Sexualität
08. Feb. 2021
·
5 Minuten Lesezeit

Online-Gefahr Cyber-Grooming

Ein Beitrag von:
Katharina Wurnig
Katharina Wurnig
Artikelinfo:

Beim Grooming erschleichen sich (meist männliche) Erwachsene das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen mit dem Ziel der sexuellen Belästigung bis hin zum sexuellen Missbrauch. Lesen Sie hier, wie Aufklärung und klare Regeln helfen können, Ihr Kind zu schützen. 

Die Gefahr sexueller Belästigung ist eine der Kehrseiten von sozialen Netzwerken und Chats. Es kann zu unerwünschten "Anmachversuchen" durch Gleichaltrige, Aufforderungen, Nacktfotos von sich zu schicken bis zum „Grooming“ kommen. Beim Grooming erschleichen sich (meist männliche) Erwachsene das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen mit dem Ziel der sexuellen Belästigung bis hin zum sexuellen Missbrauch. Grooming ist seit 1.1.2012 strafbar.

Die Strategien der Täter sind kaum zu durchschauen. Manchmal geben sich als gleichaltrig aus, manchmal verbergen sie gar nicht, dass sie bereits erwachsen sind.

Kommt die Wahrheit heraus – etwa, dass hinter einem vermeintlich 14-jährigen ein erwachsener Mann steckt – wissen viele Jugendliche nicht, was sie tun sollen. Viele Täter reagieren auf Versuche, den Kontakt abzubrechen, mit Erpressung. Jugendliche vertrauen sich oft keinem an, aus Angst vor Vorwürfen (z. B. „Ich habe dir doch gesagt, dass das gefährlich ist.“) und Verboten.

Aufklärung und klare Regeln schützen Ihr Kind.

  • Informieren Sie Ihr Kind, wie einfach es ist, sich im Internet als jemand anderes auszugeben. Vermitteln Sie ein Grundmisstrauen gegenüber Personen, die nicht auch aus dem offline Leben bekannt sind. Weisen Sie darauf hin, dass verschickte Fotos gefälscht sein können. 

  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie man die Identität des Gegenübers überprüfen kann. Das geht relativ unkompliziert. Ihr Kind soll das Gegenüber auffordern, ein Selfie mit einem eindeutigen Merkmal zur Identifizierung zu schicken. Z. B. mit einem Zettel in der Hand, auf dem #itsme steht oder etwas anderes, was die Person direkt in dem Moment anfertigen müsste. Bekommt man innerhalb kurzer Zeit das gewünschte Bild, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Kind auch tatsächlich mit der Person schreibt, die am Foto zu sehen ist und kein krimineller Erwachsener das Gegenüber ist.

  • Vereinbaren Sie, dass persönliche Daten wie Telefonnummer, Adresse, Urlaubsort, Sportverein und Schulanschrift nicht im Netz bekannt gegeben werden dürfen!

  • Legen Sie fest, dass Treffen mit Internetbekanntschaften ausschließlich an einem öffentlichen Ort stattfinden dürfen, z. B. in einem Café, Kinokomplex, dort, wo Personen fix angestellt sind. Ein Park ist für Jugendliche ein öffentlicher Ort, er eignet sich aber nicht für ein erstes Treffen mit einer Online-Bekanntschaft. Bestehen Sie darauf, dass sich Ihr Kind nach einer bestimmten Zeit bei Ihnen meldet, um mitzuteilen, ob alles in Ordnung ist. Verbieten Sie solche Treffen nicht generell, sonst werden sie häufig heimlich organisiert – ohne Schutzmöglichkeiten!

  • Bieten Sie an, das Treffen unauffällig zu begleiten. Sie können z. B. ein paar Tische weiter den Beginn des Treffens beobachten. Wenn das Kind ein Zeichen gibt, das alles in Ordnung ist, können Sie sich beruhigt zurückziehen.

  • Wendet sich Ihr Kind nach einer unangenehmen Erfahrung vertrauensvoll an Sie, dann loben Sie es dafür. Machen Sie dem Kind keine Vorwürfe, denn dann scheiden Sie als AnsprechpartnerIn zukünftig aus. Überlegen Sie gemeinsam, was weiter geschehen und wie man sich in Zukunft besser schützen kann.

Erste Schritte im Fall von Grooming

  • Groomer*in verbal vertreiben durch Sätze wie: „Was Sie machen ist strafbar, ich habe alles gespeichert.“

  • Beweise sichern, z. B. durch Screenshots.

  • Groomer*in sofort an die Betreiber des Chats, sozialen Netzwerkes melden und für das Kind blockieren.

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