Entwicklungsphasen
01. Aug. 2022
·
5 Minuten Lesezeit

Was hilft, wenn mein Baby viel schreit?

Geschrieben von:
Beraterin 3
Beraterin 3
Artikelinfo:

Dass Babys schreien, ist etwas völlig Normales. Es ist ein wichtiger Weg, wie sie auf ihre Bedürfnisse aufmerksam machen können. Was Sie tun können, um gut damit umzugehen und wo Sie Hilfe bekommen können. 

Durch Schreien können Babys z.B. mitteilen, dass sie müde oder hungrig sind, dass sie Nähe und Zärtlichkeit brauchen, dass sie Angst haben, weil sie in einer unbekannten Umgebung sind, u.v.m.


Bevor das Baby schreit, gibt es häufig schon andere Zeichen, mit denen das Baby zeigt, dass es etwas braucht. Im Laufe der Zeit können Eltern die Signale ihres Kindes immer besser einordnen und verstehen, was es gerade braucht.

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Hier ein paar wichtige Signale im Überblick:

  • Müdigkeit: Wenn ein Baby müde ist, dreht es sich mit dem Kopf weg und möchte keinen Blickkontakt. Sein Blick wird starr und glasig. Ein weiteres Zeichen ist, dass es sich die Augen oder Ohren reibt. Eventuell saugt es an seinen Fingern, um sich zu beruhigen. Es wird anfangs quengeln und fängt erst nach einer Weile an zu weinen.
  • Hunger: Bei Hunger fängt das Baby an, zu schmatzen. Es beginnt, mit seinem Mund Suchbewegungen zu machen. An sämtlichen Dingen, die sich seinem Mund nähern, wird es zu saugen beginnen (z.B. die Finger). Streicht man direkt neben dem Mund über seine Wange, bewegt es suchend den Kopf und öffnet seinen Mund. Zunächst quengelt das Baby leise, erst später fängt es an zu schreien
  • Überreizung: Ein wichtiges Anzeichen dafür, dass ihr Baby überreizt sein könnte, ist, dass es seinen Kopf abwendet (wenn ihm z.B. ein Spiel angeboten wird) und keinen Blickkontakt möchte. Eventuell sind seine Hände zu einer Faust geformt oder es rudert mit seinen Armen und Beinen. Dauert die Überreizung über längere Zeit an, kann das in einem heftigen schrillen Schreien des Babys enden. Das Baby drückt dann oft seinen Rücken durch, so dass es ein Hohlkreuz macht.  
  • Schmerzen: Wenn Babys Schmerzen haben, beginnen sie meist plötzlich hoch und schrill zu schreien, drücken ihren Rücken durch oder ziehen ihre Beine an. Meist sind Bauschmerzen die Ursache. Hält das Weinen an, sollte man eine/-n Ärztin/Arzt zu Rate ziehen. 

Nicht immer wird man herausfinden, warum das Baby gerade weint. Was ihrem Baby hilft ist, wenn Sie ruhig bleiben, sich dem Baby liebevoll zuwenden und ihm Nähe geben.

wie lange schreien?

Wie eingangs erwähnt, ist das Schreien bei Babys etwas Normales. Auch gesunde und gut versorgte Babys können in den ersten Lebensmonaten täglich bis zu zwei bis drei Stunden schreien. In der Regel nimmt die Dauer des Schreiens nach dem dritten Lebensmonat ab. 

was tun, wenn ihr baby schreit?

Hier einige Tipps was bei häufigem, lange anhaltendes Schreien helfen kann:

  • Ruhe bewahren: Je ruhiger und gelassener die Eltern sind, desto leichter kann sich das Kind wieder beruhigen. Nehmen Sie Hilfe von Ihrem Partner, Verwandten oder Bekannten an, die sich vorübergehend um Ihr Kind kümmern können – und gönnen Sie sich Auszeiten (auch wenn Ihr Baby gerade schreit!). Gerade in sehr herausfordernden Situationen sind ausreichender Schlaf und Erholung wichtig, um wieder Kraft zu tanken und dann gut für Ihr Baby da sein zu können. Entspannungstechniken (z.B. Atemübungen) können ebenso hilfreich sein.
  • Geben Sie rasch Trost: Was Ihr Baby braucht ist eine Bezugsperson, die rasch und einfühlsam auf seine Bedürfnisse eingeht. Dadurch helfen Sie Ihrem Kind zu lernen, seine innere Anspannung zu beeinflussen, und von selbst in einen ausgeglichenen Zustand zu kommen.
  • Signale des Babys lesen lernen: Als frisch gebackene Eltern kennt man sein Baby noch nicht und versteht oft noch nicht so gut, was das Baby möchte. Nehmen Sie sich am Anfang viel Zeit für Ihr Baby und beobachten Sie es, um es besser verstehen zu lernen. Wenn Sie die Bedürfnisse besser einordnen können, kann das helfen, dass das Baby weniger schreit.
  • Überreizungen vermeiden
    Überreizung stellt einen wichtigen Grund dar, warum Babys weinen. Um die Gefahr von Überreizung beim Baby zu senken, schaffen Sie eine ruhige Umgebung (z.B. Radio und Fernseher abschalten, aber auch Besuche von Freund*innen und Familienmitgliedern reduzieren). Auch Mobiles und Lichter über dem Babybett können zu einer Überforderung führen.
  • Eine Struktur mit einem festen Tagesrhythmus und fixen Schlafzeiten geben dem Baby Halt und Orientierung und helfen ebenso, es vor Überreizung zu schützen. Gestalten Sie die Wachphasen eher ruhig und nehmen Sie sich nicht zu viel in dieser Zeit vor. Beschränken Sie die Wachphasen eher auf wesentliche Dinge wie Füttern, Wickeln und den Austausch von Zärtlichkeit und Nähe. Letzteres bringt schöne Momente mit Ihrem Baby und hilft, die Beziehung positiv zu stärken. Nach ca. 1 bis 1,5 Stunden braucht das Baby wieder Schlaf. Rituale wie ein Schlaflied können das Einschlafen erleichtern.
  • Beruhigungsmethoden nicht zu häufig wechseln: Für jedes Baby ist etwas Anderes hilfreich. Probieren Sie zusammen mit Ihrem Kind aus, welche Methode für Sie beide passt. Wechseln Sie daher nicht rasch zwischen den Methoden, weil hier wieder die Gefahr der Überreizung besteht.
  • Pucken: Pucken bedeutet, dass das Baby eng in ein Tuch gewickelt wird nach einer bestimmten Technik. Das ähnelt dem Gefühl vom Mutterleib und kann das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit beim Baby steigern.
  • Ein Schreitagebuch führen: Wenn Ihr Kind viel schreit, können Sie den Tagesablauf und die Schreiphasen Ihres Babys protokollieren. Dies kann bei der Suche nach den Ursachen helfen:
    • Teilen sie den Tag zum Beispiel in Zeitabschnitte ein. Vielleicht lässt sich dabei ja schon erkennen, zu welcher Tageszeit das Baby am meisten schreit
    • Beobachte Sie dabei aber nicht nur ihr Baby, sondern auch sich selbst: Wann sind sie besonders angespannt? Welche Situationen sind ihnen heute besonders schwergefallen und wie war der Tag generell für Sie? Was haben Sie ausprobiert, um das Baby zu beruhigen, und was davon hat geholfen bzw. was nicht?
    • Alle diese Informationen können nicht nur für Sie hilfreich sein, sondern auch informativ für außenstehende Personen sein, sollten sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. So kann man sich einen guten Eindruck vom Alltag machen, um ganz konkrete Hilfestellungen daraus abzuleiten.

Wichtig: Auch in schwierigen Situationen die Kontrolle behalten! 

Schreit das Baby trotz aller Bemühungen immer weiter, kann das sehr belasten und überfordern. Gefühle wie Unsicherheit, Ohnmacht und Wut können entstehen.

 

Aus dem Wunsch, dass das Kind endlich still ist, kann es zu Kurzschlussreaktionen kommen, wo man das Baby schüttelt. Das Schütteln von Säuglingen kann zu ernsthaften körperlichen Schäden führen, im schlimmsten Fall zum Tod.


Sollte das Schreien zu einer Belastung für Sie werden, holen Sie sich Hilfe! Hierzu können Sie sich z.B. am eine Schreiambulanz, eine Hebamme oder ein Eltern-Kind-Zentrum wenden.

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