Entwicklungsphasen
17. Aug. 2020
·
7 Minuten Lesezeit

Was tun, wenn mein Kind nicht durchschläft?

Ein Beitrag von:
Elisa Stögmüller
Elisa Stögmüller
Artikelinfo:

Das Schlafverhalten von ihrem Baby oder Kleinkind beschäftigt viele Eltern. Wissen über die Schlafentwicklung kann helfen, besser mit der Situation umzugehen. Und praktische Tipps für den Familienalltag unterstützen, damit es mit dem Durchschlafen bald klappt.

„Schlaf Kindlein, schlaf“

So beginnt eines der bekanntesten Lieder, das ein Kind ins Land der Träume wiegen soll. Doch was einfach klingt, ist im Alltag oft herausfordernd. Gerade bei Babys, die sich erst an die Welt anpassen und lernen müssen, mit den neuen Gegebenheiten zurechtzukommen.

 

Vielleicht ist Ihr Kind total begabt beim Schlafen. Tatsächlich: Einige Neugeborene haben die Fähigkeit, wenige Wochen nach der Geburt Wach- und Schlafphasen zu verbinden. Der Normalfall ist das aber nicht: Meist braucht es die Eltern, die bei dieser schwierigen Aufgabe helfen. Dabei wollen wir Sie unterstützen, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen.

 

Eines vorweg: Das einfache Rezept für die sichere Einschlafgarantie gibt es leider nicht! Wie Ihr Kind am besten einschläft, wann und wo – das finden Sie mit Ihrem Kind am besten gemeinsam heraus.

Oft kann man mit Wissen zu einer Thematik Gegebenheiten besser einordnen oder eine Idee bekommen, warum sich ein Kind so verhält, wie es sich verhält. Darum haben wir hier grundlegende Informationen rund um den Schlaf bei Babys und Kindern zusammengefasst.

Was Sie über den Schlaf wissen sollten

Der Mensch verbringt etwa ein Drittel seiner Lebenszeit schlafend. Schlaf ist lebensnotwendig. Der Körper erholt sich im Schlaf und verarbeitet Eindrücke und Informationen des Tages.

Unser Schlaf besteht aus Non-REM- und REM-Phasen. REM steht für Rapid-Eye-Movement, also schnelle Augenbewegung. Im Non-REM schläft man tiefer, bewegt sich nicht und die Atmung ist regelmäßig. Der REM-Schlaf ist leichter, das zeigt sich mit unregelmäßiger Atmung, teilweise motorischer Unruhe und schnellen Bewegungen des Augapfels (Rapid-Eye-Movement). Während einer Nacht wechseln sich diese beiden Schlafphasen mehrmals ab. Dazwischen gibt es kurze Wachphasen, an die wir uns für gewöhnlich nicht erinnern können. Beim Säugling ist die Schlafarchitektur noch nicht so differenziert ausgebaut. REM- und Non-REM-Schlaf lassen sich aber bereits erkennen. Neugeborene haben mehrere Schlafphasen mit ca. drei- bis vierstündigen Wachphasen. Das heißt, spätestens nach ein paar Stunden Wachzeit braucht ein Baby wieder Schlaf. Bis zum Kindesalter gleicht sich das Schlafmuster dem eines Erwachsenen an - mit einer Schlafphase in der Nacht und einer Wachphase tagsüber.

Die Schlafentwicklung bei Neugeborenen (0-3 Monate)

Ein Neugeborenes kann 1,5 bis max. 3 Stunden ohne Unterbrechung schlafen, unabhängig von der Tages- oder Nachtzeit. Der Anteil an REM-Schlaf liegt noch hoch, Neugeborene bewegen sich daher viel und der Schlaf kann unruhig wirken. Neugeborene schlafen durchschnittlich 16,5 Stunden, davon in etwa die Hälfte jeweils bei Tag und bei Nacht. Im 3. Lebensmonat können Säuglinge schon ungefähr 10 Stunden in der Nacht und 5 Stunden am Tag schlafen.

 

Der Säugling entwickelt erst nach seiner Geburt einen zirkadianen Rhythmus und passt seinen Schlaf-Wach-Rhythmus Tag und Nacht an. Ein zirkadianer Rhythmus ist ein biologischer Rhythmus, der auch als Biorhythmus oder „innere Uhr“ bezeichnet wird. Biologische Rhythmen wie die Körpertemperatur oder eben Wach- und Schlafzyklen sind angeboren und einem 24-Stunden Rhythmus unterworfen. Diese Anpassung ist durch einen Reifungsprozess bedingt, daher variiert es von Säugling zu Säugling, wann genau das Durchschlafen gelingt. Es ist aber so, dass Säuglinge etwa ab dem 3. Lebensmonat beginnen, durchzuschlafen. Durchschlafen bedeutet in diesem Alter 6 bis maximal 8 Stunden ohne Unterbrechung zu schlafen. Die meisten Babys unter 6 Monaten können die einzelnen Schlafphasen sowie die Wach- und Schlafphasen noch nicht wirkungsvoll miteinander verbinden.

 

Nach der Geburt ist der Säugling plötzlich mit ganz neuen Lebensbedingungen konfrontiert: mit der Schwerkraft, der damit veränderten Körperkoordination und -wahrnehmung sowie der Flut von äußeren Eindrücken. Das ist sehr viel für ein Baby und anstrengend zu verarbeiten. Daher ist es für Neugeborene unheimlich wichtig, sich regelmäßig im Schlaf auszuruhen. Um einschlafen zu können, brauchen sie vorerst noch Hilfestellung von außen. Erst nach und nach lernen sie sich selbst zu regulieren und zu beruhigen. In den ersten zwei bis drei Monaten müssen Neugeborene daher noch voll und ganz umsorgt werden.

 

Eltern können ihrem Baby helfen einen adäquaten Schlaf-Wach-Rhythmus zu entwickeln indem sie den Tagesablauf regelmäßig gestalten. Das heißt Mahlzeiten, Schlafenszeiten, spazieren gehen oder andere Aktivitäten täglich zur gleichen Uhrzeit anzubieten. Des Weiteren benötigen Säuglinge körperliche Nähe, um sich wohl und geborgen zu fühlen. Damit ein Baby gut schlafen kann, sollten diese Bedürfnisse so gut wie möglich erfüllt werden. Herumtragen oder Füttern unterstützen das Einschlafen.

 

Ebenso wichtig ist es, dass sich auch die Eltern in der Schlafsituation wohl fühlen! Ein Beispiel: Ihr Säugling schläft neben Ihnen im Bett, weil Sie ihm besonders viel körperliche Nähe geben möchten. Sie selbst fühlen sich dabei aber unwohl? Dann ist das nicht unbedingt förderlich für einen wohltuenden Schlaf. Wählen Sie daher eine Schlafform, die für Sie und Ihre Familie passend ist. Grundsätzlich ist viel Körperkontakt sinnvoll, da Babys so ein Gefühl für ihre Körpergrenzen bekommen. Ein Neugeborenes erfährt erst durch den Körperkontakt mit einer anderen Person, wo es selbst anfängt und aufhört. Das bedeutet, dass es in diesem Alter zumindest Sinn macht, das Baby häufig im Arm zu halten und am Körper einschlafen zu lassen. Warten Sie, bis es tief schläft - die Körperhaltung wird schlaff und die Faust öffnen sich: Dann können Sie Ihr Baby in sein Bett legen, ohne es zu wecken.

 

Es gibt nicht die einzige richtige Lösung. Einige Neugeborene können nicht gut auf dem Arm einschlafen. Dann werden sie am besten ins Bett gelegt. Im Bett kann ein getragenes T-Shirt oder ein Stück Stoff, das den Geruch der primären Bezugsperson hat, beim Einschlafen helfen. Beruhigend kann es auch sein, wenn Eltern die Hand auf den Kopf legen und über Stirn und Nasenrücken streicheln. Einige Babys mögen begrenzte Schlafplätze, also, wenn sie Pölster, Stillkissen oder Decken um sich haben, andere erfahren körperliche Begrenzung gerne durch ein Tragetuch.

Ein bedeutender Aspekt ist, dass Eltern sich ausgeglichen und ruhig fühlen. Wer müde, gereizt und am Ende seiner Kräfte ist, tut sich schwer, seinem Kind Ruhe und Entspannung zu vermitteln. Wechseln Sie sich daher mit jemand ab und teilen Sie den Babydienst auf. Wenn möglich, gehen Sie wenn auch mal alleine aus dem Haus, um Energie zu tanken!

Die Schlafentwicklung bei Babys (4. bis 6. Lebensmonat)

Der Säugling lernt, seinen Körper zu kontrollieren und auch die Selbstregulationskompetenz nimmt zu. Dadurch kann er bereits kurze Wartezeiten aushalten, bis er bekommt, was er braucht. Eine gute Selbstregulation ist nicht nur wichtig für die psychische Gesundheit, sondern auch ein entscheidender Faktor, gut ein- und durchschlafen zu können. Schafft es ein Kind selbständig von Wachphasen in Schlafphasen zu gelangen, ist das ein Indikator für eine gute Selbstregulationskompetenz.

 

Ihr Baby schläft nun ca. 1,5 Stunden vormittags und nachmittags.

 

Im Allgemeinen schlafen Babys in diesem Alter am besten. Die ersten Anpassungen sind geschafft, das Baby ist mit seinen nächsten Bezugspersonen vertraut. Einschlafprobleme sollten ähnlich wie bei Neugeborenen gehandhabt werden. Den Säugling ins Bett legen, sich zu ihm setzten und den Streichelkontakt beziehungsweise andere Einschlafhilfen durch Erwachsene langsam reduzieren.

Im Kinderwagen ist es günstig, einen Sichtschutz anzubringen, wenn der Säugling schlafen sollte. Babys können nun auch schon ohne weiteres im eigenen Bett schlafen, ständiger Körperkontakt ist nicht mehr notwendig.

Die Schlafentwicklung bei Babys (ab dem 7. Lebensmonat bis 1 Jahr)

Jetzt finden wieder sehr viele Veränderungen statt. Das Baby wird nämlich zunehmend selbständiger. Es kann sich umdrehen, lernt sitzen und will so viel wie möglich selber machen. Es löst sich aus der symbiotischen Beziehung zur Mutter und sein eigener Wille macht sich bemerkbar. Das Baby beginnt autonom zu werden, das bedeutet, ein wichtiges Thema in dieser Entwicklungsphase sind die ersten ganz kleinen Trennungen von der Mutter. Demnach sollten Babys zumindest in ihrem eigenen Bett einschlafen.

 

Das Schlafproblem, das in diesem Alter überwiegend auftritt, ist, dass Babys nach der Tiefschlafphase aufwachen, dann aber nicht mehr in den Schlaf zurückfinden. Wie bereits zu Anfang erwähnt, ist es die Schlafarchitektur des Menschen, dass nach der Tiefschlafphase eine kurze Wachphase eintritt. Das Aufwachen ist aber in der Regel nur sehr kurz und wird meist nicht erinnert. Exakt betrachtet ist es daher so, dass jedes Baby, jedes Kind, jeder Erwachsene nachts mehrmals aufwacht. Der Unterschied ist, dass die meisten es nicht bemerken, weil sie zügig und gekonnt in die nächste Schlafphase zurückkehren. Einige Babys in diesem Alter schaffen das noch nicht so gut. Was das Baby nun lernen muss, ist, wie es allein einschlafen und sich beruhigen kann.

Die Schlafentwicklung von Kleinkindern (1-2 Jahre)

Im Kleinkindalter verändert sich das Schlafverhalten erneut. Das Kind beginnt die Welt zu entdecken, will alles ausprobieren, erkunden und autonom sein. Das Kleinkind ist so fasziniert von der Welt. Da ist es wenig verlockend, tagsüber zu schlafen. Der Tagesschlaf wird weniger, es schläft schließlich nur mehr einmal während des Tages (Mittagsschlaf). Diese Umstellung ist herausfordernd, da einmal Tagschlaf beinahe zu wenig ist, um bis am Abend ausgeruht zu sein, aber zweimal zu viel, um rechtzeitig wieder müde zu sein.

 

Ein wesentlicher Entwicklungsschritt dieses Alters ist, sich trennen zu können: Einerseits von den Eltern, andererseits von der Welt und vom Leben tagsüber, um zu schlafen. Für ein Kind kann es hilfreich sein, „verabschieden“ und „wiedersehen“ zu üben. Dadurch macht es die Erfahrung, dass eine Person geht und immer wieder zurückkommt. Werden Kinder abends zu Bett gebracht, sollte sich der Erwachsene verabschieden und nicht aus dem Zimmer schleichen, sobald es die Augen geschlossen hat. In diesem Fall würde das Kind die Erfahrung machen, dass seine Bezugsperson in dem Moment „verschwindet“, in dem es nicht Acht gibt – wenig hilfreich für ein sicheres Einschlafen. Sich direkt und offensichtlich zu verabschieden, ist zu Beginn vermutlich schmerzhaft, aber das Kind lernt, dass die geliebte Person wiederkommt. So kann Vertrauen entstehen und das Kind muss nicht in ständiger Angst leben, dass eine geliebte Person plötzlich nicht mehr da ist.

 

Eltern können das mit einem Kind üben, indem sie sich jedes Mal, wenn sie aus dem Zimmer gehen, verabschieden, mitteilen, wohin sie gehen und, dass sie gleich wieder zurückkommen. Eine andere Situation, in der geübt werden kann, ist, wenn das Kind beispielsweise bei der Oma bleibt. Des Weiteren können Übergangsobjekte eine Trennung erleichtern. Ein Übergangobjekt ist ein vertrautes Objekt, das den Übergang von einer in eine andere Situation erleichtert. Dafür eignen sich Stofftiere, Stoffwindeln oder kleine Puppen. Jedenfalls etwas, das dem Kind vertraut ist, sich angenehm anfühlt und den Geruch von zu Hause trägt.

 

In Hinblick auf das Autonomiestreben des Kindes, die Fähigkeit, sich trennen zu können sowie die Privatsphäre der Eltern ist es sinnvoll, dass ein einjähriges Kind sein eigenes Bett zum Schlafen hat. Dadurch ist für alle Familienmitglieder klar, wo wessen Schlafplatz ist. Wird ein Kind nachts wach, kann versucht werden, es in seinem Bett wieder zu beruhigen.

 

Ein Grund, warum Kleinkinder in der Nacht aufwachen, weinen und nicht mehr einschlafen können, kann ein schlechter Traum sein. Kleinkinder können noch nicht zwischen Traum, Fantasie und Realität unterscheiden. Das bedeutet, dass das Erleben im Traum gleich wirklich ist wie Erlebnisse während des Tages. Wacht Ihr Kind in der Nacht verängstigt auf, dann trösten und beruhigen Sie es. Nehmen Sie es zu sich, stellen Sie Körperkontakt her, sagen Sie ihm, dass sie da sind und es keine Angst haben braucht. Manchmal kann es helfen, das Zimmer gemeinsam nach den bösen Geistern oder dem gefährlichen Tier abzusuchen, um festzustellen, dass wieder alles sicher ist. Wacht ein Kind über längere Zeit immer wieder auf, dann steckt vermutlich mehr dahinter als bloß ein böser Traum. In diesem Fall gilt es zu erkunden, was es einem Kind so schwierig macht, zu schlafen.

Die Schlafentwicklung im Kindergartenalter (3. bis 5. Lebensjahr)

Der Großteil der Kinder ab etwa drei Jahren kann schon gut alleine ein- und durchschlafen. Können Kinder das im Kindergartenalter noch nicht, ist es empfehlenswert, dies nun zu erlernen. Hilfreich und wohltuend beim Einschlafen ist ein immer wiederkehrendes Abendritual. Darüber hinaus ist es sinnvoll, den vergangenen Tag gemeinsam zu besprechen. So können die Erlebnisse des Tages Revue passieren und die Gedanken ordnen sich. Kindern, die sich im Dunkeln fürchten, hilft ein kleines Nachtlicht oder die Tür einen Spalt offen zu lassen. Auch jetzt kann es noch Phasen geben, in denen es notwendig ist, sich abends etwas mehr Zeit für das Kind und das zu Bett gehen zu nehmen. Eine weitere Ursache, dass Kinder nicht ins Bett gehen möchten, kann das Gefühl sein, von den Eltern ausgeschlossen zu sein. Das ist eine ganz normale Phase der kindlichen Entwicklung. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass sie es lieben und es zu Ihnen gehört, doch, dass sein Schlafplatz trotzdem nicht neben den Eltern ist. Mutter und Vater sind schließlich nicht nur ein Elternpaar, sondern auch ein Liebespaar. Das bedeutet, dass Kinder von gewissen Lebensbereichen der Eltern ausgeschlossen sind.

Kommen Kinder hin und wieder ins Bett der Eltern, ist das nicht ungewöhnlich. Nimmt dieses Verhalten jedoch von Nacht zu Nacht zu und passiert schließlich täglich, dann liegt es nahe, sich zu überlegen, warum ein Kind das macht und was es damit sagen möchte. Kinder machen das keinesfalls, um Eltern zu ärgern. Ein Kind möchte damit etwas ausdrücken, was ihm vermutlich im Moment nur auf diese Weise gelingt. Fühlt es sich vernachlässigt, kommt es mit einer Trennung nicht zurecht oder wird es durch Spannungen zu Hause wachgehalten? Gelingt es Ihnen nicht, dahinter zu kommen, kann es helfen, sich psychologisch beraten zu lassen.

Die Schlafentwicklung bei Schulkindern (ab dem 6. Lebensjahr)

Entwicklungsbedingte Schlafprobleme sind im Schulalter kein Thema mehr. Die Trennung von den Eltern stellt nun kein Problem mehr da. Im Gegenteil, viele Kinder möchten nun bei Freunden übernachten. Kritische Lebensereignisse wie der Schuleintritt oder die Trennung der Eltern können natürlich immer noch zu Problemen beim Ein- und Durchschlafen führen. Besprechen Sie im Rahmen des Abendrituals den Tag. Auf diese Weise werden Sie bestimmt erfahren, wenn Ihr Kind Sorgen hat. Es kann sein, dass Ihr Kind teilweise seine Ängste noch nicht in Worte fassen oder begreifen kann. In dem Fall ist es gut, wenn Sie diese Aufgabe für Ihr Kind übernehmen. Bezogen auf den Schulanfang könnte das sein: „Ich kann mir vorstellen, dass es dir ein bisschen Angst macht, in eine Klasse zu kommen, in der du niemand kennst. Das ist wirklich sehr aufregend.“  Auch das kann entlastend sein und vermittelt das Gefühl verstanden, gesehen und gehört zu werden. Schlafschwierigkeiten im Schulalter, die plötzlich und längerfristig auftreten, gilt es jedenfalls immer ernst zu nehmen!

Erste Hilfe & praktische Tipps

 für schlaflose Eltern

  • Ein Großteil der Eltern lebt in der Annahme, alles rund um das Thema Kinder, Pflege und Erziehung alleine lösen zu müssen. Die Erwartung an sich selbst, bestimmte Situationen ohne Hilfe bewältigen zu müssen, ist in unserer leistungsorientierten Gesellschaft weit verbreitet. Die beruhigende Botschaft ist, Sie müssen nicht alles alleine schaffen! Meist ist man in dieser Hinsicht viel zu streng mit sich selbst und bürdet sich etwas auf, das nicht sein muss. Nehmen Sie Unterstützung an oder bitten Sie darum, wenn Sie sich Unterstützung wünschen. Vielleicht ist es möglich, dass Ihr Kind hin und wieder bei der Oma übernachtet oder eine Freundin einen Babysitter-Dienst übernimmt, damit Sie etwas Freiraum und Zeit für sich haben.

  • Eine Möglichkeit, um ausgeruhter zu bleiben, ist sich mit dem Partner/der Partnerin beim Nachtdienst und/oder Frühdienst abzuwechseln, so kann zumindest jeder Elternteil jeden zweiten Tag gut schlafen.

  • Nützen Sie außerdem die Schlafphasen des Kindes, um sich selbst zu entspannen und zu erholen. Halten Sie einen Mittagsschlaf, nehmen Sie ein Bad, essen Sie in Ruhe, telefonieren Sie mit einer Freundin oder lesen sie etwas. Verwenden Sie die Schlafphasen des Kindes als Ruhezeit. Der Haushalt kann auch später oder abends gemeinsam mit dem Partner/der Partnerin erledigt werden. Eine weitere Option wäre, den Haushalt für einen gewissen Zeitraum von jemand anderem erledigen zu lassen.

  • Ein kurzer Spaziergang und etwas Frischluft können ebenfalls helfen, um sich zu entspannen und den Kreislauf in Schwung zu bringen. Es kann auch einfach gut tun, aus den eigenen vier Wänden zu kommen und eine veränderte Umgebung vorzufinden.

  • Nach einer schlaflosen Nacht können unterschiedliche Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Atemübungen, Meditationen oder Fantasiereisen helfen Spannungen abzubauen und Energie zu tanken. Spezielle ätherische Öle oder Kräutertees können ebenfalls zur Entspannung beitragen.

  • Schaffen Sie sich eine Schlafmöglichkeit, um auszuweichen, wenn Ihr Kind das Bett belagert und Sie aufgrund von Platzmangel nicht mehr gut schlafen können.

  • Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass diese (schlaflose) Lebensphase nicht ewig dauert und wieder vorbeizieht. Es wird die Zeit kommen, in der Sie wieder besser und mehr schlafen können!

  • Versuchen Sie die Situation, so unangenehm sie auch ist, aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und sich zu fragen: Was kann ich aus der Situationen lernen? Was funktioniert gut und soll darum so bleiben, wie es ist? Worüber kann ich mich glücklich schätzen?

Als Basis für diesen Artikel wurde die folgende Literatur verwendet:

 

Rankl, C. (2011). Endlich durchschlafen. Schlafprobleme verstehen und lösen. Ostfildern: Patmos.

 

Spiegelhalder, K., Backhaus, J., & Riemann, D. (2011). Basiswissen über den Schlaf und Störungstheorien. In K. Spiegelhalder, J. Backhaus, & D. Riemann, Schlafstörungen (S. 12-24). Göttingen, Bern: Hogrefe.