebrauchen können und in diesem Moment schlichtweg überfordert sind. Oft lassen sie sich ihre Trauer auch nicht anmerken. Jugendliche reden oft lieber mit ihren Freund*innen als mit den Eltern.

 

Wichtig ist es, dass Eltern nicht die falschen Erwartungen an ihre jugendlichen Kinder haben und sich von ihnen Trost und Unterstützung erwarten. Diese müssen sich die Eltern bei anderen Erwachsenen in Freundes- und Familienkreis holen und bei Bedarf auch professionelle Unterstützung annehmen.

 

Den Kindern können sie aber immer wieder mit ihrer Offenheit signalisieren, dass sie für sie da sind, wenn sie es brauchen. Kinder dürfen aber kein Partnerersatz sein.

 

Was Jugendlichen helfen kann:

  • Ermöglichung des Kontakts mit den Freund*innen.

  • Einbeziehen bei der Planung und Durchführung der Trauerfeier/des Begräbnisses.

  • Verständnis für unkonventionelle Formen des Trauerns (Rückzug, laute Musik, „schrille Trauerkleidung“ u.a.).

  • Darauf achten, dass der Jugendliche nicht die Rolle des Verstorbenen übernimmt.

  • Rückkehr in den Alltag.

Empfehlungen für Eltern

Empfehlungen für Eltern, deren Jugendliche Kinder den Tod eines nahestehenden Menschen bewältigen müssen:

Ein Todesfall löst viele unterschiedliche Gefühle aus. Manchmal ist es ein Auf- und Ab wie auf einer Achterbahn: Wut, Angst, Verzweiflung und Schuld wechseln mit Dankbarkeit und Liebe. Alle Gefühle sind normal und erlaubt. Trauer hat viele Gesichter und es gibt kein richtig oder falsch. Manchen hilft es, wenn sie darüber sprechen können, manche würden am liebsten auf irgendetwas einschlagen, Sport machen, rennen, laute Musik hören oder einfach nur weinen.

Tränen sind immer ein Zeichen, dass Gefühle so stark sind, dass sie „irgendwo hin müssen“. Weinen kann sehr befreiend sein, aber niemand darf von einem Jugendlichen verlangen, dass sie/er weinen muss.

Jeder entscheidet selbst, wann der richtige Zeitpunkt für reden, weinen, schreien oder schweigen ist. Auch wenn Zeit zum Alleinsein gebraucht wird, darf und soll der Jugendliche sich diese nehmen.

Trauer ist oft wie eine schwere dunkle Decke, die über einem liegt. Trauer soll aber nicht das ganze Leben durchdringen. Es muss noch Platz für anderes sein. Deshalb: Es ist gut, wenn Ihr Kind weiter mit seinen Freund*innen ausgeht, seine Lieblingsmusik hört, Sport macht oder eben einfach Dinge, die ihm gut tun.

Ihr Kind hat das Recht zu lachen und fröhlich zu sein. Lachen ist wichtig und nur weil es lacht, heißt das nicht, dass es nicht um den geliebten Menschen trauert. Dabei ist es egal, was die anderen denken.

Jeder Mensch, der gestorben ist, lebt durch die Erinnerungen an ihn weiter. Darum ist es wichtig, dass diese Erinnerungen an die gemeinsamen schönen Momente bewahrt werden. Vielleicht hat Ihr Kind ein persönliches Erinnerungssymbol ein gemeinsames Foto oder eine CD mit Lieblingsliedern, die es mit der/dem Verstorbenen verbindet. Auch Trauerrituale - wie das Anzünden einer Kerze, das Schreiben eines Briefes, ein Trauertagebuch oder Besuche auf dem Friedhof können dabei helfen, mehr und mehr mit dem Verlust klar zu kommen.

Es gibt kein allgemein gültiges Rezept, wie man mit Trauer am besten umgeht.

Nur eines: Jede/jeder Jugendliche entscheidet selbst, was ihr/ihm gut tut!

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