Schule & Lernen
31. Jan. 2022
·
5 Minuten Lesezeit

Ein schlechtes Zeugnis wegen Corona?

Ein Beitrag von:
Katharina Wurnig
Katharina Wurnig
Corinna Harles
Corinna Harles
Artikelinfo:

Mit dem Corona-Ausbruch ist auch die Schule in einer Ausnahmesituation. Unterricht im Home Schooling und Distance Learning erschweren das Lernen. Was tun, wenn das Zeugnis schlecht ausgefallen ist und Ihr Kind sogar einen oder mehrere Fünfer hat? Wir helfen mit Tipps weiter.

Es ist wieder soweit: Die Zeugnisse werden verteilt. Am Freitag, 4. Februar sind die Schüler*innen in Wien und Niederösterreich dran, eine Woche später endet am 11.2. das erste Semester im Burgenland, in Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Oberösterreich und die Steiermark folgen am 18.2. Damit gibt es nun schon zum vierten Male in der Pandemie-Ausnahmesituation eine Zeugnisverteilung. Wenn Schule und Lernen unter erschwerten Bedingungen stattfinden, wirkt sich das natürlich auf den Lernerfolg aus. Sind die Noten in Gefahr durch Corona?

 

Auch, wenn es Kinder gibt, die mit der Situation des Lernens zu Hause gut zurechtkommen, für viele Kinder und Jugendliche gilt: Distanzlearning erschwert die Situation. Gerade Kinder und Jugendliche, die sich mit Selbstorganisation schwer tun, sind jetzt besonders gefordert. Alleine bei der Sache zu bleiben, wenn rundherum Ablenkungen da sind, ist auch für Erwachsene im Home Office eine Herausforderung. Die Kinder haben durch die Arbeit am Computer auch immer andere Möglichkeiten präsent, ob Computerspiele, Social Media oder Surfen im Internet.

 

Wie können Sie nun gut reagieren, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter mit einem oder mehreren Fünfern im Zeugnis nach Hause kommt?

 

Zunächst: Ein Schulzeugnis sagt nichts über die Intelligenz oder Fähigkeiten Ihres Kindes aus, sondern ist zu allererst eine Momentaufnahme. Das Zeugnis und die Noten im Zeugnis hängen mit den Umständen und Lehrer*innen zusammen.

Ein Fünfer heißt nicht, dass alles vorbei ist!

Unter den speziellen Umständen geht vieles nicht so, wie man gerne hätte. Das muss aber nicht heißen, dass man es in Zukunft nicht wieder in Ordnung bringen kann. Es hilft, sich in Erinnerung zu rufen: Im Moment ist die Situation für viele schwierig. Gerade jetzt ist das Wohlbefinden wichtiger als Noten. Hinter einem Misserfolg in der Schule steckt nicht nur ein einzelnes Versagen, sondern vor allem auch eine gewaltige Herausforderung für unsere ganze Gesellschaft, die wir gerade bewältigen müssen. Man sollte der negativen Beurteilung daher auch nicht zu stark Bedeutung geben.

 

Versuchen Sie, sich ein wenig in die Situation Ihres Kindes hinein zu versetzen: Wie würde es Ihnen mit einer negativen Beurteilung gehen? Was würde Ihnen in dieser Situation helfen? Was würden Sie gerne von anderen hören?

EIN (oder mehr) FÜnfer - was nun?

Eine negative Note im Halbjahreszeugnis ist nur eine Zwischenbeurteilung. Sie soll Eltern und Schüler*innen darüber benachrichtigen, wo der/die Schüler*in in puncto Lernerfolg gerade steht. Offiziell heißt daher ja auch „Schulnachricht“.

 

Und wenn es auch im nächsten Semester nicht „positiv“ ausgeht?

Auch ein Fünfer im Jahreszeugnis bedeutet noch nicht, dass Ihr Kind das Schuljahr wiederholen muss. Mit der Nachprüfung im Herbst bleibt eine weitere Gelegenheit, die schlechte Note auszubügeln. Sie können Ihr Kind dann unterstützen, indem Sie dafür sorgen, dass es genug Pause bekommt, bevor es mit dem Lernen beginnt - aber auch, dass es rechtzeitig und nicht in letzter Minute lernt.

 

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, ein Jahr zu wiederholen, wenn viel vom Stoff verpasst wurde. Schließlich fehlt sonst ja auch teilweise Stoff, auf den die folgenden Schuljahre aufbauen (besonders z.B. bei Sprachen). Viele quälen sich von Jahr zu Jahr durch ein Schulfach, oftmals mit viel Lernen und zusätzlicher Nachhilfe.

 

Durch das Wiederholen hat Ihr Kind ein Jahr Zeit, um den Stoff doch noch drauf zu bekommen. Einiges wurde ja schon einmal gelernt hat und als Fach positiv abgeschlossen, dadurch bleibt mehr Konzentration auf die Fächer, die einem schwer fallen. Vorbereitete Referate etc. könnten vielleicht nochmals verwendet, insgesamt bleibt mehr Erholungszeit und der Stress wird weniger.

 

Vor allem kann dieses eine Wiederholungsjahr manchmal auch dazu führen, dass man Versäumtes wirklich gut aufholen kann und einem quasi "der Knopf aufgeht". Auch in zukünftigen Jahren kann sich das durchaus positiv auswirken!

Unsere Tipps, damit es im nächsten Semester besser läuft:

  • Anstrengung würdigen. Auch wenn die Noten letztlich schecht ausgefallen sind, hat sich Ihr Kind in den meisten Fällen angestrengt. Das sollten Sie auch wertschätzen. Wahrscheinlich ist Ihr Kind in dieser Sitaution auch nicht zufrieden mit sich selbst. Statt noch mehr Kritik, braucht es die Gewissheit, dass die Eltern hinter ihm stehen. Unter dem Motto: Gemeinsam schauen, was wir jetzt tun können.

  • Heben Sie Positives hervor, statt sich auf das Negative zu konzentrieren. Wer auf Unterstützung und Mitgefühl statt Anschuldigungen und Vorwürfe setzt, hebt auch das Selbstwertgefühl seines Kindes. Und so gestärkt, lernt es sich in Zukunft besser. 

  • Als Eltern ist man vielleicht versucht, mit Strafen wie Handy-Verbot Konsequenzen zu setzen. Dieser Weg ist aber eher kontraproduktiv. In einer herausfordernden Situation verschlechtert sich damit noch das Miteinander.

  • Jetzt sind Ferien! Schulkinder dürfen und sollen die Auszeit zum Abschalten und Auftanken nutzen. Nach der Pause geht es dann erholt weiter! 

  • Nehmen Sie sich Zeit, zusammen mit Ihrem Kind zu überlegen, was die Gründe für schlechte Ergebnisse waren. Machen Sie miteinander einen Plan, wie es in Zukunft besser laufen könnte. Sie sollten dabei beides berücksichtigen: die Wünsche, die Ihr Kind äußert und die Bedürfnisse, die Sie als Mutter oder Vater haben. Ein guter Plan gibt Sicherheit und Orientierung!

  • Hilfe holen: Wenn Sie das Gefühl haben, dass das gemeinsame Lernen mit Ihrem Kind nicht klappt und Sie dabei immer aneinander geraten, sind Sie damit sicher keine Ausnahme. Die Eltern-Kind-Beziehung ist eben anders als die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler*in. Fragen Sie in Ihrem Umfeld: Vielleicht gibt es Bekannte, Nachbarn oder Verwandte, die stundenweise als Lernunterstützung einspringen können. Wenn es nicht anders möglich ist, können Sie auch professionelle Unterstützung in Form von Nachhilfeunterricht holen.

Weiterführende Tipps:

Das Home Scholing könnte durch Quarantäne und Klassenschließungen auch nach den Ferien wieder aktuell sein (auch wenn wir natürlich das Gegenteil hoffen). Wir haben für Sie zusammengefasst, wie man das Distance Learning erleichtern kann. Hier geht's zum Artikel Home-Schooling in Corona-Zeiten.

 

Wie man Lernrückstände aufholen und wieder leichter in den Schulalltag zurückfinden kann, finden Sie hier: Schwierige Rückkehr in den normalen Schulalltag 

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