Krisen
15. März 2022
·
7 Minuten Lesezeit

Wenn Kinder Angst (vor dem Krieg) haben... Tipps & Hilfe für Eltern

Geschrieben von:
Silvie Haring
Silvie Haring
Katharina Wurnig
Katharina Wurnig
Artikelinfo:

Der Krieg in der Ukraine macht vielen von uns Angst. Wie geht es Kindern damit und wie kann man überhaupt erkennen, ob das eigene Kind unter Ängsten leidet? Warum Angst zum Leben gehört und wie man Kinder im Umgang mit Ängsten unterstützen kann. 

Ängste sind etwas Normales und gehören zum Leben dazu. Sie schützen vor Gefahren – z.B. ist die Angst vor einem Löwen etwas sehr Sinnvolles, denn sie kann das eigene Leben retten.

Ängste sind nicht grundsätzlich negativ.

Als Elternteil hegt man den gut verständlichen Wunsch, sein Kind vor allem Leid zu bewahren. Trotzdem sollte man im Hinterkopf haben, dass dies nicht realistisch gelingen kann. Umgekehrt ist es eine wichtige Entwicklungschance, mit den eigenen Ängsten umgehen zu lernen. Versuchen Sie daher, Ihr Kind zu stärken und zu unterstützen, damit es seinen Ängsten nicht hilflos ausgeliefert ist.

welche
arten von angst

gibt

es?

Entwicklungsbedingte Ängste

Diese Ängste treten in einem gewissen Alter auf, gehören zu dieser Entwicklungsphase und verschwinden meist wieder von alleine. 
Beispiele:
Fremdeln
Das Fremdeln, dass mit ca. acht Monaten einsetzt.

Dabei verhält sich das Kind ängstlich oder abweisend gegenüber fremden Personen.

Vernichtungsängste
Ab dem dritten Lebensjahr vermischt sich die Phantasie des Kindes stark mit der Realität („magische Phase“).

Begleitend können Vernichtungsängste auftreten, bei denen das Kind Angst hat, dass es selbst oder Bezugspersonen verletzt oder zerstört zu werden. Beispielweise äußern Kinder hier Angst vor Monstern, Hexen oder Drachen.

Versagensängste
Im Grundschulalter stehen oft Versagensängste im Vordergrund.

Das Kind hat Angst, in Bereichen, die ihr oder ihm wichtig sind, nicht zu bestehen. Das kann zum Beispiel in der Schule sein oder beim Sport.

umweltbedingte ängste

Umweltbedingte Ängste
 werden durch eine konkrete Ursache ausgelöst.

Beispiele hierfür sind, wenn sich Lebensumstände verändern, etwa durch die Geburt eines Geschwisterchens oder die Trennung der Eltern, aber auch durch Gefahren wie Kriege oder Terrorangriffe.

Wie spricht man mit Kindern über beängstigende Ereignisse?

Bei Ängsten, die durch ein reales belastendes oder bedrohliches Ereignis ausgelöst sind (wie die Trennung der Eltern, eine schwerere Erkrankung eines Familienmitglieds, ein Terroranschlag oder ein Krieg) ist man als Erwachsener oft selbst betroffen oder belastet davon.

 

Auch wenn Sie nicht darüber sprechen, spürt das das Kind oder es kann auch außerhalb der Familie Thema sein.

 

Daher ist es wichtig, dass Sie zuerst sich selbst beruhigen und dann erst mit dem Ihrem Kind sprechen. Fragen Sie Ihr Kind, was es bereits mitbekommen hat. Informieren Sie Ihr Kind mit einfachen Worten, versuchen Sie sich dabei an dem Wortschatz und Ausdruck des Kindes anzupassen. Umso jünger das Kind ist, desto weniger detailreich muss die Information sein. Versuchen Sie, die Fragen Ihres Kindes zu beantworten und achten Sie bei Ihren Erzählungen darauf, dass Sie die Dinge nicht beschönigen aber auch nicht dramatisieren.

Was sind anzeichen für kindliche ANgst?

Nicht immer kann das Kind offen sagen, dass es Angst hat. Gerade kleineren Kindern fällt es oft noch schwer, ihre Gefühle zu benennen.

 

Mögliche Formen, wie sich die Ängste bei Kindern zeigen, sind beispielweise:

  • Vermehrte Unruhe: z.B. kann das Kind sehr zappelig sein. Oder es will im einen Moment das eine und im nächsten Moment etwas anderes.

  • Aggressives Verhalten: es werden z.B. Spielsachen zerstört oder das Kind kann reizbar sein oder sehr trotzig sein.

  • Regressives Verhalten (d.h. das Zurückfallen auf eine frühere Entwicklungsstufe): z.B. wollen manche Kinder plötzlich wieder das Kuscheltier mit in den Kindergarten nehmen, wieder im Bett der Eltern schlafen oder gefüttert werden.

  • Rückzug: z.B. möchte das Kind weniger rausgehen und mit anderen spielen oder es möchte plötzlich nicht in den Kindergarten gehen.

  • Vermehrtes Weinen.

  • Körperliche Beschwerden: es können z.B. Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen auftreten oder Probleme wie Neurodermitis können sich durch den verursachten Stress verstärken.

  • Bedrückt sein: Dies äußert sich z.B. in einer traurigen Grundstimmung oder darin, viele Sorgen zu äußern.

  • Plötzlich wiederauftretende Verlustängste: dies könnte sich z.B. durch vermehrtes Fragen zeigen wie z.B. „Wo gehst du hin?“ oder „Wann kommst du wieder?“.

In Krisenzeiten ist es nicht ungewöhnlich, dass diese Ausdrucksformen vorübergehend verstärkt auftreten.

Für das Kindesalter sind das normale und wichtige Möglichkeiten, wie sich Ängste ausdrücken können. Wenn allerdings eine gewisse Häufigkeit und ein Ausmaß überschritten wird und sie zur Belastung für Kind und Familie werden, ist es gut, professionelle Hilfe zu holen.

wie eltern ihre kinder bei ängsten unterstützen können

Darauf sollten 

Sie achten:

  • Auch wenn wir nicht immer verstehen, was im eigenen Kind vorgeht: Es ist wichtig, dem Kind mit Mitgefühl zu begegnen und seine Sorgen ernst zu nehmen. Machen Sie Ihr Kind nicht lächerlich, spielen Sie Sorgen nicht herunter (durch Äußerungen wie „Das ist doch nicht so schlimm“) und drohen Sie nicht mit Strafen.

  • Versuchen Sie, Fragen wie „Warum hast du Angst?“ zu vermeiden. Kinder können oft keine (logische) Erklärung bieten und es besteht die Gefahr, dass sich das Kind beschämt fühlt oder sich verschließt. Eventuell können sie stattdessen über ihre eigenen Erfahrungen sprechen („Als ich ein Kind war, hatte ich vor … Angst.“). Dadurch könnte sich auch die Möglichkeit ergeben, mit dem Kind ins Gespräch zu kommen und Sie können ein Bild geben, wie man die Schwierigkeiten bewältigen konnte. 

  • Lassen Sie Ihr Kind nicht mit seinen Ängsten allein, versuchen sie es zu beruhigen und ihm Sicherheit und Zuversicht zu geben.

  • Strukturen und Rituale bieten Kindern Sicherheit und Halt.

bei der
angst-bewältigung

unterstützen: 

Versuchen Sie nicht, Ihrem Kind das Vorhandensein von Monstern o.ä. auszureden oder ihm seine Schmerzen abzusprechen, denn sie sind in diesem Moment für das Kind real!

 

Für den Umgang mit Ängsten gibt es auch kein Patentrezept. Oft braucht es auch Zeit, bis sich ein für Ihr Kind passender Weg findet. Versuchen Sie, Ihrem Kind geduldig beizustehen.

 

Hier ein paar Beispiele, wie Sie Ihr Kind unterstützen können:

  • Beziehen Sie Ihr Kind ein und überlegen Sie gemeinsam was helfen kann - Kinder haben hier oft tolle Ideen! Beispielweise kann das Monster unter dem Bett möglicherweise durch einen Monsterspray oder ein Stoppschild vertrieben werden

  • Kinder schlüpfen auch gerne in andere Rollen und tun so, als wären sie jemand oder etwas anderes. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die Ängste im Spiel zu bearbeiten. Man kann den Bösewicht fangen oder selbst in dessen Rolle schlüpfen und sich dessen bedrohliche Seiten aneignen. Gleichzeitig bietet das Spiel sehr viel Sicherheit, da man jederzeit, wenn es einem zu viel wird, aussteigen kann. Nutzen sie die Chance und spielen sie mit!

  • Viele Kinder malen ihre Ängste auch gerne auf. Sie können die Zeichnung dann z.B. auch in der Luft zerrreißen, einer Sorgenfresser-Puppe geben usw.

  • Man könnte auch gemeinsam mit dem Kind eine Kiste erstellen, in der man verschiedene Dinge sammelt, die bei seinen Ängsten hilfreich sein können. Ideen für die Sammlung: ein Nachtlicht, eine Sorgenfresser-Puppe, ein Mut-Stein, etc. sein.

Online-Videoberatung

Stellt das Ausmaß der Ängste für das Kind bzw. die restliche Familie eine Belastung dar? Wenn Sie sich zusätzliche Unterstützung holen möchten, stehen wir Ihnen gerne mit individueller Beratung zur Seite. 

 

 

 

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