Krisen
29. Okt. 2021
·
6 Minuten Lesezeit

Sollen Kinder bei einem begräbnis dabei sein?

Ein Beitrag von:
Dagmar Bojdunyk-Rack
Dagmar Bojdunyk-Rack
Artikelinfo:

Oft hört man, Kinder haben bei einem Begräbnis nichts zu suchen. Natürlich soll kein Kind gegen seinen Willen am Begräbnis teilnehmen. Wenn man Kinder auf die Geschehnisse vorbereitet, kann es aber eine Möglichkeit sein, sich als Teil der Familie würdevoll  von dem/der Verstorbenen zu verabschieden. 

Kind und Begräbnis – passt das denn zusammen?

Viele Menschen haben das Gefühl, Kinder haben bei einem Begräbnis nichts zu suchen. Dafür wären sie doch zu klein und man muss sie ja schließlich vor allem Traurigen und Schweren schützen. Wenn wir unsere Kinder bei Begräbnissen ausschließen, tun wir ihnen aber nichts Gutes! Wir nehmen ihnen die Möglichkeit sich als Teil der Familie von der/dem Verstorbenen würdevoll zu verabschieden. Wir trauen ihnen damit das Ritual des Abschieds nicht zu. Dabei ist dieses so wichtig für die Kinder, um den Tod besser zu begreifen und das Erlebte in ihr Leben einordnen zu können.

 

Natürlich soll kein Kind gegen seinen Willen am Begräbnis oder der Verabschiedung teilnehmen. Kinder wissen aber nicht, was sie dort erwartet und brauchen daher Eltern, die ihnen die Abläufe und Rituale im Vorfeld erklären und sie zur Teilnahme ermuntern. Es ist ein gemeinsames Abschiednehmen der Familie und der Freunde und das Kind ist Teil dieser Gemeinschaft, die in dieser schweren Zeit füreinander da ist.

 

Kleine Kinder können Blumen für den Grabschmuck aussuchen, größere Bilder malen oder etwas basteln, das in das Grab mitgegeben werden kann. Auch das Bemalen des Sarges wird bereits von vielen Bestattungsunternehmen ermöglicht. Jugendliche können z.B. auch ein Gedicht vortragen. Je besser trauernde Kinder in den Ablauf eingebunden sind, desto sinnhafter kann für sie der Abschied werden. So ermöglichen Sie dem Kind das Gefühl, dass es immer noch etwas für den geliebten Menschen tun kann. Dies hilft beim Abschied nehmen und schafft Nähe und Verbundenheit.

 

Auch auf die Gefühle, die bei den Trauergästen zu erwarten sind und auch auf die eigenen Gefühle die hervorbrechen könnten, sollte das Kind in einem Gespräch vorbereitet werden. Die schwarze Kleidung und das ungewohnte Verhalten von Erwachsenen (z.B. weinen) kann sie verunsichern.

 

Wichtig für Kinder ist, dass eine vertraute erwachsene Person, die selbst nicht zu sehr von der eigenen Trauer betroffen ist, das Kind während des Begräbnisses begleitet und auch für Fragen offen ist und den Bedürfnissen (z.B. hinausgehen, wenn die Anspannung zu groß wird) gerecht werden kann.

 

Das Begräbnis ist die Möglichkeit, offiziell und im Kreise von Verwandten und Bekannten gemeinsam Abschied zu nehmen.

Wie viele Gefühle der trauer dürfen Erwachsene zeigen?

Kinder brauchen „gefühlvolle Vorbilder“. Nach dem Tod eines geliebten Menschen sind die Erwachsenen traurig, wütend, verzweifelt und weinen – das dürfen sie auch vor den Kindern zeigen. Für manche Kinder ist dies ungewohnt, und es kann sie ängstigen, Mama oder Papa so zu sehen. Daher ist es in dieser Situation wichtig zu vermitteln, dass Trauern und Weinen ganz normal sind und nicht versteckt oder verleugnet werden müssen.

 

Wenn möglich sollten Kinder ihre nächsten Bezugspersonen aber nicht außer Kontrolle und hoffnungslos erleben, weil sie dadurch verunsichert werden könnten. In solchen Phasen sollten sich die Erwachsenen besser zurückziehen und andere Erwachsene für die Kinder da sein, die gerade nicht trauern.

 

Kinder sollen also Erwachsene erleben, die ihre Gefühle zeigen und zu diesen stehen und auch ihren Tränen manchmal freien Lauf lassen. Trauer und Tränen dürfen sein. Kinder brauchen solche „Trauervorbilder“, und damit die Erlaubnis, auch ihre eigene Trauer auszudrücken.

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