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26. Sep. 2022
·
6 Minuten Lesezeit

Wenn Kinder Angst vor dem Klimawandel haben

Geschrieben von:
Beraterin 3
Beraterin 3
Artikelinfo:

Der Klimawandel und die dadurch ausgelösten Veränderungen in unserer Lebenswelt lösen bei vielen Menschen Unsicherheit aus. Doch es gibt Wege, mit Zukunftsängsten und anderen emotionalen Folgen des Klimawandels umgehen zu lernen.

Die meisten Menschen kennen Zukunftsängste, also Sorgen und Ängste vor Dingen, die in der Zukunft liegen und vor dem, was da noch kommt. Es ist sehr verständlich, dass der Klimawandel bei vielen zu Zukunftsängsten und Unsicherheit führt.

 

Aber auch andere negative Emotionen sind Thema. Beispielweise fühlen viele Menschen Wut und Frustration, weil sie den Eindruck haben, dass durch die Politik bzw. die Gesellschaft zu wenig gegen den Klimawandel getan wird. Damit verknüpft besteht oft Hilflosigkeit, weil man das Gefühl hat, alleine wenig tun zu können. Auch Überforderung durch die vielen Empfehlungen und Vorgaben, die es zum Thema Klimawandel gibt, besteht.

 

Diese Belastungen können auch psychische Beschwerden fördern bzw. verstärken (z.B. Depressionen, Schlafstörungen, Ängste).

 

Neben den persönlichen emotionalen Folgen fragen sich auch viele Eltern, ob und wie sie mit ihren Kindern über den Klimawandel sprechen, und wie sie in der Familie mit dem Thema Klimawandel und den daraus entstehenden Sorgen und Ängsten umgehen können.

  • Der Klimawandel und die Veränderungen in unserer Lebenswelt, die dadurch ausgelöst werden, wird von Experten als größte Herausforderung für die Menschheit in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gesehen.
  • Wenn man aktuell vom Klimawandel spricht, sind damit nicht die natürlichen Schwankungen gemeint, wo es über einen längeren Zeitraum zu einer Erwärmung bzw. Abkühlung des Klimas kommt. Sondern es geht um jene Erwärmung der Erdatmosphäre, die durch die Menschen verursacht wird. Diese wird durch den Ausstoß von Treibhausgasen auslöst. Die Quellen für Treibhausgase sind vielfältig, allen voran die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Gas und Kohle. Aber es gibt auch weitere Ursachen wie z.B. die Massentierhaltung, bei der ebenfalls große Mengen an Treibhausgasen entstehen.
  • Die Treibhausgase befinden sich in der Lufthülle rund um unsere Erde (der Atmosphäre) und verhindern, dass Wärme ins Weltall entweicht. Dies wird als sogenannter Treibhauseffekt bezeichnet. Treibhausgase und damit den Treibhauseffekt, gibt es auch ohne menschliches Zutun. Durch die vom Menschen verursachte höhere Menge an Treibhausgasen wird es jedoch immer wärmer auf der Erde.
  • Folgen des Klimawandels sind z.B. Anstieg des Meeresspiegels, vermehrte Unwetter, Gletscherschmelze, etc. Keiner weiß wie sich die Zukunft langfristig entwickeln wird, hierzu existieren lediglich unterschiedliche Prognosen. Experten sind sich allerdings einig, dass wir bereits mitten im Klimawandel sind, die volle Tragweite aber noch nicht erreicht ist. Der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen, man kann nur versuchen seine Auswirkungen einzudämmen. 

wie spreche ich mit meinem Kind über den Klimawandel?

Oft wollen Eltern ihre Kinder nicht unnötig beunruhigen oder befürchten, dass noch mehr Ängste entstehen, wenn sie über schwierige Themen sprechen.

 

Bedenken Sie aber:  In den Kindergärten, Schulen, Nachrichten und Social Media, wird regelmäßig darüber berichtet. Eventuell bekommt das Kind auch mit, dass seine Eltern durch das Thema belastet sind (auch wenn man nicht direkt mit dem Kind darüber spricht). Wenn Kinder das Gefühl haben, dass vor ihnen etwas verheimlicht wird, steigert das meist Ängste und Unsicherheit.

Es ist nicht möglich, das Thema Klimawandel von Kindern fernzuhalten. 

Sprechen Sie mit Ihrem Kind, ob es Fragen hat und wie es sich fühlt.

 

Gehen Sie auf die Fragen Ihres Kindes ein und versuchen Sie, sie wahrheitsgemäß zu beantworten. Es ist klar, dass man nicht auf alle Fragen des Kindes eine Antwort geben kann. Dann sagen Sie das, aber geben Sie eine Perspektive (z.B. „ich werde nachschauen und es dir dann sagen“) bzw. trösten Sie Ihr Kind, wenn es noch keine Antworten auf gewisse Fragen gibt (z.B. weil sie in der Zukunft liegen).

 

Wichtig ist es, bei der Gesprächsführung zu beachten, dass die gegebenen Informationen klar und dem Alter angepasst sind. Vermeiden Sie es, die Sachlage zu übertreiben oder zu beschönigen

fragen,

die ihr kind stellen

könnte:

  • Was ist das Klima?
  • Was ist der Klimawandel?
  • Ist der Klimawandel gefährlich?
  • Was ich gegen den Klimawandel tun?

Kindgerechte Antworten auf diese und andere Fragen zum Thema Klimawandel können Sie z.B. in Kindersendungen finden, die Beiträge zum Thema Klimawandel gestaltet haben, zB.: logo, die Kindernachrichten des ZDF, oder die Sendung mit der Maus.

 

Es gibt auch viele Kinderbücher oder Erklärvideos im Internet zu dem Thema.

Wie kann man reagieren, wenn der Klimawandel Zukunftsängste auslöst?

Der Klimawandel, seine Folgen, sowie die daraus entstehenden Ängste und Unsicherheiten, werden uns weiterhin begleiten. Daher ist es wichtig, einen Umgang damit zu finden. Es gibt keine Patentrezepte, was im Einzelfall hilfreich ist. Hier geben wir aber ein paar Impulse, wie man damit umgehen kann.

Informationen
geben!

Generell gilt: Je klarer man sich informiert, desto besser weiß man, wie man bei Problemen gegensteuern kann. Dies trägt auch positiv bei Ängsten und Sorgen bei.

 

Ab dem Jugendalter informieren Kinder sich in der Regel selbst und möchten auch eher über die Dinge diskutieren. Schaffen Sie in diesem Alter Bewusstsein dafür, dass es Nachrichten gibt, die verzerrt und falsch sein können. Helfen Sie ihrem Kind dabei, Informationen kritisch zu hinterfragen, damit sie einschätzen können ob es sich um Fake News oder eine seriöse Quelle handelt. Informationen dazu findet man z.B. auf der Seite von Saferinternet.at.

 

Jüngere Kinder bekommen viel durch ihre Umgebung mit und haben Fragen. Gehen Sie auf diese wie vorher beschrieben ein. 

Aktiv
werden!

Gegen das Gefühl, dem Klimawandel hilflos ausgeliefert zu sein, kann es hilfreich sein, aktiv zu werden und sich für den Klimaschutz einzusetzen.

 

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, das zu tun: 

  • Teilnahme an Demonstrationen und Kundgebungen
  • Engagement bei Umweltschutzorganisationen
  • Spenden

Auch im Familienalltag können einige Schritte gesetzt werden, um das Klima zu schonen. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über den Klimawandel. Überlegen Sie gemeinsam, welche Schritte sie setzen wollen. Überprüfen Sie zusammen nach einer gewissen Zeit, welche Schritte sich gut umsetzen ließen, welche weniger, und was die Schwierigkeiten waren. Darauf basierend kann man die Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit im Familienalltag anpassen. 

TIPP: Spielerisch 

einbeziehen

Beziehen Sie jüngere Kinder in Klimaschutz-Maßnahmen spielerisch mit ein.

 

Vielen Kindern gefällt es z.B., der „Klima-Detektiv“ sein zu dürfen!


Beachten Sie, dass man manchmal auch eine Pause braucht von den Regeln - gerade wenn man dem Klima zuliebe auf etwas verzichtet. Insbesondere bei jüngeren Kindern ist das noch relevanter. Aber auch wenn man erwachsen ist, ist es wichtig, sich eine vorübergehende Auszeit zu geben, wenn man sich überfordert fühlt. Manchmal darf man sich auch etwas gönnen! 

Trösten

Es ist wichtig für die psychische Gesundheit, alle mit dem Thema verbundenen Gefühle aushalten und ausdrücken zu dürfen (auch seine Wut und seine Ängste). Regen Sie auch Ihre Kinder dazu an, über ihre Gefühle zu reden.

 

Vermitteln sie Zuversicht, dass wir gemeinsam daran arbeiten, die Situation in den Griff zu bekommen.

Entspannen

Regelmäßige Phasen der Entspannung im Alltag können helfen, den allgemeinen Grad der Anspannung zu reduzieren. Hier können unterschiedliche Dinge hilfreich sein wie Sport, Yoga, Atemübungen, Progressive Muskelentspannung u.v.m.

Medienpausen
einlegen

Das Internet, die Nachrichten und Social Media sind voll mit diesem Thema. Achten Sie auf sich selbst und regen Sie auch Ihre Kinder dazu an, bewusst Medienpausen einzulegen, wenn Sie merken, dass es zu viel wird.

Hilfe 
holen

Wenn Sie merken, dass die Ängste bei Ihnen oder Ihrem Kind so groß werden, dass sie den Alltag überschatten, ist es wichtig, auch professionelle Hilfe zu holen (z.B. bei einer/einem Psycholog*in oder Psychotherapeut*in) .

auch
unsere beratung

ist für Sie da!

Wenn Sie sich zusätzliche Unterstützung holen möchten, stehen wir Ihnen mit individueller Online-Video-Beratung zur Seite. 

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