Eltern sein
07. Nov. 2022
·
7 Minuten Lesezeit

Warum Selbstfürsorge für Eltern so wichtig ist

Geschrieben von:
Elternseite Redaktion
Elternseite Redaktion
Artikelinfo:

Um gut für Ihr Kind da zu sein, ist es wichtig, auch gut für sich selbst zu sorgen. Denn nur, wenn es Ihnen gut geht, können Sie auch gut für andere da sein. Wie dies gelingen kann, verraten wir in diesem Artikel.

Selbstfürsorge heißt, für sich selbst zu sorgen – so wie ein liebevoller Elternteil für sein Kind sorgt.

 

Elternsein ist nicht nur eine Aufgabe, es ist eine Lebensaufgabe und kann sehr herausfordernd sein: Kinder brauchen viel Energie, Zeit und Aufmerksamkeit. Manchmal scheint es unmöglich, daneben noch Zeit für sich selbst zu finden.

 

Dennoch ist es wichtig, liebevoll mit sich selbst umzugehen und darauf zu achten, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, ernst zu nehmen und zu erfüllen. 

Nur, wenn Sie gut für sich selbst sorgen, können Sie auch gut für Ihr Kind da sein.

Selbstfürsorge ≠ Selbstoptimierung

In den sozialen Medien wird Selbstfürsorge oft mit der „perfekten Morgenroutine“ oder dem „täglichen grünen Smoothie“ gleichgesetzt. Tatsächlich haben Menschen verschiedene Bedürfnisse und Vorlieben – daher ist Selbstfürsorge sehr individuell und bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Die Zeit, in der man für sich selbst sorgt, muss also nicht "Instagramtauglich“ sein. Es geht nicht darum, irgendwelchen Erwartungen zu entsprechen und dadurch noch mehr Druck zu erzeugen, sondern sensibel dafür zu werden, was man gerade braucht. Ob es einem – wenn man sich gerade sehr erschöpft fühlt – beispielweise mehr hilft, auf der Couch auszuruhen, einen kurzen Spaziergang in der Sonne zu machen oder mit jemand zu telefonieren.

Wichtig ist, dass Sie für sich herausfinden, was Ihnen guttut, Freude bereitet und Ihre Energie wieder neu aufladen lässt.

Selbstfürsorge ist nichts egostisches, sondern ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Elternschaft.

 

Nur wenn wir unsere Batterien regelmäßig wieder aufladen, können wir leistungsfähig sein und die vielen Anforderungen des Alltags gut bewältigen. Wenn wir uns energiegeladen fühlen, wirkt sich das auch positiv auf unsere Gesundheit und unser allgemeines Wohlbefinden aus. Wir können flexibler auf Anforderungen reagieren und werden weniger schnell wütend oder gereizt. Das hat dann auch positive Auswirkungen auf unser Umfeld und unsere Kinder

 

Eltern sind Vorbilder für ihre Kinder. Wenn Sie gut mit sich selbst umgehen, lernen das auch Ihre Kinder. Wenn Ihr Kind beispielsweise mitbekommt, dass Sie in stressigen Situationen aktiv Pausen einlegen, weil Sie gut auf sich und Ihre Grenzen achten, wird es lernen, dies für sich selber auch zu tun.

Fragen,
die helfen,

 Energiequellen zu finden:

  • Rückblick: Was hat mir früher gut getan? Was habe ich früher gerne gemacht?
  • In welchen Momenten fühle ich mich besonders wohl? Was tue ich in diesen Momenten (oder was tue ich eben nicht)? In welcher Umgebung befinde ich mich? Wer ist um mich, oder bin ich in diesen Momenten ganz für mich alleine?
  • Welche Aktivitäten geben mir Kraft und Energie?
  • Perspektivenwechsel: Was würde ich mir selber raten, wenn ich eine gute Freundin von mir wäre?

Ideen für eine liebevolle Selbstfürsorge: 

Entspannung
Atemübungen, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Meditation und Yoga sind Entspannungsmethoden, die Sie im Alltag gut anwenden können.
Künstlerische Tätigkeiten
Auch Malen, Zeichnen, Musizieren und Tanzen sind eine Möglichkeit, etwas Gutes für sich selbst zu tun.
Frische Luft, Sport oder ein Spaziergang in der Natur
kann sehr erholsam sein und hilft, den Kopf von Gedanken frei zu bekommen.
Austausch

Manchmal ist ein gutes Gespräch mit einer*m lieben Freund*in, persönlich oder am Telefon, oder eine innige Umarmung alles, was wir gerade brauchen.

Für jeden*e sind unterschiedliche Methoden und Aktivitäten hilfreich. Es ist wichtig, in sich hineinzuhören und sich bei Vorschlägen die Dinge mitzunehmen, die einen ansprechen.

 

Wichtig ist auch, freundlich und mitfühlend mit sich selber zu sein – gerade, wenn Dinge gerade schwierig sind oder nicht so laufen, wie wir es uns wünschen würden. Versuchen Sie, so mit sich selbst umzugehen, wie mit einem lieben Freund oder einer Freundin, die eigenen Gefühle zuzulassen und sich selber zu trösten.

Sprechen Sie
über Ihre Bedürfnisse

Zur Selbstfürsorge gehört auch, gut mit seiner Energie hauszuhalten. Das ist eine große Aufgabe und bedeutet zu erkennen, wann man an seine Grenzen gelangt und diese auch mitzuteilen. Oft warten wir darauf, dass andere Menschen unsere Bedürfnisse erfüllen oder diese sogar erkennen, ohne, dass wir etwas sagen müssen.

 

Leider kann niemand diese Erwartungen erfüllen, auch wenn die anderen einen noch so gut kennen. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Wünsche und Erwartungen offen anzusprechen und klar zu kommunizieren. Versuchen Sie bei Unstimmigkeiten Kompromisse und gute gemeinsame Lösungen finden, sowie Dinge aushandeln, die Ihnen wichtig sind.

selbst-fürsorge im alltag:

das kann helfen

  • Selbstfürsorge im Kalender einplanen – Wenn Sie Ihre Selbstfürsorge wie jeden anderen Termin zeitlich einplanen und auch als genauso wichtig ansehen, schafft dies Verbindlichkeit. Planen Sie regelmäßig – am besten jeden Tag –  eine Kleinigkeit für sich selbst ein, auch wenn es nur 5 Minuten sind. Gleichzeitig können Sie Vorfreude entwickeln, was ebenso guttut!
  • Gewohnheiten entwickeln –  Festgelegte Zeiten und Abläufe erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr „Selbstfürsorge-Termin“ tatsächlich stattfindet.
  • Entspannte Atmosphäre schaffen – Wenn man sich eine Auszeit geschaffen hat, ist es oft gar nicht so leicht, wirklich zu entspannen. Oft sind die Gedanken weiterhin bei der To-Do Liste. Versuchen Sie, sich so gut wie möglich auf Ihr Wohlbefinden zu konzentrieren. Schalten Sie Ihr Handy auf lautlos!
  • Kinderbetreuung organisieren – Manchmal fällt es schwer, die eigenen Kinder „abzugeben“ und von Familie, Freund*innen oder Babysitter*in betreuen zu lassen. Hier kann es helfen, eine betreuende Person zu suchen, zu der Sie Vertrauen haben. Überlegen Sie auch, was Ihre dahinterliegenden Befürchtungen sind, die es schwermachen loszulassen und wie Sie die Fremdbetreuung aktiv so mitgestalten können, dass Sie sich beruhigt fühlen. Wenn Sie Vertrauen in die Fremdbetreuung haben, spürt das auch ihr Kind und es kann sich besser auf die Situation einlassen.
  • Gemeinsame Selbstfürsorge – Auch gemeinsame Selbstfürsorge – als Paar, als Familie oder mit Freund*innen – kann helfen, die eigene Energie wieder aufzuladen. Überlegen Sie sich Aktivitäten, die Ihnen guttun und finden Sie Gleichgesinnte!

Warnzeichen erkennen

Wenn wir gut für uns sorgen und unsere Batterien aufgeladen sind, ist unser Körper widerstandsfähiger gegen Stress. Wenn wir über längere Zeit nicht gut für uns selbst sorgen, lässt unser Körper uns jedoch wissen, dass es notwendig ist, uns wieder um uns selbst zu kümmern. Anzeichen können sein, dass man vergesslicher wird, einem vermehrt Ungeschicke passieren, man schlechter ein- und durchschlafen kann, innere Unruhe fühlt oder gereizt ist - wobei Warnzeichen für jeden natürlich anders aussehen können. Des Weiteren sind wir dann auch oft anfälliger für Krankheiten und spüren körperliche Symptome, wie z.B. Kopf- oder Magenschmerzen oder Verspannungen.


Wenn Sie über längere Zeit sehr erschöpft sind und dennoch über Ihre Grenzen hinausgehen, kann dies zu einem seelischen und körperlichen Erschöpfungszustand führen. Dann spricht man auch oft von einem „Burnout“ (= ausgebrannt sein). In diesem Zustand kann es vorkommen, dass man kaum noch aufnahmefähig ist, vermehrt soziale Kontakte vermeidet und weniger Freude verspürt.


Es ist wichtig, dass Sie Warnzeichen frühzeitig erkennen: Gefühle von ständiger Überforderung, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit und Energiemangel können beispielsweise auch auf ein Burnout hindeuten. 


Überlegen Sie, was Ihre persönlichen Warnzeichen sind! Wenn Sie sich diese bewusstmachen, können Sie sie leichter erkennen und frühzeitig Gegenmaßnahmen setzen, indem Sie Ihre Energie aktiv wieder aufladen.

online-videoberatung

Wenn Sie bereits Warnzeichen bei sich erkennen oder Unterstützung benötigen, um wieder Kraft auftanken zu können, nehmen Sie gerne eine Online-Video-Beratung bei uns in Anspruch! Gemeinsam können wir überlegen, was in Ihrer individuellen Situation helfen kann.