Krisen
05. Sep. 2022
·
7 Minuten Lesezeit

Hilfe, mein Kind leidet an Panikattacken

Geschrieben von:
Silvie Haring
Silvie Haring
Artikelinfo:

Bei einer Panikattacke bekommt man plötzlich sehr große Angst, die zu starken körperlichen Symptomen führt. Von Panikstörung spricht man, wenn Panikattacken regelmäßig über einen längeren Zeitraum auftreten. Lesen Sie hier, was Sie als Eltern tun können, wenn Ihr Kind betroffen ist. 

Angst gehört zum Leben dazu. Es ist ein normales Gefühl, das uns in Gefahrensituationen schützt.


Manchmal jedoch nimmt die Angst überhand, tritt nicht mehr nur dann auf, wenn Gefahr besteht, sondern beginnt den Alltag zu überschatten.

 

Das kann bei Kindern wie bei Erwachsenen passieren. 

Was sind Symptome einer Panikattacke?

Bei einer Panikattacke bekommt man plötzlich eine sehr große Angst. Diese Angst führt zu körperlichen Beschwerden wie z.B. Herzrasen, das Gefühl zu ersticken, Schmerzen in der Brust, Schluckbeschwerden, trockener Mund, Übelkeit oder die Betroffenen schwitzen, zittern usw.


Da es sich um starke körperliche Symptome handelt, die sehr plötzlich einsetzen können, erkennen Betroffene häufig nicht, dass es sich eigentlich um Panik handelt. Sie bekommen Angst, zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden. Manchmal fühlt sich auch das Umfeld unwirklich oder fremd an. Man kann das Gefühl haben, neben sich zu stehen.

Wichtig zu wissen: Nach einiger Zeit beruhigt sich das Nervensystem wieder und die Angst lässt nach. Meistens dauern Panikattacken wenige Minuten bis zu einer halben Stunde, in seltenen Fällen auch länger.  

was ist der unterschied zwischen panikattacke und panikstörung? 

Bei einer Panikstörung treten Panikattacken regelmäßig über einen längeren Zeitraum auf. Für die Attacken gibt es meist keinen konkreten Auslöser.

 

Für die Betroffenen stellen die Beschwerden eine große Belastung dar. Häufig versuchen die Betroffenen Situationen, die sie mit ihrer Angst verknüpft haben, zu vermeiden. Beispielweise könnte Ihnen auffallen, dass Ihr Kind beginnt, bestimmte Aktivitäten wie den Schulbesuch, die Fahrt ins Einkaufszentrum oder das Autofahren zu vermeiden. 

in welchem alter treten panikattacken auf?

Panikattacken treten in der Regel im Jugendalter oder im Erwachsenenalter auf. Bei jüngeren Kindern sind Panikattacken etwas Seltenes. Gerade bei jüngeren Kindern können die Symptome heftiger ausfallen und sich hier auch beispielweise durch Schreien, Weinen und Hyperventilation zeigen. 

was sind die ursachen für panikattacken?

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind an Panikattacken leidet, lassen Sie zunächst abklären, ob es körperliche Ursachen gibt, die zu den Beschwerden führen können, z.B. Allergien, Herzbeschwerden, Schilddrüsenprobleme. Auch z.B. Asthma kann Panikattacken auslösen.  


Sollten keine körperliche Ursachen die Panik ausgelöst haben, ist es nicht immer leicht, herauszufinden, was die Panikattacke verursacht hat. Vermehrter Stress oder starke Belastungen können Panikattacken fördern. Auch die Einnahme von bestimmten Drogen kann zu Panikattacken führen (wie Ecstasy, LSD, Kokain).

Panikattacken können sich zudem bei sämtlichen Angststörungen begleitend zeigen. Beispielweise wenn das Kind an starker Trennungsangst leidet oder wenn es eine Phobie hat. 

Wie kann ich mein Kind unterstützen?

Wenn das eigene Kind an Panikattacken leidet, löst das bei vielen Eltern große Hilflosigkeit und Überforderung aus. Die meisten Eltern empfinden auch Angst und fühlen sich in der Situation ratlos. 


Wir möchten Ihnen ein paar Impulse geben, wie Sie ihr Kind unterstützen können. Das sollten Sie im Zusammenleben mit Kindern, die mit Panikattacken kämpfen, beachten:

 

  • Wichtig ist, Angst ernst zu nehmen und nicht herunter zu spielen. Hier zeigen sich Aussagen wie „Das ist ja nicht so schlimm“, „Wegen so was brauchst du doch keine Angst haben“ als wenig hilfreich.
  • Weiters ist es hilfreich, sein Kind darüber aufzuklären, dass es sich bei den Symptomen um eine Panikattacke handelt. Das Wissen darüber, nicht zu sterben oder verrückt zu werden, ist sehr entlastend.  Beobachten Sie beim Wiederauftreten von Panik, welche Anzeichen es dafür gibt. Überlegen Sie, was dann konkret hilft. Wenn Ihr Kind weiß, wie sich eine Panikattacke ankündigt und was es zur Beruhigung tun kann, können die Anzeichen anders eingeordnet und im besten Fall gegengesteuert werden.
  • Haben Sie allgemein ein offenes Ohr für die Probleme und Belastungen Ihres Kindes. Überlegen Sie gemeinsam Bewältigungsmöglichkeiten.
  • Kommen Sie mit Ihrem Kind darüber ins Gespräch, ob es Dinge gibt, die das Auftreten von Panikattacken lindern bzw. was diese fördert. Wenn Kinder an Panikattacken leiden, ist beispielweise das Trinken von aufputschenden Getränken wie Energydrinks oder Kaffee abzuraten. Denn diese kurbeln das Herz-Kreislaufsystem an (auch wenn verzichten immer schwer ist, versuchen Sie hier, eine gute Lösung zu finden!).
  • Regelmäßige Entspannung im Alltag hilft den allgemeinen Grad an Anspannung und Stress zu senken. Hier können z.B. Sport, Yoga, Fantasiereisen oder Progressive Muskelentspannung hilfreich sein.
  • Vermitteln Sie Ihrem Kind Zuversicht, dass es die Probleme in den Griff bekommen kann.

wie kann ich während einer panikattacke helfen?

  • Machen Sie sich und dem Kind bewusst, dass es sich um eine Panikattacke handelt und sich die Beschwerden im Normalfall nach einigen Minuten wieder legen werden.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind bereits vorab, dass Atemübungen bei Panikattacken hilfreich sein können. Wenn Ihr Kind eine Attacke in Ihrer Gegenwart erleidet, können Sie es auch dabei anleiten. Bei Angst neigt man dazu eher schnell und flach zu atmen, was die Symptome für gewöhnlich verschlimmert. Ruhiges Atmen hilft dabei, sich zu entspannen. Man kann z.B. darauf achten, länger auszuatmen als einzuatmen (z.B. indem man beim Einatmen bis 3 zählt und beim Ausatmen bis 5 zählt).
  • Bei einer Panikattacke neigt man dazu, sehr auf seine körperlichen Symptome zu achten und vielleicht bestimmte Dinge überzubewerten (z.B. wenn das Herz schnell schlägt, Angst vor einem Herzinfarkt zu bekommen). Hier können Ablenkungstechniken hilfreich sein z.B. Musik hören, am Handy spielen, Filme schauen, von 100 rückwärts zählen.
  • Lassen Sie sich nicht selbst von der Angst Ihres Kindes anstecken und vermitteln Sie ihm, dass es die Situation gut bewältigen kann.
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hilfe holen

Bei einer Panikstörung ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Suchen Sie in einem ruhigen Moment das Gespräch und sprechen Sie, ohne die Dinge zu übertreiben oder herunterzuspielen, über Ihre Beobachtungen und welche Sorgen damit verknüpft sind. Unterstützen Sie das Kind, psychologische oder psychotherapeutische Hilfe annehmen zu können. 


Auch eine Beratung für die Eltern kann hilfreich sein.

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