Schule & Lernen
09. Dez. 2021
·
6 Minuten Lesezeit

Lernrückstände aufholen nach Corona, aber wie?

Ein Beitrag von:
Katharina Wurnig
Katharina Wurnig
Corinna Harles
Corinna Harles
Artikelinfo:

In diesem Artikel geht es darum, wie Kinder nach dem Corona-Ausnahmezustand wieder in einen normalen Schulalltag zurückfinden können. Viele Schüler*innen haben große Lernrückstände entwickelt und Eltern fragen sich jetzt, wie ihre Kinder das Versäumte wieder aufholen können. 

Schule war einmal eine Selbstverständlichkeit. Sicher eine, die Kindern auch Schwierigkeiten bereitet hat. Aber doch eine verlässliche Instanz im Alltag. Dann kam Corona und alles war anders, die Schulen waren geschlossen, die Schüler*innen über lange Zeit im Distance-Learning.

 

Das war besonders schwierig für:

  • Kinder, die sich viel im Unterricht mitgenommen haben.

  • Kinder, die sich schwer tun, sich selbst zu strukturieren.

  • Kinder, die einen Schulwechsel in dieser Zeit hatten.

  • Jugendliche in der Pubertät.

Als Folgen der andauernden Überlastung berichten viele Eltern auch von mehr Konflikten innerhalb der Familie. Es gibt auch Kinder, die die Schule ganz verweigert und aufgegeben haben.

Das neue Schuljahr läuft...

In vielen Familien tauchen nun Fragen wie diese auf: Wie lassen sich die Lernrückstände aufholen? Geht das überhaupt? Und wie geht man mit diesem Druck um?

 

Die eigene Situation ist natürlich mit niemand anderem vergleichbar, trotzdem gilt: Betrachten Sie einmal die Gesamtsituation. Die Corona-Pandemie ist gesellschaftlich eine große Herausforderung. Machen Sie sich bewusst, dass Sie sich derzeit in einer schwierigen Situation befinden, von der auch viele andere Familien betroffen sind. Sie sind nicht alleine!

 

Im nächsten Schritt können Sie daran gehen, genauer zu schauen, was das eigentliche Problem ist.

 

Denn: Es kann viele Gründe geben, warum der Schulalltag nicht gut läuft.

  • Ein schwieriges Klassenklima.

  • Ein bestimmte/-r Lehrer*in, mit dem/der die Chemie nicht stimmt.

  • Ein bestimmtes Fach, bei dem sich ein Kind besonders schwer tut.

  • Es fehlen geeignete Lerntechniken.

Lehrerin und Schüler Gespräch über Schulschwierigkeiten

Und natürlich sind die wechselnden Rahmenbedingungen ein Grund. Aktuell müssen sich noch immer viele Schüler*innen umstellen, dass es wieder Präsenzunterricht gibt.

Bedenken Sie:

Jede Umstellung braucht Zeit.

die lage einschätzen

Versuchen Sie sich ein besseres Bild über die Lernrückstände Ihres Kindes zu machen: Sind mehrere Kinder in der Klasse betroffen oder nur einzelne? Wie gehen die Lehrer*innen damit um? Gibt es die Bereitschaft, Dinge zu wiederholen? Oder bleibt die Last alleine bei dem/den betroffenen Kind/-ern? 

 

Statt jetzt den Druck zu erhöhen, empfiehlt sich eher: Mitgefühl zeigen. Fragen Sie Ihr Kind öfter mal, wie es ihm/ihr geht.

 

Und überlegen Sie selbst: Wie schätzen Sie ein, dass es Ihrem Kind psychisch geht? Was ist sonst noch alles los? Hat Ihr Kind unter diesen Umständen überhaupt Ruhe und Konzentrationsfähigkeit zum Lernen? Eine Depression kann etwa Konzentration und Antrieb oft so reduzieren, dass Lernen nicht möglich ist.

 

Beim Verdacht auf psychische Probleme, sollte Sie nicht zögern, Unterstützung dazu zu holen - etwa in Form einer individuellen Beratung.  

 

Auch sonst gibt es nicht die eine Lösung. Wenn das Problem bei fehlenden Lernstrategien liegt, kann folgendes helfen:

  • Lerntechniken
  • Lernbegleitung

  • Nutzung von Lernangeboten in der Schule

Sprechen
Sie frühzeitig mit Lehrer*innen.

Wenn Sie nach einem Gespäch mit dem/der Lehrer*in fragen, zeigt das Interesse. Sie sind außerdem besser informiert und Ihr Kind kann gezielter nachlernen.

 MITEINANDER planen

Auch jetzt ist es noch nicht zu spät für Eltern und Kind, sich gemeinsam hinzusetzen und zu überlegen, was Schwierigkeiten im letzten Schuljahr waren und wie man Struktur und Entlastung schaffen kann.

 

Vereinbaren Sie klare Regeln - innerhalb der Regeln sollten Sie auch Freiheiten lassen. Natürlich ist das auch abhängig vom Alter des Kindes.

so könnte das schuljahr doch erfolgreich enden: 

unsere
tipps

#1 fokussieren

Sie können nicht mit Ihrem Kind in wenigen Wochen den Stoff eines gesamten Schuljahres nachlernen. Schauen Sie also lieber gezielt, wo die Probleme am größten waren.

Man kann Lernen nicht beschleunigen, man braucht gewisse Zeit, bis man Sachen versteht und verarbeiten kann.

#2 aufbauen

Haben Sie gemeinsam mit Ihrem Kind feststellen können, wo die Probleme liegen? Wir empfehlen, immer einen Schritt darunter anfangen. Also in dem Stoffgebiet, wo man sich noch auskennt. Das motiviert und stärkt das Selbstwertgefühl. Und Lernen und Selbstwert gehören zusammen.

#3 KALENDEr

Ein gemeinsamer Kalender hilft, den Überblick zu bewahren. Sie könnten z.B. einen großen Kalender in Plakatform besorgen, den Sie an einem zentralen Ort zuhause aufhängen.

 

In den gemeinsamen Kalender werdern alle Schularbeits-, Test- und Prüfungstermine eingetragen. So ist es leichter, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen.

#4 lernumgebung

Eine ungestörte Lernumgebung ist wichtig. Dazu zählt ein aufgeräumter Schreibtisch. Am Arbeitsplatz sollten nur die Sachen liegen, die man wirklich braucht und keine Ablenkungen. Am besten ist, immer am gleichen Platz zu lernen. Und: nicht hungrig oder durstig lernen!

#5 erfolge sehen

Weiß Ihr Kind überhaupt, dass es Lernfortschritte macht? Kleine Überprüfungen können sichtbar machen, wie viel weitergegangen ist. Wenn Ihr Kind vor der Corona-Ausnamezeit eigentlich ganz okay war in der Schule, dann dürfen Sie es gerne daran erinnern

#6 Auszeiten

Auch wenn gerade intensiv gelernt wird: Achten Sie darauf, dass es neben dem Lernen noch andere  gemeinsame Aktivitäten von Eltern und Kind gibt. Auszeiten und schöne Dinge, die man als Familie gemeinsam machen kann, helfen, wieder Energie aufzutanken.

über das eigene verhalten nachdenken

Es ist wichtig, dass Sie sich als Elternteil klar sind über Ihre eigenen Befürchtungen, Ängste und Bedürfnisse. Sie dürfen diese Empfindungen natürlich haben. Sie sollten diese aber keinesfalls bei Ihrem Kind abladen. Suchen Sie sich lieber eine erwachsene Vertrauensperson, um diese Themen zu besprechen.

Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie es lieb haben, egal welche Noten es bekommt. 

Video-beratung online

Zögern Sie nicht, sich Hilfe/Unterstützung zu holen, wenn Ihr Kind Schwierigkeiten in der Schule hat. Es ist völlig ok, wenn das gemeinsame Lernen auch Streitpotenzial birgt! Wenn Sie noch Fragen haben oder Ihre persönliche Situation besprechen wollen: Melden Sie sich beim Beratungsteam der Rat auf Draht Elternseite! Ein Gespräch bringt Entlastung

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