Sexualität
12. Okt. 2020

Liebe ist bunt

Ein Beitrag von:
Daniela Patz
Daniela Patz
Artikelinfo:

Was, wenn das eigene Kind homosexuell ist? Die sexuelle Orientierung lässt sich nicht beeinflussen, sehr wohl aber, ob sich ein Kind so akzeptieren kann, wie es ist! Wie können wir darüber sprechen?

Warum hat der Leon zwei Mamas?*

 

Warum hat die Frau einen Bart?*

 

Warum schauen die beim Life Ball so lustig aus?*

Kinder haben einen anderen Blick auf die Welt, als wir Erwachsenen. Ohne unsere Beeinflussung sind sie vor allem neugierig und stellen ihre Fragen direkt. Oft überlegen wir Erwachsenen, wann der richtige Zeitpunkt für Aufklärung ist oder auch, um über Toleranz zu sprechen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt sind, Homosexualität in Filmen und TV-Soaps selbstverständlich Thema ist und öffentlich darüber diskutiert werden kann.

 

Das erweckt den Eindruck, gleichgeschlechtliche Liebe sei längst akzeptiert. Doch in der Realität ist der Umgang damit nach wie vor nicht selbstverständlich. Gerade auch wenn es den eigenen Nachwuchs betrifft. Eltern wirft die Mitteilung, ihr Sohn ist schwul, ihre Tochter lesbisch häufig trotzdem aus der Bahn, auch wenn sie mit Homosexualität an sich kein Problem haben und gleichgeschlechtlich liebenden Bekannten gegenüber aufgeschlossen sind.

Mit welchen Sprüchen wachsen Kinder auf?

"Schwule sind keine echten Männer". "Lesben sind Männerhasser." "Mann und Frau können sich lieben, aber auch Mann und Mann oder Frau und Frau." Mit diesen und anderen Aussagen wachsen unsere Kinder auf. Die Bewertung und Interpretation der eigenen, intimen Gefühle des Nachwuchses wird durch diese Informationen stark beeinflusst.

 

Stellt ein Jugendlicher in einer Umgebung, die nur heterosexuelle Lebenskonzepte akzeptiert, fest, dass er nicht so empfindet, wie er soll, erzeugt das unglaubliche Ängste, Zweifel und Druck. Er erlebt sich selbst als nicht "normal". Diese nagenden Selbstzweifel können krank machen und bis zum Selbstmord führen.

Angst machende, abwertende Aussagen über Formen der sexuellen Orientierung betreffen nicht nur homosexuelle Jugendliche, sondern alle Jugendliche in ihrer Entwicklung. Denn sie sind unsicher, hinterfragen ihre Gefühle und Wünsche, fragen sich, ob sie "okay" sind. 

Erziehung und Homosexualität

Häufig stellen sich Eltern die Frage nach den Ursachen und suchen dabei den Einfluss bei sich. „Habe ich alles richtig gemacht?“ „Was hätte ich anders machen müssen?“

 

Manche trösten sich mit der Hoffnung, es sei nur eine Phase und vergehe wieder. Dabei ist Homosexualität eine Veranlagung, wie auch die Heterosexualität. Keine Erziehung macht ein Kind homo- oder heterosexuell. Die sexuelle Orientierung kann man sich weder aussuchen, noch anerziehen. Erziehung kann allerdings große Ängste schüren, nicht normal zu sein und nicht akzeptiert zu werden. Wenn Eltern ihren Kindern beibringen, dass sie in Ordnung sind und geliebt werden, so wie sind, können sie ein solides Selbstwertgefühl entwickeln.

Mein Kind in seiner Vielfalt

Gibt es allerdings viele Erwartungen, wie ein Mädchen sein muss, ein Junge sich zu verhalten hat, um akzeptiert und geliebt zu werden, dann werden umso mehr Ängste und Zweifel erzeugt, sobald man merkt, dass man diesen Erwartungen nicht entspricht.

 

Mädchen sind häufig schon verunsichert, wenn sie mit ihrer besten Freundin Hand in Hand durch die Stadt schlendern, obwohl es alles andere als sexuell motiviert ist. Burschen zweifeln an sich, wenn sie andere männliche Körper attraktiv finden, was jedoch völlig normal ist, und auch nichts mit Homosexualität zu tun hat.

 

Wichtig ist, Kindern zu vermitteln, dass es verschiedenste Modelle des Zusammenlebens gibt, nicht zuletzt, um unsere Welt ein Stück weit toleranter zu gestalten. Kindliche Rollenspiele etwa können dazu genützt werden, über die verschiedenen Lebenskonzepte mit Kindern zu sprechen.

 

Die sexuelle Orientierung ist ein Aspekt der Persönlichkeit deiner Tochter / deines Sohnes, vergleichbar mit einer kleinen Schublade eines Kastens mit vielen verschiedenen Laden sind es Facetten eines Menschen. Der Mensch selbst, verändert sich dadurch nicht. Lediglich der Inhalt der Schublade „sexuelle Orientierung“ wurde anders gefüllt, als vielleicht erwartet. Dein Kind hat unendlich viele Facetten und ist trotzdem und gerade deshalb immer derselbe Mensch, den du kennst und liebst.

 

Kinder vorbehaltlos als die anzunehmen, die sie sind, ist eines der größten Geschenke, die wir ihnen machen können.

 

Vielleicht auch eine der größten Herausforderungen, haben wir doch alle eigene Ängste und vielleicht auch Vorurteile.
Viele Jugendliche schieben ihr Coming-Out lange vor sich hin. Zu groß ist die  Angst, von Eltern und Freunden abgelehnt zu werden. Lesbische Mädchen sprechen oftmals früher als schwule Burschen mit ihren Eltern über ihre sexuelle Orientierung. Sie trauen sich eher, sich im persönlichen Gespräch anzuvertrauen. Beiden gemeinsam ist die Angst vor der Reaktion der Eltern. „Wie soll ich das meinen Eltern erzählen? Die hauen mich sicher raus.“

Wie umgehen mit dem Outing?

Ganz klar, eine „optimale“ Reaktion zeigt, dass man den Nachwuchs genau so annimmt, wie er eben ist.  Ein große Stütze ist es, zu seinem Kind zu stehen und es in dem, was es fühlt, zu unterstützen. Denn gerade in der Zeit des Outings ist es für Jugendliche wichtig, Menschen zu haben, die für sie da sind und diesen Weg gemeinsam mit ihnen gehen.

Ob und wann ein Jugendlicher sich seinen Eltern anvertraut, hängt unter anderem von der Beziehung ab, die er zu seinen Eltern hat, davon, wie in der Familie über Sexualität im Allgemeinen und über Homosexualität im Besonderen gesprochen wurde und davon, wie er sich in bisherigen Problemsituationen von den Eltern unterstützt gefühlt hat. Bei einem Outing des Nachwuchses sind die Eltern gefragt, ihre Kinder bedingungslos anzunehmen. Doch das ist oft gar nicht einfach, wird man auch mit möglichen eigenen Ängsten und Vorurteilen konfrontiert.

Eine unüberlegte Reaktion ist kein Drama

Im Gegenteil! Viele Eltern trifft die Nachricht völlig unvermittelt. Die Reaktion ist häufig spontan, vielleicht auch unüberlegt oder verletzend für den Nachwuchs. Die eigenen Gefühle der Angst, Schuld, Überforderung, Enttäuschung etc. richten sich gegen das Kind. Vielleicht ist der Kontakt vorerst abgebrochen oder schwierig. Jugendliche rechnen oft sogar damit und haben durchaus Verständnis dafür, dass die Eltern eine Zeit brauchen, um damit umgehen zu können und zunächst überfordert sind. Denn sie kennen ihre Eltern und können sie auch gut einschätzen.

Es geht um die Bereitschaft!

Entscheidend ist, ob man bereit dazu ist, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Auch wenn es uns vielleicht zunächst einfach überfordert oder Angst macht. Allein die Bereitschaft dazu wird deinem Kind sehr viel bedeuten. In dieser Situation muss man sich als Elternteil entscheiden, ob man sich seinem Kind zuliebe mit diesem Thema auseinandersetzt, das einen vielleicht zunächst überfordert. 

Die eigene Familie zählt! 

Wichtig ist der Schritt aufeinander zu. Betroffene Eltern haben im Rückblick manchmal festgestellt, dass sie sich mehr damit beschäftigt haben, sich zu fragen, was andere denken könnten, als zu überlegen, was die eigene Familie, die eigenen Kinder glücklich machen könnte.

Sprechen Sie miteinander! 

Sprechen Sie ehrlich aus, welche Fragen und Ängste bestehen. Entschuldigen Sie sich für Worte, die Sie vielleicht im Affekt gesagt, aber gar nicht so gemeint haben.

Holen Sie sich Unterstützung! 

Das Offenbaren der Kinder vor den Eltern ist keine Provokation, sondern die Suche nach Anerkennung, Nähe und Liebe. Es geht nicht darum die gleichgeschlechtliche Liebe selbst gut zu finden, sondern darum, das Kind weiterhin so zu akzeptieren und zu unterstützen, wie es ist.
 
Ihr müsst diesen Weg auch nicht alleine gehen. Es gibt viele Beratungsstellen, die Unterstützung für Angehörige anbieten. Hilfreich sind oft auch Elterngruppen, in denen sich Eltern von gleichgeschlechtlich liebenden Töchtern und Söhnen austauschen, von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung anzunehmen.

*Mama, warum hat die Frau einen Bart? Weil das ein Mann ist und er sich gerne als Frau verkleidet. Weil er ein Mann ist und anderen Menschen Mut machen möchte, genau so zu leben, wie es einen selbst glücklich macht.

 

*Papa, warum hat der Leon zwei Mamas? Weil sich auch ein Mann in einen Mann/eine Frau in eine Frau verlieben kann.

 

*Warum schauen die beim Life Ball so lustig aus? Es geht darum, Aufmerksamkeit zu erregen. So kann Geld gesammelt werden, um für Mittel gegen eine Krankheit zu forschen.

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