Wenn Kinder in der Schule unfair behandelt werden
Wenn ein Kind erzählt, dass es sich in der Schule von einer Lehrerin oder einem Lehrer ungerecht behandelt fühlt, löst das bei vielen Eltern Sorgen, Ärger oder auch Hilflosigkeit aus. Vielleicht berichtet das Kind davon, im Unterricht regelmäßig übersehen zu werden, bei Fragen keine Chance zu bekommen, seine Meinung zu äußern, oder es hat das Gefühl, die Lehrkraft würde es besonders streng oder ablehnend behandeln. Manchmal äußert sich Unfairness auch in Form von wiederholt schlechten Noten, die das Kind nicht nachvollziehen kann, spitzen Bemerkungen vor der Klasse oder mangelnder Unterstützung bei Schwierigkeiten.
Solche Erfahrungen können für Kinder sehr belastend sein und das Vertrauen in die Schule und die eigenen Fähigkeiten erschüttern. Als Eltern stehen Sie dann vor der Herausforderung, angemessen zu reagieren: Sie möchten Ihr Kind schützen und stärken, aber auch sicherstellen, dass die Situation sachlich geklärt und im Sinne aller Beteiligten gelöst wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie Sie am besten vorgehen, welche Gespräche sinnvoll sind und wie Sie Ihr Kind dabei unterstützen können, mit der Situation umzugehen.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen können, wenn Ihr Kind von unfairer Behandlung durch eine Lehrkraft betroffen ist. Sie erhalten praktische Tipps, wie Sie Ihr Kind emotional stärken, welche Ansprechpartner:innen in der Schule zur Verfügung stehen und welche weiteren Möglichkeiten Sie haben, um die Situation zu verbessern.
Das Gespräch mit dem Kind suchen
Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu und nehmen Sie seine Schilderungen ernst, auch wenn Sie nicht sofort alles nachvollziehen können. Zeigen Sie Verständnis für seine Gefühle und vermitteln Sie, dass es mit seinen Sorgen zu Ihnen kommen kann und seine Sorgen ernst genommen werden.
Lassen Sie sich die Situation genau schildern. Fragen Sie nach, was genau passiert ist, wie oft es vorkommt, wie Ihr Kind sich dabei fühlt und ob es Zeug:innen gibt. Sagen Sie z.B. „Ich verstehe, dass dich das traurig oder wütend macht.“ Das gibt Ihrem Kind Rückhalt.
Situationen Dokumentieren
Kinder nehmen Situationen manchmal anders wahr als Erwachsene. Versuchen Sie, zwischen objektiven Fakten und subjektiven Eindrücken zu unterscheiden. Halten Sie die Vorfälle schriftlich fest mit Datum, Uhrzeit, den beteiligten Personen, Inhalt des Geschehenen. Fragen Sie Ihr Kind, ob Mitschüler:innen oder andere Erwachsene anwesend waren und wie diese die Situation erlebt haben. Gibt es Nachrichten, E-Mails oder Einträge im Mitteilungsheft, die die Situation belegen?
Das Kind stärken und Selbstbewusstsein fördern
Machen Sie Ihrem Kind klar, dass eine ungerechte Behandlung nicht seine Schuld ist und üben Sie mit Ihrem Kind, wie es ruhig und sachlich auf ungerechte Behandlung reagieren kann, z.B. „Ich finde das unfair, weil …“ oder „Können wir das bitte klären?“ Erinnern Sie Ihr Kind auch an frühere Situationen, in denen es Schwierigkeiten gemeistert hat. Das gibt Mut. Erklären Sie auch, dass nicht jede Kritik persönlich gemeint ist, aber auch nicht alles hingenommen werden muss.
Gespräch mit der Lehrkraft suchen
Missverständnisse lassen sich in vielen Fällen bereits im direkten Gespräch mit der Lehrerin oder dem Lehrer klären. Bitten Sie vorab höflich um einen Gesprächstermin, damit ausreichend Zeit für das Anliegen bleibt. Notieren Sie Ihre Fragen und Anliegen vorab, um im Gespräch nicht den Faden zu verlieren. Kommen Sie, wenn möglich, zu dritt, denn bei schwierigen Gesprächen ist es manchmal hilfreich, wenn beide Elternteile dabei sind oder eine weitere Vertrauensperson dabei ist. Gerade jüngere Kinder können sich oft selbst nicht so gut ausdrücken. Übernehmen Sie das Gespräch, aber lassen Sie Ihr Kind auch zu Wort kommen, wenn es das möchte.
Auch wenn Sie verärgert sind, vermeiden Sie im Gespräch Anschuldigungen („Sie machen mein Kind fertig!“), sondern formulieren Sie Ich-Botschaften („Mir ist aufgefallen, dass …“). Hier ist es ratsam, auch konkrete Beispiele zu nennen. Machen Sie deutlich, was konkret vorgefallen ist und bleiben Sie dabei bei den Fakten.
Fragen Sie die Lehrkraft, wie eine Verbesserung der Situation aussehen könnte, und bringen Sie gegebenenfalls eigene Vorschläge ein. Oft können an dieser Stelle schon erste Lösungsideen gesammelt werden und mögliche Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.
Halten Sie die besprochenen Punkte schriftlich fest. Das hilft bei weiteren Schritten. Vereinbaren Sie außerdem einen Folgetermin, um den weiteren Verlauf zu besprechen.
Weitere Ansprechpartner in der Schule
Wenn das Gespräch mit der Lehrperson jedoch zu keiner Besserung führt oder Sie sich nicht ernst genommen fühlen, gibt es weitere mögliche Schritte:
Nehmen Sie Kontakt zum Klassenvorstand oder einer Vertrauenslehrerin oder einem Vertrauenslehrer in der Schule auf. Diese Person kann vermitteln und unterstützen.
Schulpsycholog:innen sind Fachkräfte, die speziell für Konflikt- und Belastungssituationen geschult sind und das Kind regelmäßig begleiten können.
Beim Elternverein können Sie sich Rat holen und sich gegebenenfalls mit anderen betroffenen Eltern austauschen. Gibt es weitere Probleme mit der Lehrperson? Oft kann es helfen, wenn sich Eltern zusammentun und gemeinsam das Problem schildern, um sich mehr Gehör zu verschaffen.
Bei schwerwiegenden oder wiederholten Problemen ist die Schulleitung der richtige Ansprechpartner. Sie ist verpflichtet, Beschwerden ernst zu nehmen und zu prüfen.
Rechtliche Schritte und externe Unterstützung
Wenn die Probleme weiterhin bestehen oder es sich um besonders gravierende Fälle handelt (z.B. Diskriminierung, Mobbing, körperliche oder seelische Gewalt), können Sie sich an folgende Stellen wenden:
Bildungsdirektion: Die Bildungsdirektion gibt es in jedem Bundesland, sie ist die übergeordnete Anlaufstelle für Beschwerden und Konfliktfälle.
Ombudsstelle für Schüler:innen und Eltern: Hier erhalten Sie unabhängige Beratung und Unterstützung.
Kinderschutzorganisationen: Bei Verdacht auf Gewalt oder massive psychische Belastung stehen Ihnen die Kinder- und Jugendanwaltschaft zur Verfügung.
Was tun, wenn das Kind nicht mehr zur Schule gehen möchte?
Wenn es Konflikte mit Lehrkräften gibt, kann das zu Schulangst und Schulverweigerung führen. Zwingen Sie Ihr Kind nicht einfach, alles auszuhalten. Suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.
Folgende Anlaufstellen können unterstützen:
Schulpsychologische Beratung und Psychotherapie: Nutzen Sie das schulpsychologische Angebot, um Ihr Kind zu unterstützen oder organisieren Sie Psychotherapie für das Kind, wenn es unter der Situation leidet.
Klassen- oder Schulwechsel: In besonders schweren Fällen kann ein Wechsel die beste Lösung sein, dies sollte aber gut abgewogen werden.
Unfaire Behandlung durch Lehrkräfte ist ein ernstes Thema, das mit viel Fingerspitzengefühl behandelt werden sollte. Eltern sind gefordert, sowohl ihr Kind zu stärken als auch den Dialog mit der Schule zu suchen.
Bleiben Sie beharrlich, aber respektvoll und holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie allein nicht weiterkommen. So zeigen Sie Ihrem Kind, wie wichtig Selbstachtung, Respekt und konstruktive Problemlösung sind.
Online Videoberatung
Sie haben noch Fragen haben oder wollen Ihre persönliche Situation besprechen?
Melden Sie sich bei uns! Ein Gespräch kann Klarheit und Entlastung bringen.
/https://cdn.elternseite.at/uploads/production//5f7189b809508d3337d7a0ad/unfaire_behandlung_schule.png)
/https://cdn.elternseite.at/uploads/production//5f7189b809508d3337d7a0ad/profilbild_anonym.png)
/https://cdn.elternseite.at/uploads/production//5f7189b809508d3337d7a0ad/gespraech_sohn_vater.jpg)
/https://cdn.elternseite.at/uploads/production//5f7189b809508d3337d7a0ad/haende_schuetteln.jpg)