Mutter und Kind am Strand Bildausschnitt ohne Gesichter
Medienerziehung
03. Feb. 2023 (Zuletzt aktualisiert am 04. Mai 2026)
·
4 Minuten Lesezeit

Was Eltern bedenken sollten, wenn sie Kinderfotos online posten

Geschrieben von:
Alles klar?! Ein digitales Aufklärungsprojekt
Alles klar?! Ein digitales Aufklärungsprojekt
Fachlicher Input von:
BB
Barbara Buchegger
Artikelinfo:

Warum es wichtig ist, Kinder einen überlegten Umgang mit ihren Bildern zu vermitteln und was Sie als Eltern dazu beitragen können, lesen Sie hier. 

Es ist verständlich, dass Eltern den Wunsch haben, die Fotos ihrer Kinder mit Familie und Freund:innen zu teilen.  Wenn aber Kinder vom ersten Moment an, dauernd fotographisch festgehalten werden – in jeder Lebenslage und Situation – gewöhnen sie sich daran, dass es etwas ganz Normales ist, fotografiert zu werden. Egal wie man gerade aussieht, wie es einem gerade geht, was man gerade tut, ob man gerade nackt ist oder nicht.

  • Poste ich Fotos von meinen Kindern in Social Media? 
  • Hole ich das Einverständnis von meinem Kind ein, bevor ich ein Foto von ihm poste?

Wir wollen Sie mit den Reflexionsfragen einladen, über Ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle nachzudenken. So können Sie die Situation Ihres Kindes besser verstehen. Aber auch eigene, vielleicht einschränkende, Einstellungen und Haltungen hinterfragen. 

 

Wählen Sie einen ruhigen Moment an einem Ort, wo Sie sich ungestört fühlen. Nehmen Sie Zettel und Stift zur Hand. Notieren Sie Ihre Gedanken zu den Fragen.

Wenn Fotos so normal und selbstverständlich sind und ein "Nein" nie erfragt oder respektiert wird, wie sollen Kinder einen kritischen Umgang lernen?

Häufig kritisieren Eltern ihre (jugendlichen) Kinder, wenn sie Nacktfotos verschickt haben. Eltern legen jedoch mit ihrem Verhalten eine wichtige Basis für ihre Kinder, wie sie später mit der Veröffentlichung von Fotos umgehen. Z.B., ob sie einmal unüberlegt Nacktbilder versenden werden oder nicht. 

Deepfakes: Wenn aus Kinderfotos täuschend echte Fälschungen werden

Vielleicht haben Sie den Begriff „Deepfakes“ schon einmal gehört und sich gefragt, was genau dahintersteckt. Deepfakes sind von künstlicher Intelligenz (KI) erstellte oder manipulierte Bilder, Videos oder Audiodateien. Mithilfe moderner Technologien werden dabei bestehende Aufnahmen so verändert oder neu zusammengesetzt, dass Personen scheinbar Dinge tun oder sagen, die in Wirklichkeit nie passiert sind und das meist täuschend echt.

 

Was viele überrascht: Oft reichen bereits wenige Fotos aus, damit Programme Gesichter erkennen und realistisch nachbilden können.

 

Für viele Eltern sind Fotos vor allem schöne Erinnerungen an gemeinsame Momente. Im Internet können sie jedoch weit mehr sein – nämlich die Grundlage für Manipulationen. Moderne KI-Systeme analysieren Gesichter, Mimik und Perspektiven, um daraus neue, glaubwürdige Inhalte zu generieren.

 

Besonders Kinderfotos werden oft unbeschwert geteilt, etwa um Familie und Freunde an besonderen Momenten teilhaben zu lassen. Genau das macht sie jedoch anfällig: Selbst harmlose Alltagsbilder können von KI genutzt werden, um neue Inhalte zu erstellen.

 

Die Risiken gehen dabei über das bloße Teilen hinaus. Bilder können so verändert werden, dass Kinder in unangemessene oder peinliche Situationen versetzt werden – etwa durch sogenannte „Deepnudes“, bei denen Kleidung digital entfernt wird.  Solche manipulierten Inhalte können für Cybermobbing genutzt, in Fake-Profilen verbreitet werden oder zur Herstellung sexualisierter Inhalte genutzt werden. Für Kinder bedeutet das oft einen großen Kontrollverlust, denn ihr Bild taucht im Internet plötzlich in Zusammenhängen auf, die sie nie selbst gewählt haben.

 

Oft wird das Risiko unterschätzt: Viele gehen davon aus, dass das eigene Kind kein Ziel für solche Manipulationen ist. Doch die technischen Möglichkeiten sind heute leicht zugänglich und erfordern kaum Fachwissen. Jedes öffentlich geteilte Foto kann betroffen sein.

Frau mit Kind ohne das Gesicht zu sehen

Wie können Eltern ihre Kinder schützen?

  • Nicht alles auf Fotos dokumentieren!

  • Kinder schon sehr früh (ab 2-3 Jahren) fragen, ob es ok ist, wenn ein Foto von ihnen gemacht wird. Und auch nachfragen, ob das Foto weitergegeben werden darf!

  • Respektieren Sie, wenn Ihr Kind möchte, dass Bilder gelöscht werden!
  • Keine Bilder bzw. Informationen veröffentlichen, die Ihr Kind bloßstellen oder herabwürdigen oder seine Intimsphäre verletzen (Achtung also z.B. bei Nacktfotos; Vermeiden Sie familieninterne Informationen wie Beziehungsstatus oder den letzten Familienstreit). Überlegen Sie auch für sich, ob es Ihnen angenehm wäre, wenn jemand anderer dieses Foto von Ihnen hätte.
  • Bedenken Sie, dass jetzt veröffentlichte Informationen auch noch Jahre später für Ihre Tochter oder Ihren Sohn relevant sein können.
Bildausschnitt ohne Gesicht von Mutter und Kind die mit Malfarben malen
  • Beim Weitergeben von Fotos darauf achten, wo man das tut. Wenn Sie beispielweise ein Foto in Facebook posten, erteilen Sie dem sozialen Netzwerk ein Nutzungsrecht. Sobald das Foto veröffentlicht ist, hat man keine Kontrolle mehr, was damit passiert. Facebookbilder aus Elterngruppen wurden beispielsweise schon auf pornographischen Seiten in anderem Kontext gefunden, wo die Bilder nicht mehr harmlos wirkten.
  • Am besten nur im Messenger, über Whatsapp oder noch besser auf datensicheren Messengern wie Signal ausgewählten Personen schicken. Alternativ dazu können Sie auch Filehosting-Dienste wie z. B. Dropbox, OneDrive, Google Drive verwenden.
  • Wenn man trotzdem unbedingt auf Facebook ein Bild vom eigenen Kind haben möchte, unbedingt darauf achten, dass man keine Gesichter sieht, das Kind nicht ganz sieht und auch niemand erkennen kann, wer die Kinder sind. Sie können z.B. auch ein Emoji oder einen Sticker über das Gesicht des Kindes legen.
  • Vermeiden Sie persönliche Angaben wie Wohnadresse oder den vollen Name bei Fotos, die Sie posten. Wussten Sie, dass beim Fotografieren, vor allem mit Smartphones, der Entstehungsort gespeichert wird? Diese Information sollte in den Einstellungen deaktiviert werden können. 
  • Gibt es Fotos von meinen Kindern auf Social Media, auf denen sie leicht bekleidet oder nackt sind?
  • Wie alt war Ihr Kind, als das erste Foto von ihm oder ihr gepostet wurde?

Gut zu wissen: Safer Internet hat Infos zur Rechtslage und zum Recht am eigenen Bild zusammengestellt.

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