Schule & Lernen
28. Juni 2022
·
5 Minuten Lesezeit

Ein schlechtes Zeugnis wegen Corona?

Ein Beitrag von:
Katharina Wurnig
Katharina Wurnig
Corinna Harles
Corinna Harles
Artikelinfo:

Was tun, wenn das Zeugnis schlecht ausgefallen ist und Ihr Kind sogar einen oder mehrere Fünfer hat? Wir helfen mit Tipps weiter.

Es ist wieder soweit: Die Zeugnisse werden verteilt. Am Freitag, 1. Juli sind die Schüler*innen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland dran, eine Woche später endet am 8.7. das Schuljahr in Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg. Damit gibt es nun schon zum fünften Mal, seit die Pandemie Teil unseres Lebens geworden ist, eine Zeugnisverteilung.

 

Schule und Lernen haben auch dieses Semester unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. Viele Familien waren in den letzten Monaten "Corona-positiv" und in Quarantäne und natürlich waren auch viele Pädagog*innen betroffen. Auch, wenn es Kinder gibt, die mit der Situation des Lernens zu Hause gut zurechtkommen, hat dies für viele Kinder und Jugendliche die Situation erschwert. Gerade Kinder und Jugendliche, die sich mit Selbstorganisation schwer tun, waren dadurch besonders gefordert.

 

Dazu kommt: Schulveranstaltungen konnten nicht stattfinden, etc. 

 

Wie können Sie nun gut reagieren, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter mit einem oder mehreren Fünfern im Zeugnis nach Hause kommt?

 

Zunächst: Ein Schulzeugnis sagt nichts über die Intelligenz oder Fähigkeiten Ihres Kindes aus, sondern ist zu allererst eine Momentaufnahme. Das Zeugnis und die Noten im Zeugnis hängen mit den Umständen und Lehrer*innen zusammen.

Ein Fünfer heißt nicht, dass alles vorbei ist!

Unter den speziellen Umständen geht vieles nicht so, wie man gerne hätte. Das muss aber nicht heißen, dass man es in Zukunft nicht wieder in Ordnung bringen kann. Es hilft, sich in Erinnerung zu rufen: Im Moment ist die Situation für viele schwierig. Gerade jetzt ist das Wohlbefinden wichtiger als Noten. Hinter einem Misserfolg in der Schule steckt nicht nur ein einzelnes Versagen, sondern vor allem auch eine gewaltige Herausforderung für unsere ganze Gesellschaft, die wir gerade bewältigen müssen. Man sollte der negativen Beurteilung daher auch nicht zu stark Bedeutung geben.

 

Versuchen Sie, sich ein wenig in die Situation Ihres Kindes hinein zu versetzen: Wie würde es Ihnen mit einer negativen Beurteilung gehen? Was würde Ihnen in dieser Situation helfen? Was würden Sie gerne von anderen hören?

EIN (oder mehr) FÜnfer - was nun?

Ein Fünfer bedeutet noch nicht, dass Ihr Kind das Schuljahr wiederholen muss. Mit der Nachprüfung im Herbst bleibt noch eine Gelegenheit, die schlechte Note auszubügeln. Schauen Sie, dass Ihr Kind genug Pause bekommt, bevor es mit dem Lernen für die Nachprüfung beginnt. Achten Sie aber auch darauf, dass nicht in letzter Minute und unter Stress und Zeitdruck gepaukt wird.

 

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, ein Jahr zu wiederholen, wenn viel vom Stoff verpasst wurde. Schließlich fehlt sonst ja auch teilweise Stoff, auf den die folgenden Schuljahre aufbauen (besonders z.B. bei Sprachen). Viele quälen sich von Jahr zu Jahr durch ein Schulfach, oftmals mit viel Lernen und zusätzlicher Nachhilfe.

 

Durch das Wiederholen hat Ihr Kind ein Jahr Zeit, um den Stoff doch noch drauf zu bekommen. Einiges wurde ja schon einmal gelernt hat und als Fach positiv abgeschlossen, dadurch bleibt mehr Konzentration auf die Fächer, die einem schwer fallen. Vorbereitete Referate etc. könnten vielleicht nochmals verwendet, insgesamt bleibt mehr Erholungszeit und der Stress wird weniger.

 

Vor allem kann dieses eine Wiederholungsjahr manchmal auch dazu führen, dass man Versäumtes wirklich gut aufholen kann und einem quasi "der Knopf aufgeht". Auch in zukünftigen Jahren kann sich das durchaus positiv auswirken!

Unsere Tipps, damit es im nächsten Schuljahr besser läuft:

  • Anstrengung würdigen. Auch wenn die Noten letztlich schecht ausgefallen sind, hat sich Ihr Kind in den meisten Fällen angestrengt. Das sollten Sie auch wertschätzen. Wahrscheinlich ist Ihr Kind in dieser Sitaution auch nicht zufrieden mit sich selbst. Statt noch mehr Kritik, braucht es die Gewissheit, dass die Eltern hinter ihm stehen. Unter dem Motto: Gemeinsam schauen, was wir jetzt tun können.

  • Heben Sie Positives hervor, statt sich auf das Negative zu konzentrieren. Wer auf Unterstützung und Mitgefühl statt Anschuldigungen und Vorwürfe setzt, hebt auch das Selbstwertgefühl seines Kindes. Und so gestärkt, lernt es sich in Zukunft besser. 

  • Als Eltern ist man vielleicht versucht, mit Strafen wie Handy-Verbot Konsequenzen zu setzen. Dieser Weg ist aber eher kontraproduktiv. In einer herausfordernden Situation verschlechtert sich damit noch das Miteinander.

  • Jetzt sind Ferien! Schulkinder dürfen und sollen die Auszeit zum Abschalten und Auftanken nutzen und einmal gar nichts für die Schule machen. Nach der Pause geht es dann erholt weiter! Die Sommerferien dauern neun Wochen, eine Möglichkeit wäre z.B. die erste Hälfte Ferienstimmung zu genießen.

  • Nehmen Sie sich nach einer wohlverdienten Ferienpause Zeit, zusammen mit Ihrem Kind zu überlegen, was die Gründe für schlechte Ergebnisse waren. Machen Sie miteinander einen Plan, wie es in Zukunft besser laufen könnte. Sie sollten dabei beides berücksichtigen: die Wünsche, die Ihr Kind äußert und die Bedürfnisse, die Sie als Mutter oder Vater haben. Ein guter Plan gibt Sicherheit und Orientierung!

  • Hilfe holen: Wenn Sie das Gefühl haben, dass das gemeinsame Lernen mit Ihrem Kind nicht klappt und Sie dabei immer aneinander geraten, sind Sie damit sicher keine Ausnahme. Die Eltern-Kind-Beziehung ist eben anders als die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler*in. Fragen Sie in Ihrem Umfeld: Vielleicht gibt es Bekannte, Nachbarn oder Verwandte, die stundenweise als Lernunterstützung einspringen können. Wenn es nicht anders möglich ist, können Sie auch professionelle Unterstützung in Form von Nachhilfeunterricht holen.

Weiterführende Tipps:

Das Home Scholing könnte durch Quarantäne und Klassenschließungen auch nach den Ferien wieder aktuell sein (auch wenn wir natürlich das Gegenteil hoffen). Wir haben für Sie zusammengefasst, wie man das Distance Learning erleichtern kann. Hier geht's zum Artikel Home-Schooling in Corona-Zeiten.

 

Wie man Lernrückstände aufholen und wieder leichter in den Schulalltag zurückfinden kann, finden Sie hier: Schwierige Rückkehr in den normalen Schulalltag 

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