Eltern sein
14. Nov. 2022
·
6 Minuten Lesezeit

Alleinerziehend: Wie kann ich das schaffen?

Geschrieben von:
Elternseite Redaktion
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Artikelinfo:

Die Situation von Alleinerziehenden ist oft schwierig und belastend. Wir haben einige Tipps und Impulse zu wesentlichen Themen, die im Alltag hilfreich sein können, zusammengefasst.

Alleinerziehende sind meist mit größeren Herausforderungen konfrontiert als Zweielternfamilien, wo beide Eltern gemeinsam leben. Arbeit, Haushalt und Kindererziehung bleiben alle an einem selbst hängen. Viele Betroffene haben wenig Geld und auch wenig Zeit für sich selbst. Darüber hinaus sind auch Kränkungen ein Thema: z.B. durch die Trennung, die noch nicht verarbeitet werden konnte.

 

Viele Alleinerziehende sehen sich auch mit Vorurteilen konfrontiert, da Einelternfamilien immer wieder als „unvollständige Familienform“ wahrgenommen werden.

 

Es gibt auch immer wieder die Sorge, dass den Kindern etwas fehlen könnte oder es gar schädlich für sie sein könnte, in einer Einelternfamilie aufzuwachsen.

 

Die ständige Mehrfachbelastung führt zu einem deutlichen höheren Stresslevel von Alleinerziehenden im Vergleich zu zusammenlebenden Eltern.

Die Situation als Alleinerzieher*in kann auch ungeahnte Kräfte und persönliche Stärken zum Vorschein bringen.

Neben all diesen Herausforderungen erleben viele Alleinerziehende* die Situation Leben auch positiv.

 

Es kann z.B. entlastend sein, sich nicht immer mit einem/r anderen Partner*in abstimmen zu müssen, oder man bemerkt, dass das Selbstbewusstsein und das Durchsetzungsvermögen mit den wachsenden Herausforderungen steigen

Man kann aus unterschiedlichen Gründen alleinerziehend werden, durch Trennung, Scheidung oder aufgrund eines Todesfalls. Man kann aber auch von Anfang an alleinerziehend sein.

 

Viele Alleinerziehende sind in ihre Situation unbeabsichtigt hineingeraten, einige haben sich auch bewusst zu einem gemeinsamen Kind ohne Paarbeziehung entschieden und leben ein Coparenting-Modell. 

 

GETRENNT ERZIEHEND 

VS. ALLEIN-ERZIEHEND:

Auch die Intensität des Alleinerziehens kann sehr unterschiedlich sein. Während manche getrenntlebende Eltern gleichteilig in Doppelresidenz betreuen, ist es in anderen Fällen ein Elternteil, an dem nahezu alles hängen bleibt - oft die Mutter.

 

 

Manchmal erleben sich auch Elternteile, die in einer Beziehung sind, als alleinerziehend oder "quasi alleinerziehend", etwa, wenn der/die Partner*in sich aufgrund einer (psychischen) Erkrankung über einen längeren Zeitraum nicht in die Erziehung einbringen kann.

 

Die Situation von Alleinziehenden ist individuell unterschiedlich, doch  die Schwierigkeiten im Alltag erleben viele Alleinerziehende ähnlich.

 

Was kann man als Betroffene*r tun, um sich die Situation zu erleichtern? Wir haben hier fünf wichtige Anregungen aufgelistet.

tipps zur
alltags-bewältigung:

# VErnetzung

Gerade wenn man alleinerziehend ist, ist es enorm wichtig, gut vernetzt zu sein, um die Situation gut bewältigen zu können. Während Krankheitsphasen oder in Notsituationen, zur Abdeckung von Betreuungslücken durch die Kinderbetreuungseinrichtung  oder wenn Sie einmal eine Auszeit brauchen, ist es wichtig, Menschen zu haben, die helfen können.


Oft ist es dann die eigene Familie, die unterstützt. Aber auch ein Netzwerk aus Freund*innen und Bekannten, mit denen man sich austauschen bzw. abwechseln kann, oder die einem Rückhalt geben, sind eine wichtige Unterstützung.

 

Nicht jeder hat jedoch ein solches Netzwerk oder Familie. Für die Schaffung dieses Netzwerkes kann es daher hilfreich sein, den Kontakt zu anderen Alleinerziehenden zu suchen. WienXtra  hat beispielweise eine Liste mit verschiedenen Fachstellen und Foren für Alleinerziehende erstellt, von denen es bei einigen auch Vernetzungsangebote für Eltern gibt. Des Weiteren gibt es auch in vielen Eltern-Kind-Zentren Angebote für Alleinerziehende.

# Finanzielle Unterstützung ausschöpfen

Als Alleinerziehende*r muss man den gesamten Lebensunterhalt selbst bestreiten. Viele Alleinerziehende befinden sich daher in einer angespannten finanziellen Situation.

Informieren Sie sich über mögliche steuerliche Entlastungen für Familien allgemein bzw. speziell für Alleinerziehende. Zudem gibt es eine Vielzahl an weiteren finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten für Alleinerziehende (wie z. B. Witwen- oder Waisenpension, wenn ein Elternteil verstorben ist, Unterhalt, Mietbeihilfen u.vm). Dazu informieren z.B. die Kinder-und Jugendhilfe, Eltern-Kind-Zentren, Familienberatungsstellen oder Fachstellen für Alleinerziehende.

# SCHULDGEFÜHLE

Geben Sie Schuldgefühlen nicht zu viel Raum. Viele Alleinerziehende haben Schuldgefühle aus unterschiedlichen Gründen. Ein häufig genannter Grund ist, dass dem Kind etwas fehlt, weil man es alleine großzieht:  Doch diese Sorge ist nicht begründet. Was Kinder brauchen, ist eine Familie, in der sie insbesondere Liebe, Nähe, Geborgenheit, Anerkennung und Anregung erfahren. Dies ist in Einelternfamilien genauso möglich, wie bei Eltern die zusammen leben!


Anderseits haben viele Alleinerziehende ein schlechtes Gewissen, weil sie Vollzeit berufstätig sind, um ihr Überleben zu sichern bzw. weil man die Karriere nicht zurückstellen will. Daher befürchten sie, zu wenig Zeit für ihr Kind zu haben. Auch hier ist es wichtig zu berücksichtigen, dass nicht das Ausmaß an Zeit entscheidend ist, sondern ihre Qualität!

# Auszeiten gönnen

Alleinerziehend zu sein, ist ein sehr anstrengender Job! Daher ist es wichtig, gut auf sich zu achten. Nur so kann man auch wieder gut für sein Kind da sein. Gönnen Sie sich regelmäßige Auszeiten. Was hilft, ist individuell unterschiedlich. Das kann z.B. schon eine gute Tasse Kaffee sein, das Hören von Musik, eine angenehme Dusche oder z.B. eine Entspannungsübung. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie Ihrem Hobby nachgehen oder Freund*innen treffen möchten. Ob und wie Sie Ihr Kind dabei einbinden, bleibt Ihnen überlassen!

# hilfe holen

  • Wenn Sie Fragen zu finanziellen oder rechtlichen Angelegenheiten haben, können z.B. Familienberatungsstellen, die Kinder-und Jugendhilfe oder Anlaufstellen für Alleinerziehende weiterhelfen. 
  • Wenn Sie merken, dass die Lebenssituation Sie an Ihre psychischen Grenzen bringt, scheuen Sie nicht davor, professionelle Hilfe bei Psycholog*innen oder Psychotherapeut*innen anzunehmen. 
  • In Familienberatungsstellen können Sie sich zu Fragen bei der Erziehung Ihres Kindes beraten lassen.

  • Nutzen Sie auch die entsprechenden Unterstützungsangebote für Kinder, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind davon profitieren könnte!

online-videoberatung

Auch wir helfen Ihnen gerne mit individueller Beratung weiter und informieren Sie zu zusätzlichen Unterstützungsangeboten!

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